Südafrika - 21. Oktober 2005
Am Kap der guten Hoffnung
Daß heute Bergfest ist, kam erst am Abend heraus und bis dahin war es ein weiter Weg. Die Sonne begrüßte uns schon beim Aufstehen. Das ist doch sehr nett. Nach dem kontinentalen Frühstück und in den nicht vorhandenen Wind hängen der Wäsche starteten wir umgehend durch. Immer an der Küstenlinie der False Bay entlang, soweit dies möglich ist, fuhren wir in Richtung Kap der Guten Hoffnung.
Ab Muizenberg reiht sich ein Ort an den anderen. Für nähere Betrachtungen hatten wir heute keine Zeit. Nur soviel haben wir gesehen, daß es sich schon lohnt, die teilweise jahrhundertealten Gebäude mit einem Halt zu würdigen. Und zwischen Strand und Ortschaften schlängelt sich eine Bahnlinie entlang. Wer Cannes kennt, müßte sich hier nur einen viel,viel breiteren Strand vorstellen. Und lustige Verkehrsschilder fielen uns ins Auge. Da sind Pinguine drauf oder exakter ein Pinguin pro Schild. Man muß höllisch aufpassen, denn sie sind ziemlich klein und auf dem dunklen Straßenbelag schnell zu übersehen, befürchte ich. Also wir haben auf der Straße keinen einzigen Pinguin gesehen und das Ruckeln ab und an beruhte ausschließlich auf den dortigen Verkehrsberuhigungsanlagen. Ehrenwort. Auf der herrlichen Küstenstraße gelangten wir gegen 11.00 Uhr an den Peninsula-Haupteingang des Tafelberg-Nationalparks.

- Cape Point
Für 35.- Rand pro Person darf man im Sommer (Okt. - März) zwischen 6.00 und 18.00 einfahren. Schließen tun sie bei Sonnenuntergang und das ist wortwörtlich zu verstehen - nämlich die Tore. In der Smitswinkel Bay hielten wir gleich einmal an und genossen die Aussicht während eines kleinen Spazierganges. Eine Agame mit grünem Köpfchen sonnte sich auf einem Felsen und machte nebenbei Liegestütze. Vierzehn ausschließlich auf der Kaphalbinsel wachsende Pflanzen soll es geben. Leider halten sie mit ihrer Einmaligkeit sehr hinterm Berg, sodaß ich sie einfach nicht erkennen konnte - nicht eine. Wir fuhren weiter in Richtung Süden und trafen auf warnblinkende Busse vor uns. Auch auf der Gegenfahrbahn bewegte sich nichts also fuhr ich langsam an den Bussen vorbei. Immer diese Kommentare und Fotostops! dachte ich. Dann sah ich die Bescherung. Ein Baboon (Papio ursinus - Paviane hald) lag leblos auf der Straße. Nicht weit entferntsaß eine Mutter mit ihrem Nachwuchs im Arm. Hatte etwa jemand das Äffchen zur Halbwaisen gemacht? Oder hatte er gerade, ganz kurz nur den Kopf gehoben? Ja, er lebt, welch ein Glück, und blockiert nur die Straße, weil es sich gut liegt auf dem warmen Asphalt. Ich paßte gerade zwischen der Affenfamilie hindurch mit dem Auto. Der Pascha hob noch einmal den Kopf, um zu prüfen, ob sein Schwanz nicht in die Gefahr geriet, unter die Räder zu kommen. Das war's.

- Real Cape Point
Auf dem Parkplatz am Cape Point machte ein Kleinbus extra Platz für uns. Ansonsten war die Einrichtung sehr gut besucht. Ein Bus nach dem anderen spie die Reisenden aus, was am Leuchtturm zu ziemlichem Gedränge führte. Da dies genau das ist, was Heidi am meisten mag, hielten wir uns dort nur sehr kurz auf. Unterhalb des Leuchturmes gibt es ein weiteres Leuchtfeuer, deren Entfernung mit 1,5 Stunden (hin und zurück) angegeben ist. Dafür mußte sich Heidi erst stärken. Alle Wegzehrung war im Auto geblieben, d.h. wir faßten eine Cola ins Auge, die Heidis Blutzuckerspiegel wieder normalisieren sollte. Leider nahm der Getränkeautomat keine Scheine und der Typ im Souveniershop wollte nicht wechseln. Also kauften wir zwei Postkarten a 4,- Rand, was uns zu 12,- Rand in Münzen verhalf. Optimal für die 7,- Rand, die der Automat für eine Cola verlangte. Endlich konnten wir uns auf den Weg machen. Von den 1,5 Stunden Wegezeit blieben 40 Minuten übrig, obwohl in aller Ruhe den Spaziergang genossen. Vier Wale fesselten unsere Aufmerksamkeit.
- Welcher Art sind die?
Nun war es an der Zeit, im Restaurant "Two Oceans View" zu speisen. Auf die Idee waren auch andere Touristen gekommen, was die Überfüllung der Terrasse zur Folge hatte. Auf jeden Fall ist die Küche auch hier empfehlenswert, obwohl der Mitropacharakter der Lokalität anderes befürchten ließ. Ich hatte mich für Gamsbocksteak entschieden und Heidi war heute für Fish and Chips (Linefish) zuständig. Das Pils wird übrigens in 0,5 Liter Tulpen serviert. Zufrieden unternahmen wir einen Verdauungsspaziergang zum Kap der Guten Hoffnung. Der Weg dorthin ist meist mittels Holzplanken ausgebaut, was sehr angenehm ist. Ständig huschen verschiedenste Echsenarten durch die Gegend, Klip Sleepers sind mit sich selbst beschäftigt und die Straußen bleiben auf Distanz. Diaz' Bucht betraten wir auf dem Rückweg. Windstille und nur leichter Seegang luden fast zum Bade. Barfuß durchstreifte ich die Bucht, immer auf der Hut vor der Brandung, die trotz der ruhigen See ganz schön betrieb machte. Statt schönster Muscheln legte ich Heidi einen angestrandeten, total versandeten Schwamm zu Füßen und fand mit der Gabe ihre Gnade. Die 261 stiegen wir wieder zum Hauptweg und gingen retour zum Auto.

- Die grüne Kette

- Die letzten Sonnenstrahlen
Es war schon 17.00 Uhr geworden und der Parkplatz hatte sich schon fast völlig geleert. Wir wollten auch noch die Pinguine besuchen und so war es uns ganz recht, daß die Baboons die Straße wieder freigegeben hatten. Am Parktor gab es einen Stau, dem wir uns diesmal nicht anschlossen. Die Kapzebras, die diesen Stau verursachten, hatten wir schon in Botlierskop bewundern dürfen. Als die Verkehrsschilder "Pinguinwechsel" erschienen, folgten wir den Hinweisschildern zum Boulderpark, der ebenfalls Bestandteil des Tafelberg-Nationalparkes ist. Die Souvenierhändler hatten schon fast alles eingepackt, bis auf die grüne Kette für Heidi. Einige Pinguine genossen die letzten Sonnenstrahlen des Tages, denn sie hatten sich rechtzeitig die besten Plätze gesichert. Die meisten bereiteten sich jedoch im Schatten schon für die Nacht vor. Gebadet wurde überhaupt nicht mehr, höchstens noch etwas schöngetan bzw. gezankt. Als Letzte verließen wir die niedlichen Kerlchen, die mit ihren Schnäbeln gehörig zwicken können sollen.
Auf der Küstenstraße fuhren wir wieder heim und sahen hunderte Angler am Meeresrand ihre Ruten zum Zwecke des Angelns bedienen. Heidi bereitete das Abendmahl, während mich die Muse des Tagebuchschreibens küßte. Ganz schnell standen die Pellkartoffeln und der Feta auf dem Tisch. Ich glaub Heidi mag es nicht, wenn mich fremde Frauen küssen. Na dann gute Nacht Marie!
Jost



