Südafrika - 31. Oktober 2005
Und schon ist wieder alles vorbei
Wir wachten wie immer gegen halb acht Uhr auf. Der Himmel war total zugezogen, als wollte uns das Wetter den Abschied von Südafrika erleichtern. Nach dem Frühstück packten wir unseren Krempel zusammen. Dabei achtete ich darauf, daß ich an unsere Neuerwerbungen gut herankam, denn wir wollten die verausgabten 50 bis 60 Euro Mehrwertsteuer dann doch nicht verschenken. Dazu muß man den einen oder anderen Artikel zu Kontrollzwecken vorweisen können. Die Sachen, die wir hierlassen wollten, um Schwester Marina zu unterstützen, legten wir auf den Tisch neben dem Eingang. Die zerbrechlichen Mitbringsel wurden möglichst weich mit eingebaut und so um 11.00 Uhr waren die Abreisevorbereitungen abgeschlossen.
Auf dem vorgestrigen Rückweg vom Strand in Strand hatten wir nicht rechts abbiegen gedurft. Der neue Weg hatte uns etwas früher auf die Hauptstraße (R44) geführt, wo wir ein Hinweisschild nach Somerset West gesehen hatten. Diese Strecke wollten wir heut nochmal probieren. Im Endeffekt kommt man am anderen Ende von Somerset West an. Es ist also offensichtlich der kürzere Weg aber nicht der schnellere, denn unsäglich viele Ampeln behindern den Verkehrsfluß. Nun kann ich auch Markus verstehen, der sich lieber von Querrinnen behindern läßt und die schöne Aussicht auf's Meer genießt, als auf Autohäuser, Baumärkte und sonstige Industrieanlagen schauen zu müssen, wenn er an einer Ampel warten muß. Nach dem Abstellen des Autos unternahmen wir den Versuch, eine Badehose zu kaufen. Dies erwies sich als schwierig, denn wenn Badebekleidung angeboten wurde, dann entweder ausschließlich für die holde Weiblichkeit und für Halbstarke, die es vorziehen, mit diesen Shorts im Wasser herumzuhüpfen. Zum Schwimmen war nix zu kriegen. Wir tranken einen Saft und holten Heidis Tabletten (Devils Claw) aus der Apotheke ab, wo wir sie bestellt hatten. Und noch etwas gegen Magenschmerzen, ach und Rückenschmerzen gibt's ja auch noch.

- Sommerschnitt???
Flutsch - waren 120,- Rand in die Kasse des Apothekers gewandert. Das war auch in Ordnung so, denn bei uns hätte der Spaß ab 14.00 Uhr zugegen - und so fuhren wir über die Somerset Mall, wo wir doch noch eine Badehose bekamen, nach Gordon's Bay zurück. Zu Mittag kehrten wir bei Antonio ein und wurden von der neuen Frisur (Sommerschnitt?) des Kellners überrascht. Ich bestellte mir die letzten beiden Austern und eine Fischpfanne. Heidi versuchte die so geliebten, frittierten Garnelen.
- Fischpfanne_________________zwei Austern__________________Heidis Mahl
Mir fiel ein, daß uns ja noch die Mienen für die geschnitzten Stifte fehlten und so klapperte ich die Supermärkte der Umgebung ein letztes Mal ab. Es war wie verhext. Diese Mienen mit einem kleinen Kegel, an dessen Spitze die Kugel sitzt, waren einfach nicht zu kriegen. Aus Verzweifelung kaufte ich zwei andere Mienen, vielleicht gingen die ja auch. Und gleich noch ein paar Stifte, in die die Mienen auf jeden Fall passen würden. So, nun waren noch 150,- Rand übrig, das sollte für das Auffüllen des Tanks genügen. Ich schrieb noch am Tagebuch, bevor wir endgültig in etwas wärmere Sachen schlüpfen mußten. Das Klima in Deutschland ist entschieden kühler als hier. Obwohl wir aus den Wetterberichten des deutschsprachigen Fernsehens nur Gutes über den diesjährigen Oktober vernommen hatten. Dann kamen auch schon Markus Eltern, um uns zum Flughafen zu begleiten. Wir übergaben die Wohnungsschlüssel und ich fuhr ein letztes Mal links. Das Restgeld reichte, wie erwartet, den Tank restlos zu füllen. Ich hatte allerdings vorsichtshalber darum gebeten, für höchstens 150,- Rand unverbleites Benzin zu tanken. Nun reichte der Tank wiederum nur für 135,- Rand und ich mußte erst bescheidgeben, daß dies ausreichend sei, damit die junge Frau ihre Versuche einstellte, doch noch die 150,- voll zu machen. Heidi unterhielt sich angeregt mit Markus' Mutter und ich hörte Markus' Vater bei seinen Reiseberichten zu. Und da war sie auch schon, die Haupthalle des Flughafens Cape Town. Markus' Eltern würden zu Schwester Marina weiterfahren, ja und wir versuchen, die Mehrwertsteuer zurückzubekommen. Der VAT-Schalterwar fast leer und so brauchten wir kaum zu warten. Der jungen Steuerbeamtin übergab ich meinen Paß und unsere Belege, die sie aus Vollständigkeit oder so überprüfte. "Können sie mir einige der Sachen zeigen, die Sie ausführen?" Na klar, allein Hut, Weste, Wanderschuhe und einen Gürtel trug ich ja gerade. "And the Wallet please!" Ach ja, in der Laptoptasche, kleine Außentasche, da war das kleine Portemonais. "Vielen Dank!" Jetzt brauchten nur noch die Informationen jedes einzelnen Beleges in den Computer eingegeben zu werden. Der brauchte dann etwas länger als die Beamtin für das Abstempeln jedes Beleges, um den Scheck über 484,99 Rand auszudrucken. Der Anfang war also gemacht. Das Geld würden wir nach der Paßkontrolle ausbezahlt bekommen. Jetzt nur noch einschecken, wir bekamen dieselben Plätze wie auf dem Hinflug, mit der Hoffnung, daß der Rücktransport der Koffer genauso reibungslos finktionieren würde wie hinzu. Das Handgepäck wurde durchleuchtet, bevor der Ausreisestempel in unsere Pässe gedrückt wurde. Endlich waren wir in der großzügigen neuen Abflughalle mit ihren vielen zollfreien Geschäften. Ein historischer Propeller zeugte von der Einweihung 2003. Nur wo konnten wir denn nun unseren Check einlösen? Am anderen Ende der Halle natürlich. Dort gibt es eine Filiale der ABSA-Bank, die sowohl Geld tauscht als auch diese Checks einlöst. Die Währung kann man frei wählen. Wir blieben bei Rand, was uns natürlich wiederum in Zugzwang brachte, das Geld auch noch auszugeben. Also die Ladenstraße noch einmal hoch und schauen, was es so gibt. Zwei T-Shirts für die Jungs, eine Stange Zigaretten für Heidi, eine Flasche afrikanischen Likör (Amarula) und ein Mal After Eight brauchten ihre Zeit, bis alles in verschiedenen Geschäften gekauft und eingepackt war. Das Boarden hatte schon begonnen, als Heidi noch mal schnell in die Raucherlaunch entschwand. Selbst auf diesem Langzeitflug herrschte Rauchverbot und ich fand das gut so.
Ich verstaute das Handgepäck, die Jacken und meinen Hut in der Ablage. Die alte Dame neben mir war sehr nett. Wir verständigten uns auf englisch, wobei sich herausstellte, daß sie eine alte Reisetante aus dem französischen Teil Belgiens ist. Sie sprach auch ein wenig deutsch und ich flocht das eine oder andere französische Wort ein. Wir starteten fast pünktlich und die Bordcrew beeilte sich mit dem Servieren des Abendessens. Es gab Beaf in Rotweinsauce, das sehr gut schmeckte. Zum Abschluß des Menüs wurde Kaffee oder Tee gereicht. Ich blieb da doch lieber bei meinem Rotwein. Der befördert den Schlaf eher. Ich schaute in ein, zwei der wie gewohnt englischsprachigen Filme hinein. Der mit den Pinguinen ("Boulders") war ganz lustig. Bevor das Kabinenlicht gelöscht wurde, löste ich noch ein Sudoku und versuchte dann, in Morpheus' Reich zu gelangen. Es wollte mir nicht gleich gelingen. Ab und an kam eine Stewardess oder ein Steward mit Saft und Mineralwasser durch. Das war sehr angenehm. Nach einem Orangensaft und einer kurzen, etwas unruhigeren Flugphase schlummerte ich ein und erwachte erst wieder vom Geschepperin der Küche so gegen sechs Uhr. Da das Licht aber ausblieb, schlief ich schnell noch ein bischen weiter. So um 7.00 Uhr wurde das fast englische Frühstück gereicht - der mit Käse überbackene Schinken in dem heißen Baguette, der Obstsalat, der Joghurt, wir waren fit für den Tag. Wir kreisten noch etwas über dem morgendlichen London, bevor wir die Landeerlaubnis erhielten. Vom Terminal 4 fuhr unser Bus zum Terminal 1, wo das Gepäck nochmals durchleuchtet wurde. In der Warteschlange kamen wir mit einem Holländer ins Gespräch, der meinte, drei Wochen seien wirklich die untere Grenze für einen Südafrikatrip. Er kam aus Hongkong (13 Stunden Flugzeit) und hatte dort von Donnerstag bis Montag einen Kurzbesuch gemacht. Das wiederum genüge für eine Stadt, meinte er. Im allgemeinen Kontrollieren verloren wir ihn wieder aus den Augen. Am Terminal 1 war unser Flug noch nicht aufgerufen und so konnte ich schnell ein Sudoku-Rätsel beginnen. Gate 41 war leicht zu finden. Auf nach Berlin! Alle Koffer waren mit uns angekommen. Der Zoll machte einige Stichproben, ließ uns jedoch unbehelligt. Unser Taxifahrer hatte es nicht geschafft, unsere Bestellung wahrzunehmen. Wer nicht will, der hat schon. Es gibt ja ausreichen Gefährte. Noch vor 13.00 Uhr schlossen wir die Wohnung auf. Die Pflanzen waren bestens gepflegt und in der Wohnung selbst blinkte und blitzte es nur so. Unsere Söhne hatten alles bestens betreut. Das freute uns sehr. So endete unsere bisher weiteste Urlaubsreise in völliger Harmonie.

- Wieder daheim...

- ...ist es plötzlich Herbst
Kaum auzuhalten.
Jost


