Vollbild Vollbild Icona del Guarda Forestal Vollbild Die Madonna der Schmerzen Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Aufnahmestandort des Bildes links Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild

Über Ronda

Sonntag
17. Mai 2009

 
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ronda.pngAuf nach Sevilla!

Trotz der nächtlichen Eskapaden ortsansässiger, feierwütiger Nacht­schwärmer erwachten wir überraschend ausgeruht. Die Frage, wo wir denn frühstücken könnten, wurde abrupt durch die Antwort "Hier nicht!" unterbrochen. Nur ein Mißverständnis, denn die Empfehlung, der gegen­überliegenden Gasse bis zum nächsten Platz zu folgen, dann läge ein entsprechendes Café direkt vor uns, erwies sich als Volltreffer. Die fünf Kellner, ihre fünf Kollegen hinter dem Tresen und demjenigen hinter der Churrofritteuse taten ihr Bestes, sämtlich Wünche aller Gäste im Handumdrehen zu erfüllen. Der Kaffee wurde erst am Tisch individuell mit der vorgewärmten Milch aufgefüllt und die Churros umgehend, frisch gebacken kredenzt. Die Schnelligkeit wurde jedoch durch eine überdurchschnittliche Lautstärke erkauft, denn sämtliche Aufträge wurden lauthals der Stadt inklusive Personal bekanntgegeben. Das elektronische Bestellwesen wird hier nicht benötigt, denn es würde nur als Hemmschuh wirken. Es mundete alles sehr gut und so bestellten wir noch eine Portion Churros nach.

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Icona del Guarda Forestal

Bester Laune holten wir unser Gepäck aus aus dem Hostal, verbrachten es ins Auto und waren dann doch überrascht, daß das Abstellen unseres Gefährtes von 22.45 Uhr des Vor­abends bis 10.00 Uhr heute 23,60€ kostete. Das war kein Schnäppchen. Nach dem Verlassen des Parkhauses nahm Heidis Navi die Spur zu unserem neuen Ziel Ronda auf. Den kleinen Umweg nahmen wir gern in kauf, zumal Heidis Kollege die schönste Route schon per Rad erkundet und alsdann empfohlen hatte. Ab und an glaubte ich, noch sein leises Fluchen nachhallen zu hören, denn die bergige Straße legte es scheinbar darauf an, von Radfahrern beschimpft zu werden. Für den Peugeot und somit auch für uns bestand da überhaupt kein Anlass. Im Gegenteil, an Aussicht versprechenden Punkten hielten wir hie und da an und suchten nach Fotomotiven. Besonders die "Icona del Guarda Forestal" war 1975 aussichtsmäßg toll aufgestellt worden und erfüllte alle Erwartungen. Auch den Motorradfahrern gefiel die Straße ausnehmend, was an ihrer Anzahl und Fahrweise abzulesen war. Nur eben die Radler hatten ihr Päckchen zu tragen.

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La Virgen de los Dolores
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Vor der Stierkampfarena

In Ronda parkten wir sehr sonnig aber ohne Probleme. Und nach zehn Minuten waren wir auch an der Fußgängerzone, die wir uns jedoch für den Rückweg aufsparten, angekommen. Vorbei an der Episkopalkirche und „La Virgen de los Dolores” gelangten wir zur Stierkampfarena und zur berühmten Neuen Brücke. Natürlich gingen wir über den 160 Meter tiefen Abgrund hinüber zur "alten" Stadt und ließen uns dort zu einem Imbiß nieder. Bei den hier herrschenden Temperaturen sind die Tapas ideal für die individuelle Zusammenstellung hinsichtlich Abwechslung und Menge. Und das Bier ist so schön kalt!

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Überall weiße Häuser______________Die neue Brücke..._____________...und der Blick von ihr

Nach dem Spaziergang durchs alte Ronda erwarben wir, trotz diverser alternativer Angebote, eine CD mit klassischer spanischer Gitarrenmusik von einem Schweizer Künstler. Man hat es hald als klassischer Gitarrist in der Schweiz nicht so leicht, gegen das Nationalinstrument Alphorn anzukommen. Allerdings, wurden wir belehrt, Hätte er auch schon im Duett mit einem Alphorn musiziert und das käme in Peru ganz gut an. Was man in Spanien so alles dazulernt!

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Die neue Brücke und die westliche Aussicht

Über die Fußgängerzone bewegten wir uns wieder in Richtung Auto. Leider verpaßten wir irgendwie einen Abzweig und mußten einen zweiten Anlauf über die Hauptstraße starten, der dann auch von Erfolg gekrönt war. Der Wagen stand noch immer in gleißendem Sonnenlicht und hatte sich entsprechend erhitzt. Die Klimaanlage hatte keine Chance, den Fond unter 30°C zu kühlen. Dazu reichte einfach die verbleibende Wegstrecke nicht aus.

Durch Sevilla geleitete uns das Nüvi gewohnt sicher, bis es uns wieder in eine sehr enge Gasse lotsen wollte. Im Gegensatz zu Malaga hatte ich in Sevilla konkreter nach einem Parkhaus gefragt und schon über Google Earth eroiert, wo es sich befindet. Das erwies sich als überaus zeitsparend. Anstatt wie gestern zwei Stunden herumzuirren, waren wir umgehend im Parkhaus und fünf Minuten später im Hotel. Leider hat unser Zimmer 10 kein Fenster nach draußen sondern nur in das hier Patio genannte Treppenhaus. Glücklicherweise ist das Bad fast so groß wie das Zimmer. Das Bad verfügt auch über einen Tisch, wenn auch nur zum Waschen, was man vom Zimmer überhaupt nicht sagen kann. Deshalb sitze ich jetzt auch gerade gegenüber vorm „La Sal”, trinke Sangria und schreibe Tagebuch. Obwohl das Restaurante erst um 20.00 Uhr öffnet, wurden wir gleich um 18.30 Uhr angesprochen und der gewünschte Sangria angerichtet und serviert. Selbst Schinken- oder Käsebaguette hätten wir bekommen können - Klasse. Zurück zu vorgestern.

Nach einer kurzen Frischmachaktion wollten wir Sevilla erobern. Es eroberte uns. Im Viertel Santa Cruz sind die Gassen ähnlich eng wie die in Venedig. Und überall laden kleine Bars und Bodegas zum Verweilen ein, toll. Auf die Kathedrale und die Alcazaba stießen wir fast zwangsläufig. Vom Hotel aus links, dann halbrechts halten und allerspätestens zehn Minuten später wird man gefragt, ob man mit der Kutsche durch Sevilla fahren möchte (50,-€).

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Eine schwer zu tragende Last____Es folgten die Sponsoren_______Zuerst kam die Kapelle

Beeindruckt standen wir vor der Kathedrale und begannen sie zu umrunden, als laute Blasmusik und Trommeln an unsere Ohren drangen. Ein Knabe und eine junge Frau führten die marschmusikähnliche Töne fabrizierende Kapelle an. Es schien sich ein kleiner Umzug zu entwickeln. Hinter dem Kirchenorchester folgten diverse Fahnen oder Ähnliches tragende Familien bzw. deren Vertreter, meist zu dritt. Die Fahnen waren irgendwie geschickt aufgespannt, um die Familienwappen auch sichtbar zu machen. Dann stoppte der Zug und wartete, worauf war nicht ersichtlich. Die Straßenbahn wartete nur auf das Ende der Prozession. Wir gingen weiter bis zur Avenida de la Constitución und dann sahen wir die riesige Jesusmonstranz aus der Kathedrale schweben. Na gut, sie wankte etwas, denn der menschliche Unterbau hatte schon arg mit dem Gewicht zu kämpfen. Immerhin brauchten sie Jesus nur alle einhundert Meter abzusetzen. Den Abschluß bildete eine weitere geweihte Blaskapelle. Die Leute waren begeistert. Wir hatten das erste Mal eine solche weihrauchverbrämte Inszenierung erleben dürfen. Die Sevillaner lieben dieses Brimborium offensichtlich. Wir verabschiedeten uns in Richtung Guadalquivir, flanierten ein wenig am Ufer entlang, bevor wir uns ein Restaurante für das Abendessen suchten.

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Torre del Oro

Da Heidis Knie langsam gummiartige Konsistenz annahmen, begnügten wir uns mit einem Tisch an einer der offenen Türen der „Taberna Coloniales” in der Calle Fernandez y Gonzalez 36. Es gibt hier keinen Platz für Tische vor der Tür. Die Wahl stellte sich als ausgesprochen gelungen heraus. Das Angebot war famos, wobei auch zwischen Tapas, halber und ganzer Portion gewählt werden kann - einfach genial. Wir nutzten die Gunst der Stunde und bestellten sechs verschiedene Tapas. Bei zweien waren wir versucht, einen Pseudohauptgang sprich eine halbe Portion zu bestellen. Die Kellnerin riet uns ob der Größe auch der halben Portionen davon ab. Es war alles köstlich, ausreichend und somit zu unserer vollsten Zufriedenheit ausgeführt. Mit der Flasche „Ribeiro de Duero” hatten wir abschließend 26,85€ auf der Rechnung. Das ist mal ein Preis-Leistungs-Verhältnis zum Zungeschnalzen. Inzwischen war die Bar mit Gästen, die auf frei werdende Tische warteten, regelrecht überfüllt. Dadurch wurde die Richtigkeit unserer Wahl nochmals unterstrichen.

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Taberna Coloniales_______________Tapas, Tapas, Tapas__________Sehr zu empfehlen

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La Giralda

Der Rückweg führte uns diesmal an der Rückseite der Kathedrale entlang, durch das Gassenlabyrinth in Richtung unseres Hotels. Um diese Zeit öffneten sich unerwarteter Weise überall neutrale, als Garagentore durchgehende Rolltore und geben den Blick auf einladende Bodegas und Bars frei. An der Ecke des Platzes mit den drei Kreuzen ließen wir uns auf einen Sangria nieder. Ein Absacker sollte den Tag zum Besten abrunden, was leider nicht so richtig gelang. Das oben schon erwähnte Verhältnis war ganz mies. Ob es sich wirklich lohnt, das Verhältnis so zu verschieben, wurde von der Tagesabrechnung der Bar, die ich zufälligerweise zu sehen bekam, eher negiert. Mit 288,75€ ist nun wirklich kein Staat zu machen. Vielleicht wird's im Sommer ja besser. Glücklicherweise haben wir jetzt Urlaub.

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