Lombardei - 12. Mai 2003
Reise ins Land der Sonne
..., was er auch tat. Obwohl er es mit der Genauigkeit eines Funkweckers nicht aufnehmen kann. Der Kaffee war schnell gemacht und der Hunger ebenso gestillt. Trotzdem gelang es uns nicht, den gastlichen Ort vor 6.45 Uhr zu verlassen. Dann brachte der Umgehungsstraßenbaustau Heidi an den Rand der Verzweifelung. "Wenn das so weitergeht, sind wir erst heute abend am Iseosee!" Irgendjemand muß Heidi erhört haben, denn es wurde besser und sie konnte sogar noch etwas schlafen. Ich bat Heidi, die zu überwindenden Pässe auf Gültigkeit zu prüfen und es stellte sich heraus, daß das Stiftsjoch erst ab Juni "gilt". Daraufhin warfen wir all unsere Flexibilität in die Waagschale und änderten die Route von Schönheit auf Schnelligkeit (allerdings vignettenfrei). Die Mautgebühr von 16,- € ließ sich in diesem Falle nicht umgehen, war aber der Schnelligkeit wirklich förderlich, im Gegensatz zu den LKW-Kolonnen, die einen starken Drang in die Breite zeigten und Heidi den Angstschweiß auf die Stirn trieben.
Jedenfalls trafen wir nach 560 km und guten sieben Stunden Fahrt und Pause um 14.00 Uhr am Sebino ein. Wir orientierten uns in Richtung Westufer. Was uns schnell auffiel, waren die fehlenden Schilder "Zimmer frei" etc. In Tavernola tranken wir Orangensaft und ich erkundigte mich nach der Touristeninformation. Am ganzen See gibt es gerade drei (Lovere, Iseo, Sarnico). Also fuhren wir die malerische Küstenstraße weiter nach Lovere. Die Straße ist stellenweise so schmal, daß sie für LKW ganz gesperrt ist. In Lovere zahlt man 52 Cent für eine Stunde parken. Man bekommt eigentlich immer einen Parkplatz. Nur mit dem Ausparken ist es zur Zeit schlecht, weil die Haupt- und Hafenstraße überholt wird. Das führt zu diesem wechselampeltypischen Rückstau, der allerdings bei rechtzeigem, freundlichen Winken auch mal ein Lücke zum Ausparken läßt.
Wir hatten also unser Ticket hinter die Windschutzscheibe gelegt und begannen die Suche nach der Information. Wir fanden sie seeseits und geschlossen vor: Montag - nachmittags geschlossen! Na Klasse! Zum Glück hatten sie ein paar heiße Tips an die Tür geklebt, von denen wir zwei notierten. Schräg gegenüber, nach Passieren des Bauzaunes erkennbar, befindet sich ein Tabacci, wo wir eine Telefonkarte für 5,-€ erstanden. Die Verbindung war nicht so leicht zu kriegen. Erstens muß man hier die Vorwahl mitwählen und soll dann <ENTER> drücken, was aber mit <OK> beschriftet ist. Als wir das endlich heraushatten, hatten wir gleich beim ersten Versuch Glück und Susanna nahm uns - allerdings nur für vier Nächte - auf.

- B&B Susanna

- Das Wohnzimmer
Auch das sollte sich als Glücksfall herausstellen, denn so schön die Wohnung ist (original 60er Jahre), liegt sie etwas laut. Die Autos und LKW's donnern mit Macht direkt am Wohnzimmerfenster vorbei. Ich glaube sie fahren wie immer und geben nicht extra Gas. Obwohl... Und die Hähne stimmen beizeiten einen regelrechten Chor an (Quodlibet). Meist passiert dies nicht vor dem 5.00 Uhr Läuten des Glockenspiels vom Kirchturm. Wir schließen dann schnell das Fenster und schlafen einfach weiter. Außerdem liegt das Domizil in Sellere, also 3 Kilometer vom Zentrum Loveres und der dortigen Tavernenscene entfernt.
So eine Dreiviertelstunde braucht man zu Fuß ins Dorf. Die Straße haben wir gemieden, denn die in Ortschaften vorgeschriebene Geschwindigkeit von 50 km/h scheint hier pro Achse zu gelten. Der Feldweg war entschieden ruhiger und auch kürzer. Es war noch zu früh für eine Hauptmahlzeit und so stillten wir unseren ersten Heißhunger bei einem Traminer mittels einer Schinkenplatte. Dazu wurden Pistazien, Oliven und Chips gereicht. Nach einem kleinen Spaziergang war die Zeit reif. Für das Abendessen wählten wir ein Restaurant mit Balkon aus, denn zu ebener Erde war der Seeblick durch den Bauzaun gestört. Heidi bestellte Rigatoni con Scampi und ich entnahm aus der internationalen Speisekarte "Kalbsschnitzel". Der dargebotene Rotwein von Baroni (11,-€) schmeckte ausgezeichnet. in der letzten Urlaubswoche wird der Wein im Mittelpunkt stehen. Die kellner bemühten sich sehr, die verwendeten Trauben herauszufinden, was zu der Erkenntnis führte, daß Chardonnais Savignon und eine dunkle Sorte (Pinot Noir?) gemischt worden waren.
Der Rückweg gelang dank der auf dem Hinweg erworbenen Ortskenntnisse und des mitgeführten Dorfplanes auf Anhieb. Auch die Zeit blieb trotz des Bergaufgehens konstant. Nur der Durst hatte, außer uns, inzwischen wieder zugenommen. Und so war ein Abstecher in die "Roxi BAR" angesagt. Campari Orange für Heidi und Kirschbier für mich bildeten den ungewöhnlichen Abschluß für einen ungewöhnlichen Tag.



