Nepal - 18. Oktober 2024
- _______Katmandu
Reisetag
Damit wir nicht in Hektik verfallen, stellten wir den Wecker auf 5.25 Uhr! Die Koffer brauchten wir nur auf dem Flur zu deponieren, damit sie in unseren Bus verbracht würden. Und Frühstück war für 6.15 Uhr bestellt. So funktionierte alles. Unsere Hotelrechnung hatte ich gestern schon beglichen und so konnten wir satt und pünktlich um 7.00 Uhr vom Hof rollen.
Aus Kathmandu kamen wir gut heraus und gliederten uns in den Highway ein. Der erste optische Eindruck ist der einer einfachen Landstraße, je eine Spur in jeder Richtung. Bunte LKW, viele Motorräder und im Vergleich zu den kleinen und großen Bussen wenige PKW bildeten den Verkehrsstrom. Außerhalb Kathmandus hatte der Monsun seine Spuren hinterlassen. Meist fehlte der Asphalt völlig, und die Straße verbreiterte sich auf das von der Natur vorgegebenen maximale Maß. Und alle hatten es eilig. Das führte hier und da zur Eröffnung einer dritten Spur oder sogar zur Verstopfung der Gegensspur. Aber die Knoten lösten sich immer wieder. Dann ging bestimmt 20 Minuten gar nichts weiter. Der Gegenverkehr rollte. Santosh konnte von dem im Bau befindlichen Tunnel berichten. Die Chinesen haben ihn projektiert und auch die Bauleitung übernommen, aber Hand anlegen tun Nepalesen. Der Fertigstellungstermin ist allerdings unbekannt. Entlastung bringen wird der Tunnel allemal und zwar in erheblichem Umfang.
Endlich ging es weiter. Halbwegs intakte Stücke und zerstörte Abschnitte blieben in ständigem Wechsel von circa 500 Metern Länge. Wir gelangten zu den Auslösern des Staus. Zwei LKW waren liegen geblieben, wodurch nur eine Fahrspur im Wechselbetrieb nutzbar war. Hier gibt es übrigens keine Hütchen oder Warndreiecke. Vor und hinter das havarierte Fahrzeug werden einfach einige Steine gelegt und etwas weiter entfernt kleine Sandhaufen mit belaubten Zweigen geschmückt sowie Zweige am Auto angebracht. Daß Pannen oft auftreten, wäre kein Wunder, meinte Santosh, denn zum einen seien die LKW generell überladen, der Wartungsaufwand minimiert und die Profiltiefe der Pneus ginge gegen Null. Alles klar. Der Highway wurde nicht besser. Die Fahrt zog sich elend. An Tagebuch schreiben war bei dem Geruckel nicht zu denken. Aber die Fahrmanöver der Verkehrsteilnehmer blieben spannend und überraschten immer wieder aufs Neue. Solch kreative Fahrweise hatte ich bisher noch nie gesehen.
Bis Mugling blieb es belastend. Der Reiseveranstalter hatte fünf Stunden Fahrzeit veranschlagt. Es wurden fast acht. Das Hotel gefiel uns erst mal ganz gut, es war aber auch eine gute Idee, sich erst mal die Beine zu vertreten. Unser ortskundiger Guide fuhr mit uns an den Rand eines Dorfes, und von dort liefen wir zum Raptifluß. Die typische Lebens- und Bauweise der hier lebenden Volksgruppe wurde uns an einem Museumshaus gezeigt. Entlang des Flusses gelangten wir, unterwegs Vögel beobachtend, zu einer Hängebrücke.Der Sonnenuntergang ging selber im Nebel unter. Aber wir kauften noch zwei kleine Gläser Honig (Buchweizen und Butterbaum), von denen es die zweite Sorte bei uns gar nicht gibt, aber Heidi sehr gut schmeckte. Auf dem Rückweg trafen wir auf einige in den Feierabend strebende Reitelefanten, die gern Touristen trugen. Im Laufe des Tages hatten wir auch geerntetes Zuckerrohr gesehen, und Santosh sagte, daß außer Zucker daraus auch Rum gewonnen wird. Das interessierte mich und ich fragte Santosh am Hotel, wo ist denn in der Nähe, den nepalesischen Rum zu kaufen gäbe. Ich begab mich auf die Suche und fand am zweiten Kiosk Zugang zu einem 400 ml-Fläschchen (700 Rupien). Damit ging ich zufrieden zum Hotel zurück.
Nach dem schmackhaften Abendessen saßen wir noch in geselliger Runde beieinander und ich bot eine Kostprobe des „Kuriki” an. Unerwarteterweise sagte sogar Santosh zu, obwohl er sonst ausschließlich Wasser geordert hatte. Jedenfalls kam der Rum bei allen Sechsen bestens an – ein geschmacklicher Volltreffer. So endete ein transporttechnisch suboptimaler, honig- und rumtechnisch gelungener Tag ziemlich rund.
Suva Ratri!



