Vietnam - 11. April 2011
Hanoi

- Das Hotel Camellia 4
Das bestellte Taxi stand bereit, als wir mit unserem Gepäck das Flughafengebäude verließen. Auf einer Schnellstraße fuhren wir eine gute halbe Stunde bis nach Hanoi zum Hotel "Camellia 4". Dort konnten wir unser Gepäck abstellen (die Zimmer waren erst ab 12.00 Uhr verfügbar) und zu einem ersten Bummel durch die Altstadt aufbrechen. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die vielen Mopeds, die durch die Straßen und Gassen fahren, dazu kommen eine Menge Fußgänger und ansonsten das Alltagsleben, welches sich auch zu einem Großteil auf der Straße abspielt. Es wird gekocht, Gemüse geputzt, repariert, gebaut, gegessen und getrunken oder nur so auf einem kleine Plastestuhl gesessen und in der Gegend herumgeschaut. Alles ist teilweise ziemlich eng aber mit etwas Aufmerksamkeit und Gelassenheit auch für uns gut zu meistern.

- Kaffeerunde

- Ruhiger Verkehrsfluß
Zuerst gingen wir in Richtung Hoan-Kiem-See. Dort ließen wir uns in der 4. Etage eines Hochhauses auf dem Balkon zu einem vietnamesischen Kaffee und Jasmintee nieder. Es war noch etwas frisch und windig. Wir beobachteten den interessanten Verkehrsfluß auf der Kreuzung unter uns. und ließen uns von Hung die Gebäude ringsherum erklären.
Der vietnamesische Kaffee ist in Konsistenz und Geschmack mit Espresso vergleichbar und wird mit gesüßter Kondensmilch in normalen Kaffeetassen gereicht. Die Kaffeetrinker waren begeistert. Heidis Jasminteebestellung hatte sich auf dem Weg in die Küche in Pfefferminztee verwandelt, den Heidi garnicht mag. Er mußte also zurückverwandelt werden. Küssen bzw. kosten reichte da nicht.
So gestärkt stürzten wir uns ins Großstadtleben und den damit verbundenen Verkehr. Um zur Uferpromenade zu gelangen, mußte wir eine Hauptstraße queren, wozu schon einiges an Mut nötig war. Obwohl eigentlich niemand schneller als 20 km/h fährt sondern im Schrittempo, ist man sich absolut nicht sicher, ob sich der Mopedstrom wirklich teilt, wenn man hineintritt. Aber es funktionierte! Man muß sich nur langsam und gleichmäßig bewegen, um dem Strom die Möglichkeit zu geben, sich teilen zu können.

- Bonsai und Drachen

- Konfuzius
Entlang des Sees kamen wir entspannt vorwärts in Richtung Tempel der Literatur. Schon 1070 gegründet entstand hier die erste Hanoier Universität, in der 1915 die letzten Prüfungen abgenommen wurden. In den Schildkrötenbecken fehlte etwas Wasser und die aus Bilox gestalteten asiatischen Sternzeichen litten an Blättermangel. Pferd, Affe, Hund und Schlange glaube ich jedoch erkannt zu haben. Die Gebäude waren gut in Schuß und innen reich geschmückt. Vorbei an den Stelen der Absolventen gelangten wir zum Tempel des Konfuzius, zu dessen Ehren das ganze Ensemble geschaffen wurde.

- Eine Nudelsuppe
In einer Suppenküche speisten wir zu Mittag. Nur Katja und Florian entschieden sich für ein Nudelgericht. Jetzt war es auch an der Zeit, die Zimmer zu beziehen. Mit zwei Taxis, die sich trotz Übergabe der Hotelvisitenkarte verfuhren, was die Fahrt um ca. 60 Cent verteuerte, gelangten wir ans Ziel. Die Zimmer sind sehr gut ausgestattet. Neben den bekannten Standards stand sogar ein PC mit Internetzugang unter dem Schreibtisch, sodaß Heidi sofort eine eMail an ihre Schwester senden konnte. Selbst das W-LAN steht kostenfrei zur Verfügung.

- Exquisiter Händler
Nachdem wir im Sinh Cafe Reisebüro unsere Vorhaben für die kommende Woche gebucht und bezahlt hatten, konnte jeder Reisegruppenangehörige bis 16.00 Uhr frei über seine Zeit verfügen. Dann wollten wir den zweiten Rundgang durch Hanoi starten. Maximilian und Hung besuchten Hungs Familie und wir gingen in Richtung Markt. Nach gut 50 Metern gerieten wir unverhofft in ein Kaffee und bestellten sogleich wieder die vietnamesische Variante. Dieser Kaffee schmeckte noch besser als der heute früh. Dann gingen wir weiter in Richtung Norden. Die Häuser und zwar alle dienen irgendeinem Gewerbe zumindest im Parterre. Da die Häuser im allgemeinen knapp fünf Meter breit sind, gibt es also Geschäfte ohne Ende. Es wird mit allem Möglichen gehandelt, alles Mögliche repariert und beliebige Dienstleistungen angeboten.

- Normale Händler
Kurz vor 17.00 Uhr trafen wir am Markt ein, der hier um diese Zeit schließt. Die Händler mieten kleine Boxen die als Laden und Lager dienen. Ich tippe mal auf 1,5 mal 4 Meter. Es passen rechts und links eine Reihe Kartons hin. Der Gang dazwischen dazwischen wird zum Feierabend wieder mit den Auslagen verfüllt. Zum gegenüberliegenden Händler sind so zwei Meter Platz, den sich beide für die Auslagen teilen. Der so übrig gebliebene Gang duldet keinen Gegenverkehr.
Da ich mir beim unachtsamen Gehen meine Flipflops demoliert hatte, brauchte ich neue. Es dauerte, bis wir die Schuhhändler gefunden hatten. Wie überall gibt es für Damen alles, für den Herrn jedoch kaum etwas. Im dritten Anlauf gelang es mir, für 25,- € ein Paar Nike-Sandalen von einem ehemaligen Berliner Vietnamveteranen zu kaufen. Er hatte sein Deutsch zwar nicht pflegen können, aber wir verstanden uns gut.

- Lastenträger
Florian kaufte sich noch einen Rucksack und ging dann Geldabheben, um seine Außenstände bei Katja begleichen zu können. Ein paar nette Vietnamesinnen verführten uns, ihre Tragestangen und Hüte für ein Foto zu übernehmen. Natürlich mußten wir ihnen anschließend fiktive Babyananüsse abkaufen. Nur daß sie am liebsten 100.000 Dong genommen hätten, entsprach nicht unseren Vorstellungen. Sie mußten sich doch mit den üblichen 10.000 Dong begnügen.
Nun wollte Florian Katja etwas Geld überlassen und bemerkte aufgeregt, daß seine Visakarte nicht an der gewohnten Stelle war. O.K., O.K. Nein, auch nirgendwo im Rucksack war sie zu finden. Da morgen Bankfeiertag ist und die Bank heute nicht mehr offen hatte, mußte Florian seine Karte vorsichtshalber sperren lassen. Das war garnicht so einfach, weil erst das Telefonnetz überlastet war und dann keine Verbindung zur Bank zustande kam. Zum Glück war Martin erreichbar, dem Florian alle für das Sperren der Karte notwendigen Informationen durchsagte.

- Frühlingsrollengespickte Ananas
Dann gingen wir essen. Das "Little Hanoi" sah einladend aus und die Frühlingsrollen fanden nicht nur reißend Absatz sondern auch großes Lob. Gegen 20.00 Uhr waren wir wieder am Hotel. Katja konnte dem Ruf ihres Bettes nicht widerstehen. Florian prüfte online, ob das mit der Kartensperre geklappt hatte, bevor er wieder zu uns stieß. Wir saßen wieder im Kaffee und beobachteten das Leben auf der Straße. Als Florian endlich erschien, leisteten wir uns einen Jonny Walker Black Label aus kleinen Plasteflaschen des Duty Free. Florian war von der Autentizität des Angebotenen nicht überzeugt, aber wir gingen dann eh zu Bett. Morgen würde vieles zu sehen sein und die letzte Nacht war auch eher kurz.
Heidi & Jost
Unser Besuch bei meinen Eltern begann mit einer langen Taxifahrt. Dabei durften wir ausgiebig erleben, was rush hour in Hanoi bedeutet. Nach der Ankunf vor Ort besuchten wir zuerst meine Großeltern. Meine Oma hatte schon auf mich gewartet und freute sich sehr uns zu sehen. Wir unterhielten uns über alles Mögliche, über das Frühstück an unserem Ankunftstag, den Flug, über den Urlaubsplan, über den Gesundheitszustand meiner Großeltern und einiges mehr. Nachdem wir meine Mitbringsel übergeben hatten, wurden wir reichlich mit "C ua na's" und leckeren Mangos versorgt.
Nach ca. einer Stunde verabschiedeten wir uns und gingen ein paar Häuser weiter zu meinen Verwandten väterlicherseits. Dort erhielten wir von meinem Cousin Anh Tháng eine Führung durch das Haus meiner Eltern. Es war spannend, zu sehen, wie es dort in Wirklichkeit aussieht. Danach lud uns mein Onkel Bác Ngoc zum Tee in sein Haus ein. Er fragte uns ebenfalls nach unseren Urlaubsplänen, zeigte uns, wie es mit den Prepaid-Karten funktionierte und führte uns durch sein Haus.

- Frühlingsrollengespickte Ananas
Nach diesem langen Vorprogramm war es endlich an der Zeit, zu essen. Ein großer Tisch inmitten unseres Familiengrundstückes wurde mit vielen leckeren Sachen bestückt, die zum Essen in die "Lau" gedipt wurde. Die "Lau" entsteht durch das Kochen von Kräuterwasser mit Schweinehaut, Hühnerbeinen und Maiskolben. Nach und nach erschienen Cousins und Cousinen, die wegen ihrer Arbeit nicht eher dasein konnten. Die Stimmung wurde immer ausgelassener, was nicht zuletzt am ausgeschenkten Bier und Schnaps lag.

- Eingelegte Eidechsen

- Spezialwürmer im Faß
Wir stellten uns dabei als Versuchskaninchen der verschiedenen hausgemachten Schnapssorten zur Verfügung. Dabei waren so interessante Köstlichkeiten wie Reiswurzel-Whisky auf Reisschnapsbasis, Eidechsenschnaps und Reisschnaps mit einer speziellen Madensorte. Darüberhinaus gab es noch den deutlich harmloseren Jonny Walker Gold Label und einen Whisky aus einer monströs großen Flasche. Wir hatten alle viel Spaß und auch Max wurde gut unterhalten. Einige meiner Cousins sprechen englisch oder deutsch. So kam er mit ihnen leicht ins Gepräch. Um 11 Uhr abends machten wir uns auf den Rückweg ins Hotel, wo wir nach diesem langen ersten Tag müde in unsere Betten fielen.
Hung



