Südafrika - 24. Oktober 2005
Abstieg von den Hottentottenbergen
So gegen halb- oder dreiviertelsechs war es bereits so hell, daß ich das Leuchten meiner Uhrzeiger nicht mehr wahrnehmen konnte. Ich hatte jedoch noch keine Lust, aufzustehen, denn im Moment tat mir gerade nichts weh. Kurz nach sechs Uhr war die Ruhephase dann doch vorbei. Ich schaffte die Axt, mit der ich sicherheitshalber die Tür verkeilt hatte, zurück zur Landroskop Hut und kundschaftete den Einstieg in den Abstieg aus, während Heidi die Shamrock Lodge auf das besenreine Verlassen vorbereitete. Das letzte Brot wurde zur Wurst gegessen und um 06.40 Uhr verließen wir den gastlichen Ort.

- Früh am Morgen
Die Bergstraße, die zur Versorgung der hätten und der meteorologischen Station, die höchstsicher mit Stacheldraht umzäunt ist, dient, beginnt genau hinter der Landroskophätte. Wind und Wetter versuchen mit vereinten Kräften, die Straße zum Saisonbeginn so reparaturbedürftig wie irgend möglich zu machen. Jetzt versuchen's die Ranger mit Beton, das Wasser von der Straße zu bringen und die Fahrspur selbst zu stabilisieren. Es scheint ein immerwährendes Problem zu bleiben. Hier wird Beton frisch gegossen, dort wird er wieder unterspült oder brückelt ob der Last der Fahrzeuge oder des falschen Mischungsverhältnisses. Mitten auf dem Weg stand sogar ein benzingetriebener Mischer. Oft haben wir die Arbeiter mit der Hand mischen sehen und das beim Straßenbau. für uns war die Beschaffenheit der Straße kein Problem, denn zu Fuß kommen wir mit allen Varianten klar. Das Wetter konnte seine gestrige Herrlichkeit nicht wiedererlangen. Zum Glück blieb es bei wenigen Regentropfen, die aber auf der anderen Seite des Tales für einen Regenbogen genügten. Im Tal, das der Palmiat River durchläuft - fließen wär übertrieben - verliefen Wildspuren, die an Rehe erinnerten. Und als ich den Blick hob, stand in vielleicht 50 Metern Entfernung eine Gams auf der Bergstraße. Wir bemerkten einander zeitgleich. während ich Heidi auf das Tier aufmerksam machte, hüpfte dieses auch schon, von einem zweiten begleitet, den steilen Hang hinauf. Sie verfolgten unseren Weg von oben, ohne sich jedoch weiter zu entfernen.

- Die letzten Meter
Das war doch eine nette Begegnung am Morgen. Nachdem wir das Waldstück passiert hatten, langten wir um 8.15 Uhr am Auto an, taten unsere sieben Sachen wieder in den Kofferraum und fuhren gen Heimat. Ein einmaliges Abenteuer nahm ein glückliches Ende. Wir haben eine durchaus ungewöhnliche Situation toll gemeistert und ich will Heidi in den höchsten Tönen loben. Es kam erst gar kein Streß auf, miteinander lösten wir alle Aufgaben, nahmen alle Widrigkeiten an und gingen gestürkt aus dieser Nacht hervor.
Nur noch heiß duschen, Frühstücken und eine mütze Schlaf bekommen, das lag Heidi jetzt am Herzen. Ich schrieb, statt zu schlafen, Tagebuch, denn ich war immens in rückstand geraten. Kurz nach 12.00 mittags durfte ich Heidi Morpheus wieder entreißen. Im "Ocean Basket" der Somerset Mall aßen wir zu Mittag. Der Fisch war wieder phantastisch (Hake bzw. Line fish) zu den Chips. Dann reklamierten wir erstmal meine neuen Wanderschuhe. Leider hatten sie meine Größe nicht mehr vorrätig und das auch bei alternativen Schuhen nicht. So wurde das Geld meinem Kreditkonto wieder gutgeschrieben. Enjoy. Wir durchwanderten noch den restlichen, uns unbekannten Teil der Mall, hielten aber unser Geld zusammen. Eigentlich wärejetzt ein Capuccino nicht schlecht. In dem Gordon's Bayschen Internetcafé hatte es uns gut gefallen und außerdem sollte ja Karin noch eine eMail bekommen. Markus' Parkkarte reichte problemlos für die geplante Stunde Aufenthalt. Heidi begab sich in ihren Lycos-Briefkasten und ich schaffte die realen Urlaubskarten zur Post. Die noch fehlende Briefmarke für Beates Karte konnte ich nicht ergattern, da die Kollegen vor 15 Minuten ihren Dienst (hier Service genannt) eingestellt hatten. Heidi tippte fleißig und kämpfte dabei mit den Umlauten, die auf der englischen Tastatur nicht vorhanden sind. Karin wird es trotzdem verstehen. Der Capuccino war lecker und als ich den Betreiber des Cafés nach Briefmarken fragte, meinte er, ein stück weiter sei doch die Post. Das stimme zwar, aber es fehlte inzwischen 20 Minuten, um an die Dienstleistung zu kommen. Nun ergab es der Zufall, daß in dem Internetcafé, ich schätze mal aus Kostengründen, auch die Touristeninformation untergebracht ist. Und zufällig hatte die Dame Briefmarken des erforderlichen Wertes dabei. Mit Freuden schenkte sie mir die eine für Beates Karte benötigte Marke. Ich bedankte mich vielmals, bezahlte Zeche und Internet und bedankte mich abschließend nochmals. Fünfzehn Minuten Parkzeit hatten wir noch und so bot sich ein Anruf bei Florian an, den wir bisher nicht erreicht hatten. Diesmal klappte es. Heidi erzählte gleich von unserem Abenteuer in den Hottentottenbergen und daß sie heute erst gelesen hätte, daß es dort auch Leoparden gäbe, die zwar sehr scheu, aber auch sehr mutig wären. Oh, Oh.
Ich lieferte Heidi am Häuschen ab und fuhr weiter, das Handy zum Aufladen zu Markus zu bringen und den Mangel an Lindts dunkler Orangenschokolade zu beseitigen. Im Gegensatz zu Markus war die Schokolade bei Pick'n Pay am erwarteten Ort. Na Markus wollte ja nachher vorbeikommen. Daheim wartete Heidi mit dem Gemüsecurry auf Reis schon. Als dann Markus mit den Wetterprognosen eintrudelte, dauerte es nicht lange und er erfuhr beim Weine staunend von unserer letzten Nacht - nein, natürlich nichts Intimes. Er nahm das Handy zum Aufladen mit. Wir hatten uns für Donnerstag verabredet, Markus heimzusuchen. Ich schrieb noch etwas und Heidi war nur noch nach dem herrlich weichen Bett zumute. Na dann gute Nacht Marie!
Jost



