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Robben Island

Dienstag
25. Oktober 2005

 
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Die Gefängnisinsel

Ach schlief sich das phantastisch mit einer Decke und einem richtigen Kopfkissen. Das weiß man erst jetzt wieder richtig zu schätzen. Bewölkter Himmel - Westküste oder Robben Island, das war hier die Frage. Robben Island bekam den Vorzug, denn bei weiteren Verfinsterungen könnte man sich an der Waterfront gut einrichten.

Das Gegenteil trat ein. Als wir dreiviertelzehn das Auto geparkt hatten, herrschte eitel Sonnenschein. Die Zehn-Uhr-Fähre wäre schon ausgebucht, erfuhren wir an der Information, aber für 11.00 Uhr gäbe es noch Tickets. Die waren, als wir an die Reihe kamen, allerdings auch schon weg. Na dann eben 12.00 Uhr, die Zeit zu überbrücken ist hier, wie gesagt, nicht im Geringsten schwierig. Wir hatten sowieso vor, nach der Tour noch Urlaubsmitbringsel zu besorgen. Heidi schlug wieder zu - eine Bluse, zwei Tücher, drei Ketten und zwei Schlüsselanhänger wechselten den Besitzer. Zum Glück stand das Auto nur eine Etage tiefer und alles war schnell verstaut. Im Outdoorladen startete ich einen erneuten Versuch, Wanderschuhe zu erstehen. Der Versuch war von Erfolg gekrönt. Und schon war die Zeit vorbei. Es reichte noch, auch die Schuhe ins Auto zu verfrachten und ein, zwei Infotafeln im Warteraum zu lesen, bevor wir uns einschifften.

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fleißig, fleißig

Es dauerte seine Zeit, da ein Photograph seinem Gewerbe nachging und eine möglichst lückenlose Ablichtung aller Passagiere anstrebte. Wir fanden einen Fensterplatz und ich besorgte uns einen Kaffee, einen Snack und ein Sandwich. Obwohl die See einen ruhigen Eindruck machte, hatte sie einen ordentlichen Gang. Nachdem uns der Stuart in die Handhabung der Schwimmwesten eingewiesen hatte und ihm wohl niemand die tollen Basecaps der Fährlinie abkaufen wollte, war er mit dem Verteilen von Mageninhaltsaufnahmebeuteln gut ausgelastet. Nach dreißig Minuten erreichten wir die wohl berühmteste Gefängnisinsel Südafrikas, auf der auch Nelson Mandela Jahrzehnte zugebracht hatte.

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Das Tor

Die Athmosphäre kam mir bekannt vor. Ein riesiges Photo, das die vormalige Ankunft neuer Häftlinge zeigte, hing an der Mauer. Und der einzige Zugang zur Insel besitzt genau die Form von Toren, wie ich schon einige zu Hause gesehen habe. Mit einem Bus wurden wir über die Insel gefahren und mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut gemacht. Sowohl der Fahrer als auch der "Reiseleiter" hatten langjährige Haftstrafen in dieser Hölle abgesessen. Den Gefängnistrakt selbst zeigte uns ein dritter Exhäftling, der in der Zelle 1 eingesessen hatte. Man hatte ihm Terrorismus unterstellt, weil er in Rhodesien mit der Waffe in der Hand gekämpft hatte. Das reichte für 20 Jahre Inselknast. Nelson Mandela saß übrigens in Zelle 5 ein. Eine Filzmatte, ein Hocker und ein oder zwei Decken mußte als Ausstattung für die 2x2 Meter großen Zellen genügen. Wie man danach auch noch hier arbeiten kann? Es gibt keine andere Arbeit; 40 Prozent der schwarzen Bevölkerung sind arbeitslos.

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Der Steinbruch

Ob die Museumsmitarbeiter einen Lohn erhalten oder vom Trinkgeld leben, fragte niemand. Er deutete nur an, daß das Trinkgeld unglaublich wichtig für seine Familie sei. Um 15.00 Uhr brachte uns die Makana - benannt nach einem von der Insel geflohenen Sträfling - wieder nach Kapstadt. Diesmal hatten wir einen Platz in der VIP-Launch ergattert, wie aus dem Evakuierungsplan hervorging. Ich ging nach draußen und stellte mich steuerbord vor Heidis Fenster. Als sich der schmale Gang füllte, konnte ich ihr so freie Sicht verschaffen. Wie sich jedoch bald herausstellte, hatte ich mich für die Leeseite entschieden, sodaß es das aufspritzende Wasser der Bugwelle üb ernahm, die Sicht Heidis frei zu halten. Ich hatte da schon das trockene Weite gesucht. Die drei jungen, nachrückenden Amerikanerinnen räumten arg angefeuchtet schnell wieder das Feld. Ich glaube, der Seegang hatte noch zugenommen, was direkt auf den Tütenverbrauch durchschlug.

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Tafelberg mit Tuch/dd>

Wohlbehalten trafen wir kurz nach halbvier wieder im Hafen ein, tranken in einem Restaurant etwas und fielen anschließend in die Mall ein. Heidi fand nichts passendes und kaufte zwei Gürtel und ein Portemonais. Als wir heimkamen, fand ich das aufgeladene Handy am verabredeten Ort. Das war sehr nett von Markus. Heidi briet die restlichen Steaks. Dazu wurde Reis mit Erbsen gereicht. Es mundete wie immer vorzüglich. Adelheid jagte ihre Mörder und ich meinen Erinnerungen hinterher, was müde macht. Also gute Nacht.

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