Andalusien - 27. Mai 2009
Auf dem Europawanderweg
Heute würde uns Did um 9.30 Uhr abholen. Deshalb hatten wir extra den Wecker gestellt. Als Heidi aus dem Fenster sah, bekam sie einen kleinen Schreck, denn das Wasser stand kurz vor dem Haus. Es sollte doch erst um 20.45 Uhr gewässert werden. Egal, solange wir noch vom Gehöft kommen bzw. Did drauf. Er kam überpünktlich und so konnten wir ihm noch die von holzverarbeitenden Insekten aus dem Dachbalken genagten Holzreste auf der Couch zeigen. Das Wasser lief zwar nicht mehr, aber das halbe Grundstück stand unter dem selben. Wir fuhren trotzdem los hinauf nach Cañar.
Ich fand auch gleich den Einstieg für den Europawanderweg GR 7. Ich übergab Did die Autoschlüssel und 10,00 �, damit er sich ein neues Handy kaufen kann. Seines hatte er nämlich gestern Abend verloren und nicht wiedergefunden. Es musste so unglücklich gefallen sein, dass es nicht einmal mehr anrufbar war. Die 10,00 � würden wohl nicht reichen, aber sie waren ein kleiner Beitrag. Fünf vor Zehn begannen wir unsere Wanderung nach Lanjaron, dem berühmten andalusischen Kurort. Laut Wandertafel am anderen Ende Cañars sollten es 15 km sein bis zum Zielort.

- Verlassener Hof

- Einsame Wanderin
Es ist insgesamt eine sehr angenehme Wanderung an Gärten vorbei, kleine Bäche kreuzen plätschernd den Weg oder aber Levadas (ob die hier auch so heißen?) verlaufen parallel. Im Tal liegt Orgiva in der Sonne und an den Hängen der gegenüberliegenden Sierra de Lujar können wir einen Teil der vorgestrigen Wanderstrecke erkennen. Später kommt der Stausee von Bezuar in den Blick und auch das Mittelmeer kann man trotz dunstiger Sicht erahnen. Verfransen kann man sich erst, wenn der GR 142 fast identisch mit dem GR 7 verläuft. Es wäre einfacher gewesen, sie wirklich zusammenzuführen und wieder zu trennen.

- Natur pur
So irritieren die sich widersprechenden Wegweisungen oft mehr, als sie helfen. Und am Cerro del Castillejo sollte man sich unterhalb der Stallungen halten. Die ehemalige Routenführung ist noch zu erkennen und führte oberhalb der Bebauung entlang. Die Wegweisung ist hier aber nicht gepflegt und so kann man vom Wege ab und nach Torna de Cañar kommen. An der Haza de las Encinas war der Weg, der hier ein Pfad wird und direkt an der Levada entlangführt derart zugewachsen, dass wir erst vom im Garten werkelnden Bauern mit der Nase darauf gestoßen werden mussten. Ihm war es wohl leid, dass die Wanderer ständig in seinem Hof stehen. Hier trafen wir eine englische Wandercrew, die behauptete, wir seien gleich in Lanjaron, es würde maximal 20 Minuten dauern. Es war noch nicht mal 13 Uhr. Das mit dem 15 km von Cañar nach Lanjaron konnte also nicht stimmen. Das waren allerhöchstens 10 km.

- Abwärts geht's

- Blick auf Lanjaron
Jetzt ging es bergab und in den las Laderas hielten wir Brotzeit. Den Bus um 13 Uhr würden wir eh nicht mehr kriegen und wir haben ja auch Urlaub. Die Bushaltestelle war dann schnell gefunden, aber wir hatten eben noch 40 Minuten Zeit bis zum nächsten Bus. Die Fahrplanangaben aus dem Internet konnten wir übrigens nicht überprüfen, weil es keine entsprechenden Aushänge im Wartehäuschen gibt. Im Ort fragten wir vorsichtshalber noch mal nach der Haltestelle und die Lage schräg gegenüber der Tankstelle wurde uns bestätigt. Nach einer kurzen Erfrischung begaben wir uns zum Abfahrtsort. Der Bus kam pünktlich und für 94 Cent pro Nase wurden wir nach 15 Minuten in Orgiva abgesetzt.
Das hatte ja bestens geklappt. Nur Senf war im Moment nicht zu bekommen. In dem Krämerladen an der Bushaltestelle gab's keinen und Dia war geschlossen. Dafür bekamen wir zwei Geschäfte weiter die gewünschte Fußcreme und andere Kosmetikartikel noch dazu. Als wir wieder an der Casa Chamisa ankamen, lag der Autoschlüssel doch nicht am verabredeten Platz. Da hat wohl Did die Tür nicht aufbekommen. Und dazu war an meiner Gürteltasche eine Schlaufe abgerissen, wo wir doch das Nähzeug vergessen hatten.
Erstmal einen frisch gepressten Orangensaft trinken. Die vom Dia-Gemüsefachverkäufer gepriesenen Saftorangen waren zwar groß aber nicht so ergiebig. Ich musste alle fünf ausquetschen, um einen trinkbares Ergebnis zu erzielen. Geschmacklich war jedoch nichts auszusetzen. Ich kontrollierte die Holzkohle, es waren wirklich keine Grillbriketts und so würde ich die von der vorletzten Wanderung mitgebrachten Kienäppel zum Anzünden benutzen können. Dann brauchte ich in Orgiva nur noch Mostrich, Mayonnaise und Nähzeug zu organisieren. Beim Nähzeug halfen mir Piluka und Andrea, die ich zufällig vorm Supermarkt traf.
Ach ja, die Orangen waren beim Saften ausgegangen. Ich schaute bei dem Obst- und Gemüsehändler neben der Post vorbei und bekam auf meine Frage nach Saftorangen eine kleinwüchsigere Sorte angeboten - das Kilo 1,00 �. Mal sehen ob dieser Herr mehr von seinem Fach versteht. Rechtzeitig warf ich in den Grill an, denn laut Bedienungsanweisung der Firma Landmann soll der Grill vor der Erstbenutzung schon mal eine halbe Stunde alle unnützen Produktionsrückstände wegbrennen. Diese Bedienungsanleitung würde Loriot gefallen. Mir hat am besten gefallen, dass man ihn stabil aufstellen soll. Dabei ist das Teil selbst eher instabil. Was bleibt, ist bewegungsarm grillen.
Es wurde auf jeden Fall alles gar, was aufgelegt und vorsichtig gewendet wurde. Dann kühlte es wieder ab, weil Piluka und Did erst nach der Tagesschau kamen. Ist nur wegen der Urzeit, sie gucken natürlich gar keine Tagesschau. Heidis Kochkünste kamen gut an, obwohl die Kartoffeln für Kartoffelsalat suboptimal, sprich zu mehlig sind. Das wäre im Winter anders, tröstete Piluka. Auch der Tomatensalat war mit dem Salzkäse als Fetaersatz gut gelungen und das Grillfleisch inklusive Würstchen sowieso. Übrigens wurde der Kater als von der Besitzerin verpflegtes und verwöhntes Tier von Did sofort wiedererkannt. Er sei für spanische Verhältnisse schon stattlich.
Der Degistivo, den ich anbot, kam besonders gut an. Der Aguardiente wurde von Piluka als Grappa erkannt und erfüllte Dids Qualitätsansprüche genau. Wir quatschten und quatschten. Did führte sein neues Handy vor, dessen Tasten für seine Finger viel zu klein sind. Erst als diverse Böller gezündet wurden, fiel mir ein, dass wir das Champions League Finale verpasst hatten. Piluka schloß aus dem Feuerwerk, das Barcelona gewonnen haben müsste, denn viele Andalusier wären arbeitsmäßig in Barcelona unterwegs oder wieder zurückgekehrt, sodaß es eine große Affinität zum FC Barcelona gibt. Das erklärt auch die Feierlichkeiten in Malaga bei unserer Ankunft.
Gegen 23 Uhr verließen uns die beiden wieder und bedankten sich für den schönen Abend. Vielleicht treffen wir Piluka ja morgen auf dem Wochenmarkt. Auf jeden Fall bringt sie uns Dids Spezialzwirn vorbei, damit ich meine Tasche langfristiger haltbar machen kann. Und der Kater war hin- und hergerissen, ob er Did, der ihn den ganzen Abend gestreichelt hatte, folgen sollte oder er lieber hier bliebe. Erstmal ging er mit. Aber irgendwie muss er einen siebten Sinn dafür haben, wo es was Leckeres zu fressen gibt. Die drei Puffen Hühnerbrust waren wohl die richtigen Betthupferl. Wer hat hier eigentlich Urlaub, der Kater oder wir?



