Andalusien - 29. Mai 2009
Einmal um die Sierra Nevada
Heidi hatte den Wunsch geäußert, das Cabo de Gata, den Südöstlichsten Zipfel Spaniens zu sehen. Mich hatten die Berichte in den Reiseführern über die Höhlenwohnungen in Andalusien beeindruckt. Es sollen immernoch etwa zehntausend solcher Wohnungen in Andalusien genutzt werden. Die größte Ansammlung dieser Behausungen gibt es in Guadix. Der Ort liegt nördlich der Sierra Nevada, sozusagen diagonal entgegengesetzt des Kaps.
Wir fuhren zuerst nach Norden. Die Abzweigung nach Osten auf die A92 war plötzlich nicht mehr auf den Richtungstafeln vorhanden. Wir wendeten, verfransten uns in Granada. Zurück auf der Autobahn versuchten wir es noch einmal und siehe da, die A92 tauchte ebenso plötzlich wieder auf, wie sie verschwunden war. Angenehmerweise war sie kaum befahren und wir kamen gut voran. Trotzdem fuhren wir dank der wiederum wenig verläßlichen Ausschilderung erstmal an Guadix vorbei. Dafür lernten wir schon mal den Weg für die Weiterfahrt zum Cabo kennen.

- Die Polizeistation

- Portal der Kathedrale
Direkt neben der Guadixer Kathedrale bekamen wir einen Parkplatz für einen Cent die Minute. Wir kratzten unsere letzten Münzen zusammen, die ich dann in einem kleinen Geschäft in eine 50-Centmünze tauschen konnte. Vale, das sollte genügen. Die Schautafel empfahl eine Strecke, der wir versuchten zu folgen. Wir blieben innerhalb der alten Festung, an der gerade viel gemacht wird. Dann schauten wir uns das lateinische Viertel von außen an. Ach und die Polizei hat ihr Qartier in einer alten römischen Villa. Die Motorräder stehen im Patio und müssen beim Einsatz über eine Stufe gefahren werden. Nachdem wir bei einem Bäcker unseren Proviant ergänzt hatten, setzten wir unseren Rundgang fort. Über einen sehr schön angelegten Platz, bestimmt hatten auch hier die Römer ihre Finger im Spiel, gelangten wir wieder zur Kathedrale. Wir hatten die fünfzig Minuten optimal genutzt.

- Eingang zum Museum

- Moderne Höhlenwohnungen
Am Museum der Höhlenbewohner konnten wir sogar kostenfrei parken und die 2,50€ Eintritt sind im Verhältnis zu den gezeigten Quadratmetern wesentlich teurer als in Sevilla oder Cordoba die Paläste, ganz zu schweigen von der Einrichtung. Aber es war schon O.K. oder vale, wie man hier sagt. Also ursprünglich haben sich wohl die Mauren vor den Christen in solchen Höhlen versteckt, bis sie merkten, daß sie auch sonst ganz praktisch sind in der sommers warmen und winters kalten Sierra Nevada. In den Wohnhöhlen bleiben die Temperaturen immer konstant. Früher hatten sie eine Tür, ein Fenster und in der Küche einen Kamin. Die Wohnungen wurden nach Belieben in das Löß gehauen. Auch die Esel und die Schweine hatten ihre Ställe wohltemperiert. Wirklich eine interessante Variante, es sind noch einige Objekte zu haben.

- Die sirenen

- Der Leuchtturm
Wir fanden wieder gut aus Guadix hinaus und brauchten nur noch 100 km bis Almeria zu fahren. Aber zuerst zum Cabo, wo es zum Ende hin straßenmäßig nochmal eng wird. Ich hab die Sirenen forografiert und den ortsansässigen Leuchtturm. Zum Baden fuhren wir doch lieber zurück in den nahegelegenen Ort. Hier war das Wasser wärmer als bei meinem letzten Bad. Das merkte ich aber erst, als ich endlich mit dem Baden an der Reihe war. Der Wind blies ablandig, was auch das eher lustlose Geplätscher der Wellen erklärt. Direkt hinter uns parkte ein Karavan mit Pferdehänger. Das Gespann war mit offensichtlich selbsterstellten Grafities als Westerndarstellern Quartier gewährende Fahrzeuge ausgewiesen. Vieleicht arbeiten die Leute ja in dieser Filmkulissenwüste hinter Almeria. Jedenfalls grüßten sie beeindruckt ob unseres Mutes, bei geschätzen 18°C baden zu gehen.

- Ein Agavenwald
Auf der Küstenstraße fuhren wir zurück in Richtung Westen. Die blühenden Agaven beeindruckten uns, da sie fast wie ein Wald wirkten. In Almeria schafften wir es leider nicht, einen Blick auf die Alcazaba, das laut Reiseführer einzig sehenswerte Bauwerk, zu werfen. Die ebenfalls gerühmte Ausschilderung war einfach nicht vorhanden. Nach gefühlten dreißig Minuten des Herumirrens gaben wir das Vorhaben auf und siehe da, es gab doch zumindest ein Schild, das uns aber nun nicht mehr von unserem Entschluss, in unsere Casa Chamisa zurückzukehren, abhalten konnte.
Am Ende des Tages hatten wir 460 Kilometer andalusischer Straße unter den Reifen gehabt und zwangsläufig eine Menge gesehen. Zum Abendessen bereitete Heidi Fischfilet. Kein Kater war zu sehen. Es schmeckte sehr lecker. Als Schlumpi angeschlumpert kam, konnten wir ihm nur noch ein Schälchen Milch kredenzen, das er immerhin leerte. Heidi hatte sich bereiterklärt, Tagebuch zu schreiben, damit ich mit Mankells „Tiefe” weiterkäme. Schlumpi saß ab und an auf meinem Schoß, aber ich denke, der Geruch meiner Monte Christo gefiel ihm nicht sonderlich. Heidi schrieb also, ich schmauchte beim Lesen meine Zigarre und sogar der Kater schien zufrieden. Das sieht doch wirklich nach Urlaub aus.



