Andalusien - 30. Mai 2009
In den weißen Dörfern
Heute wollten wir uns wieder etwas mehr bewegen. Zu diesem Zwecke gedachten wir nach Capileira zu fahren und von dort eine Rundwanderung nach La Cabadilla zu machen. Und wenn uns so sein sollte könnten wir die Runde in Richtung Tacho de Pelines erweitern. Soweit die Theorie am Frühstückstisch. Übrigens hat der Kater heute unser speziell für ihn in Milch eingeweichtes Brot verschmäht. Selbst schuld.

- Souveniers, Souveniers
Um nicht zu viel der vormittäglichen, etwas kühlerin Tageszeit zu vergeuden, verschoben wir den Einkauf auf den Nachmittag. Wir brauchten nur etwas Brot, und eventuell Wurst oder Käse für unterwegs. Das würden wir bestimmt auch dort bekommen, zum Beispiel in Pampaneira. Es war noch viel Raum auf dem zentralen Parkplatz. Eine clevere Bank hat dort auch gleich einen Geldautomaten plaziert, was meinem Portmonais sehr gut tat. Hier beginnt auch gleich die Einkaufsviertelmeile. Teppiche, Keramik, Frühstück und Souveniers überall, aber keine Lebensmittel. An der Kirche saßen zwei ältere Herren, die ich nach einer Bäckerei fragte. Es schien als hätten sie sowieso gerade gehen wollen. Jedenfalls begleitete mich einer der beiden Ruheständler bis zu einer Gasse an der er mir bedeutete, daß gleich links der Brotladen sei. Wir stiegen die Gasse hinauf und fanden nichts. Alle infragekommenden Türen waren fest verschlossen. Wir gingen noch einige Meter weiter, denn über die konkrete Entfernung hatten wir nicht gesprochen. Gut, ich geb zu, ich hatte zu diesem Thema nichts aus den Ausführungen verstehen können. Wir gingen wieder zurück, schauten nocheinmal genau hin, klinkten sogar an einer Tür. Sie blieb verschlossen. Dann fragte ich eine vorbeieilende Frau nach der Bäckerei. Wenn ich sie richtig verstand, standen wir direkt davor und sie selbst würde gleich kommen und den Laden öffnen. Aber zehn Minuten bräuchte sie schon noch. Aha, es war 10.10 Uhr und es gab offensichtlich wichtigeres, als die Paneria zu öffnen. Glücklicherweise gibt es auch bei den Bäckereien eine gewisse Konkurrenz, die hier durch fahrende Bäckereiverkäuferinnen gepflegt wird. Das sparte uns die besagten zehn Minuten und auch mit dem Backwerk waren wir hochzufrieden.
Durch Bubión fuhren wir nach Capileira und parkten dort am Ende des Ortes. Wir zogen unsere Wanderstiefel an und als ich auf der Wanderkarte nach der Route schauen wollte, war diese nicht zu finden. Sie mußte noch in der Casa Chamisa liegen, ja da kam Freude auf. Zum Glück bekamen wir in der Touristeninformation einen Ortsplan und eine ausgedruckte Wanderskizze mit englischer und spanischer Beschreibung ausgehändigt. Das war mehr, als wir erwartet hatten. Der Hinweis, daß der Rio Toril zur Zeit viel Wasser führt und seine Passage deshalb schwierig ist, hielt uns von der Verlängerung unserer Rundwanderung ab. Auch daß diese Verlängerung drei bis vier Stunden in Anspruch nehmen würde, konnten wir so der Wanderkarte nicht entlocken. In einem versteckten, bestens sortierten Supermercado entschieden wir uns für eine abgepackte Chorizo, da die Selbstbedienung einfach schneller ging.

- Die Sierra Nevada
Der Wanderweg selbst ist bestens ausgeschildert und angenehm zu begehen. Wasser fließt allenthalben parallel oder quer zum Weg. Private Wasserreservoires haben oft Leitern oder Treppen die das Heinein- und Heraussteigen erleichtern sollen. Daß diese Becken auch zum Baden benutzt werden, erscheint mir eher zweifelhaft bei Wassertemperaturen um die 10°C. Wir hatten immer wieder schöne Aussichten auf die noch teilweise schneebedeckten Dreitausender.

- Bei der Rast

- Almauftrieb
Direkt hinter dem Wasserkraftwerk, bis zu dem wir auch mit dem Auto hätten fahren können, beobachteten wir den Auftrieb einer Ziegen und Schafherde auf die Sommerweide. Ein Reiter führte die ganze Prozession an. Ein Hund versuchte die Herde beisammen zu halten. Heidi sah, wie ein Schaf Kabolz schoß. Es schien ihm aber nichts passiert zu sein. Den Abschluß bildeten drei Männer, die die Nachzügler betreuten.
Bei ungefähr 1650 Metern Höhe machten wir Halt, um unseren mitgebrachten Proviant zu verzehren. Das schafften wir aber nur zum Teil, da die Chorizo bestimmt 300 Gramm auf die Waage brachte und Heidi diese Wurst eh nicht mag. Wobei diese Sorte hier schien akzeptabel.

- Puente Buchite

- Ein solcher Bauernhof
Auf dem Rückweg erklären spanische Informationstafeln, wie so ein früherer Bauernhof konzipiert war. Wir konnten es uns zusammenreimen. Über den Rio Poqueira kamen wir, indem wir die Puente Buchite nutzten. Ein letzter Stieg hinauf nach Capileira und schon hatten wir zehn Kilometer und 200 Höhenmeter erwandert. Das macht natürlich Durst.
In einer Bar in der Calle Dr. Castilla, direkt neben dem Touristenbüro, kehrten wir ein. Zu den zwei Bier gab es gleich mal zwei Stückchen erwärmte Chorizo mit Brot. Ein weiteres Bier und ein Café con Leche bescherten uns zusätzlich zwei kleine Schweinesteaks auf Toast mit echte Kartoffelchips. Auf der rechnung stadn ein Endbetrag von 5,50 €, nur so zur Information.
Wieder am Auto angekommen, schlug ich vor, den Versuch zu unternehmen, mit demselben zum Tajo de Cortes zu fahren. Am ersten Tag in Orgiva hatte die Touristeninformantin auf dort befindliche, herrliche Badegumpen hingewiesen. Heidis Begeisterung hielt sich in Grenzen.

- Ein erfrischendes Bad
Direkt hinter Capileira ändert sich der Straßenzustand um Jahrzehnte. Nur ausgefuchste Slalomspezialisten erwischen hier kein Schlagloch und man sollte auf deren Tiefe achten. Also fuhren wir langsam und vorsichtig bis zur zweiten Linkskehre. Hier ging es endgültig auf einen staubigen Fahrweg, dessen Passage ausdrücklich per Schild gestattet ist. Bei angemessener Fahrweise kommt man gut bis zur Brücke über den Rio Bermejo nur eben völlig eingestaubt. Den Staub wollte ich nun zumindest von mir abspülen. Wir verfolgten den rechten Bach ungefähr 300 Meter und fanden ein akzeptables Tauchbecken, mehr nicht. Da wir nicht weitersuchen wollten und Heidi sowieso keinen Lust hatte, sich zu erfrisschen, stieg ich eben allein in das kühle Nass. Ich schätze die Temperatur auf ungefähr 10°C bis 12°C - wirklich angenehm. Fünf bis sechs Kilometer auf wirklich schlechten Straßen und Wegen für ein kurzes Bad, ob der Aufwand lohnt, hatte ich für mich richtig entschieden, dieses Mal.
Wieder in Orgiva arbeitete ich im Dia-Markt den Einkaufszettel ab, während Heidi noch schnell in den Nachbarladen wollte. Ein klassisches Mißverständnis. Ich verstaute meinen Einkauf im Auto. Daß ich eher mit dem Einkauf fertig sein würde als Heidi war mir klar, denn bei dem riesigen Angebot des vietnamesischen Gemischtwarenladens fällt die Entscheidung schwer. Es war jedoch im gesamten Geschäft keine Heidi zu finden. Als ich wieder auf die Straße trat, stand Heidi schon am Auto. Sie war hald im Tabakwarenladen gewesen, sozusagen auf der anderen Seite nebenan, und hatte Ansichtskarten und die letzten zwei Briefmarken erworben. Der Kunde vor ihr hatte so lange gebraucht, daß meiner Vermutung Vorschub geleistet wurde - lustig.
Als wir an der Casa Chamisa eintrafen, lag der Kater auf der Gartenliege. Er begrüßte uns miauend, lief zu seinem Schüsselchen und dem immer noch in Milch eingeweichten Brot, tat als koste er wohlwollend erneut, um sich dann mißmutig abzuwenden. Gut, inzwischen hette sich eine Haut gebildet und vielleicht war die Milch auch sauer geworden. Ich tauschte das, den gesamten Tag der Sonne ausgesetzte, Fressen gegen frisches Wasser aus, denn Hunger schien der Kater nicht zu haben. Durst auch nicht.
Langsam wurde es Zeit, nach dem heutigen sportlichen Höhepunkt in Deutschland zu schauen, dem Pokalfinale. Die Potsdamer Mädels hatten gerade eine herbe 0:7-Schlappe gegen den MSV Duisburg hinnehmen müssen. Es war noch reichlich Zeit, die ich für dei Vervollständigung des Tagebuches nutzte. Heidi versuchte, den Kater an ihre geliebte Surimi heranzuführen. Aber das gute Tier hatte noch immer nicht genügend Hunger. Ich war noch satt von den Appetitshappen in Capileira und naschte lieber die restliche getrocknete Aprikosen und die Paranüsse aus der Wanderverpflegung.
Das Finale zwischen Bremen und Leverkusen hat, denke ich, denkbar knapp aber verdient Bremen mit 1:0 gewonnen. Bremen hatte mehr investiert, Leverkusen zu spät auf mehr Kreativität gesetzt. Aber das interessierte Heidi überhaupt nicht.
Der Kater geht heut mit knurrendem Magen ins Bett. Ich las weiter am Mankell, bevor ich Heidi den Tagebucheintrag vom 22. Mai vortrug. Nach einem wiederum ereignisreichen Tag waren wir rechtschaffen müde, herrlich müde, aber niemals urlaubsmüde.



