Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild Vollbild

Frigiliana

Montag
1. Juni 2009

 
|Übersicht|

FRI.png Frigiliana und Nerja

Nach der gestrigen Wanderung, man ahnt es schon, war wieder der Strand im Gespräch. Der Kater war wie immer früh zugegen, verschähte heut sogar die Milch. Bitte, wie der Herr möchte. Das Gespräch bezog sich auf den Strand westlich Motrils, die östliche Seite hatte uns nicht besonders gefallen. Der Reiseführer empfiehlt Nerja als einen ruhigen Ort an der spanischen Sonnenküste. Was aber den eigentlichen Ausschlag gab, war der Tip, das sechs Kilometer entfernte Frigiliana zu besuchen. Der alte Ortskern soll auf maurische Zieten zurückgehen. Da es bei den Mauren noch keine Autos gab, haben sie wohl ganz enge Gassen bevorzugt, die demzufolge auch heute noch nicht mit dem Auto zu befahren sind. Und außerdem soll es dort eine außergewöhnliche Süßigkeit geben - Honig aus Zuckerrohr. Da es so etwas in Deutschland garnicht geben kann, dort haben die Bienen das Monopol auf den Honig, wollte ich es einmal gesehen haben.

cimg10128.jpg
Weit und breit die einzige Wolke

Bis Motril kamen wir auf der Autovia bestens voran. Dann wurde es landstraßengemäß langsamer. Es war bestes Wetter, nur über Solopreña hing eine Wolke. Das sah bemer­kenswert aus. In Frigiliana entle­digten wir uns des mitgebrachten Abfallbeutels, was nichts Anstößiges ist, sondern dem hiesigen Entsor­gungssystem völlig entspricht. Es gibt hald nur allgemeine Müllcontainer, die allerdings auch täglich geleert werden.

Auch ein Prkplatz war kein Problem und fünf Minuten später erwarben wir in der Information einen stadtplan für einen Euro. Man könne nicht viel falsch machen in Frigiliana. Am besten gehe man die eine Straße vor und auf der parallel gelegenen zurück. Tolle Idee!

Am zentralen Platz steht ein kleines Panoptikum, in dem Marionettten in zwei Fenstern Geschichten erzählen, wenn man den Euro übrig hat. Wir hatten Glück, denn eine deutschsprachige Familie hatte zwei ältere Damen, nämlich Carmen und Dolores, mit dem Euro zu ihrer Aufführung überredet. Sie schwäbelten sehr nett und erzählten von den alten Zeiten und den durchaus nicht schlechteren neuen, wenn man sich den Tourismus zu nutze macht. Offensichtlich sind die Frigilianerinnen nicht nur auf ihre Mundart sehr stolz, was sich in dem Ausspruch „Mir könne alles außer spanisch!” manifestierte. Leider hatte der maurische Turbanträger mit seinem Papagei im Nachbarfenster kein deutschsprachiges Angebot.

img_2257.jpg
Rechts oder links?

Der Auftakt in Frigiliana hatte uns schon mal gut gefallen. Die vielen kleinen Läden sind allerdings mit den selben Artikel bestückt, wie ihre Konkurrenten in anderen Orten. Nur der Zuckerrohrhonig ist etwas besonderes. Den soll es europaweit nur hier geben. Heidi kannte dieses Produkt jedoch auch schon, denn ihre Kollegin Tatjana hatte schon mal brasilianischen Honig aus Zuckerrohr angeschleppt. Sollte mich das stutzig machen? Er sieht jedenfalls wie normaler Honig aus, schmeckt aber nicht so doll, meinte die Expertin.

img_2271.jpg
Es grünt und blüht
img_2275.jpg
Ein interessanter Brunnen

Der Ort selbst ist wirklich wunderbar verwinkelt und durch die schon erwähnten engen Gassen schattenreicher als viele andere Orte. Überall stehen bunt blühende Pflanzen herum, die wunderbar mit den weißen Häuserwänden kontrastieren. Die schmiedeeisernen Laternen runden das Bild ab. Auf der schattigen Terrasse eines Restaurante genossen wir gekühlte Getränke, bevor uns der Gedanke kam, man könnte hier auch durchaus essen. Die Mauersegler machten ein Riesenspektakelund vollführten die imposantesten Flugmanöver. Zurück zum Essen. Hier gab es Zicklein im Angebot, für das wir uns beide entschieden. Das nach Art des Beauf Stroganow, allerdings mit Knoblauch und Mandeln, zubereitete Zicklein schmeckte ausgezeichnet. Wir hatten die richtige Wahl getroffen.

img_2286.jpg
Weit und breit die Einzigen

Es wurde immer wärmer und somit höchste Zeit, ans und ins Meer zu gelangen. Die sechs Kilometer bis Nerja waren ein Katzensprung. An einem der unzähligen Kreisverkehre waren Strände im Osten und im Westen ausgewiesen. In die City ging's geradeaus. Wir fuhren gen Westen, wo einige hundert Meter garnichts vom Meer zu sehen war und dann doch plötzlich ein Hotel Marina de Nerja auftauchte, hinter dem wir den Strand erhofften. War aber nicht der Renner. Auf der parallel zur Hauptstraße verlaufenden Strand­straße, die in einem Weg auslief, fuhren wir wieder ien Stück nach Osten, stellten das Auto in einen etwas latrinenhaft riechenden Schatten und hatten den Strand fast für uns allein. Das bad war erquickend und frisch. Ich las weiter in der „Tiefe”, während Heidi planschte. Nachdem wir beide ausreichend abgekühlt waren, fehlte uns ein Eisverkäufer. In dem stillen Badeort solltes es doch einen solchen geben. Wir ließen uns von den Hinweisschildern in Richtung Stadtzentrum und dort zu einer Parkmöglichkeit lotsen. Leider wird auch hier gebaut und schon sind die Hinweisschilder Makulatur. Zweiter Versuch. Da stand doch eben so ein verkappter Bauarbeiter mit einem Verkehrsschild in der Hand. Das war vielleicht die Einfahrt zum Eisparadies. Die selbe Anfahrt erneut gefunden und tatsächlich landeten wir in einem Parkhaus, zentraler geht's nicht.

Das Touristenbüro war zu dieser Zeit (vor 17.00 Uhr) sowieso noch zu, aber wir standen praktisch sofort im vollen Leben. An der Kirche wurden Vorbereitungen für einen Festakt getroffen, eine Braut war jedoch noch nicht zu sehen. Aber ein Eisladen. Als ich nach einem Eisbecher statt einer -waffel fragte, wurden wir plaziert. Hier sah das Eisangebot nur noch halb so attraktiv aus , wie am Strand. Ein Milchshake wäre doch auch nicht schlecht, die sollen sie hier ganz toll können. Erdbeermilch und Kaffeeshake machten uns traurig und die Rechnung erst. 3,50 € sind auch am Balcon de Europa zuviel für diese unterdurchschnittlichen Getränke. Offensichtlich hatte heute die Saison begonnen, denn der Kellner hatte uns wohl aus Versehen noch den Maipreis (2,-) zugerufen.

img_2288.jpg
Der Balcon de Europa
img_2289.jpg
Strand mit vier Schirmen

Vom Balcon de Europa hat man einen schönen Blick auf das Mittelmeer, die felsigen Formationen links und rechts, sowie die ebenfalls links und rechts zu findenden Sandstrände. Das hatte schon eher was Mondänes, sich unter Sonnenschirmen auf Liegen zu räkeln und bei Bedarf ein Getränk in Reichweite zu haben. Ich bin der Meinung, die Hinweisschilder für die Strände müßten auch Auskunft über deren Qualität beinhalten. Gradmesser - analog Hotels, Pensionen oder Köchen - könnte die Anzahl der abgebildete Sonnenschirme sein:

Ein Sonnenschirm - Nur Strand
Zwei Sonnenschirme - Strand mit Sonnenschirm
Drei Sonnenschirme - Strand mit Sonnenschirm und Liegen
Vier Sonnenschirme - Strandequipment plus gastronomischer Betreuung
Fünf Sonnenschirme - All inclusive

Up oder down grades sind meist möglich. Und dann bin ich aufgewacht.

In der Fußgängerzone kaufte ich die drei benötigten Briefmarken und eine Monte Christo. Jetzt konnten wir die letzten Urlaubsgrüße auf die Reise schicken. Wir schlenderten durch die Gassen, ich naschte ein richtiges Eis, nur Heidi fand nichts sie ansprechendes. Jetzt war die Braut aufgetaucht, vor Aufregung noch schnell eine Zigarette davor rauchend. Einen Lebensmittelladen hatten wir in der Fußgängerzone nicht entdeckt, weshalb wir am Ortsausgang einen Supermarkt frequentieren mußten, was im Nachhinein sein Gutes hatte. Qualität, Auswahl, Bedienung - alles lobenswert, außer daß der Schweizer Käse französisch ausgeflaggt war. Das konnte uns allerdings egal sein.

Wir waren erst zwanzig Minuten vor acht wieder in unserer Casa Chamisa. Heidi bereitete schnell das Abendessen vor, denn heute sollte es endlich was mit dem Tatort werden. Wurde es auch. Die österreichischen Kollegen waren am Ermitteln. Alles lief ab wie im Film. Anschließend lief nur noch das allgemeine Urlaubsprogram - Schreiben und Lesen. Mir paßt das gut. Ich würd den Urlaub jederzeit verlängern.

Valid CSS!