Andalusien - 2. Juni 2009
Die Alhambra in Granada
Granada, wie gut das klingt. In unserem, von Höhepunkten fast erdrückten Urlaub folgt heute der Besuch der Alhambra in Granada als kultureller Abschluss. Wir stellten uns den Wecker, denn wir wollten vor unseren Nachmittagstermin noch einiges von der Stadt sehen, das arabische Viertel, die Kathedrale, die Marktgassen mit ihrer basarähnlichen Aufmachung. Im Internet hatte ich gelesen, dass es am besten ist, sein Auto auf dem Parkplatz der Alhambra zu stellen. Zwar kann von 6,00 � Tagesgebühr keine Rede mehr sein, aber zumindest wird man nicht gekrallt oder abgeschleppt.
Gegen 9.45 Uhr fanden wir noch ein Parkplatz auf P2. Das ist so ungefähr 100 Meter vom Haupteingang entfernt. Ich bekam unsere Eintrittskarten schon jetzt an einem Automaten. Damit hatten wir bis auf einen Stadtplan alles, was wir brauchten. Den Stadtplan gibt's in der am Haupteingang ansässigen Information. Alle zehn Minuten verkehrt ein Bus in Richtung Stadt. Man hat die Wahl zwischen den Linien 30 und 32. In jedem Falle landet man auf der Plaza Nueva. Vale, wir laufen. Ein Schuhputzer fragte, ob wir in die Alhambra wollten. Ich machte den Fehler zu antworten: "Nein, in die Stadt".

- Real Chancellería

- Kirche Santa Ana
Hilfsbereit führte er uns an den schönen Gartenweg, der ebenfalls letztendlich an der Plaza Nueva ankommt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er es auf meine Sandaletten abgesehen hatte, die noch nie irgendeine Schuhcreme gesehen hatten. Na gut, nach abgeschlossener Behandlung der Sandalen bot ich ihm 1,00 � als Bezahlung an. Ich hätte vorher fragen sollen. Er verlangte 5,00 Euro! Drei Euromünzen hatte ich noch einzeln und das blieb mein letztes Angebot. Er hätte seine Spezialpaste eingesetzt und auch viele Kinder zu versorgen. Warum er Bambini sagte und nicht Niñas, na egal. Wieder war ich um eine Erfahrung und erstmals geputzte Sandalen reicher.

- Entlang des Darro

- Paseo de los Tristes
Durch den Park gingen wir hinunter ins Arabische Viertel. Die Geschäfte öffneten eines nach dem anderen. Hier sahen wir auch einige Gitarrenbauer und mussten gleich an Hung denken, dass ihn das interessieren würde. Am Fluss Darro entlang gingen wir nach Norden. Das Hammam besuchten wir mangels Zeit diesmal nicht. Vom Paseo de los Tristes sahen wir die Alhambra hoch über uns. Schon von hier unten und damit auch außen ein beeindruckendes Bauwerk. Hier hinten in Albayzin befindet man sich ziemlich abseits der Touristenströme. Alles ist weiß und verwinkelt aber auch mit teilweise obzönen Schmierereien verunziert. Es ist ruhig und wird immer wärmer. Wenn man wieder nach Süden geht, gerät man automatisch in die Fußgänger- und damit Geschäftszone des Viertels.

- Real Chancellería

- Im Basar
Heidi fand etwas für die Jungs und wir kauften auch gleich beim ersten Händler. Es gibt Läden ohne Ende, aber fast alle haben dasselbe Sortiment oder Angebot. Vielleicht, wenn man etwas ganz Spezielles sucht, kann man Unterschiede ausmachen. Ich wollte es nicht. Und dann sind da auch noch die Rosmarinzweigaufdränglerinnen. Da geh ich doch lieber gleich in die Kathedrale.

- Die Kathedrale
Für den Preis eines Milchgetränkes (3,50 �) in Nerja kann man sich hier eine interessante Kirche inklusive der meisten wichtigen Schätze anschauen. Die anderen sind zur Restaurierung. Wenn man länger drin bleiben möchte, sollte man auf jeden Fall eine Jacke mitnehmen, denn es ist frisch herinnen. Anschließend bummelten wir weiter durch basarähnlichen Anlagen bis wir auf der Plaza Bib-Rambla standen. Das kulinarische Angebot ist groß. Wir drehten noch eine kleine Runde den Colegio Catalino hinauf und über die Pescaderia, die heute mehr ein Gemüsemarkt ist, wieder zurück zur Bib-Rambla.
Gut wir nehmen ein Menü. Wir waren auch mit allem soweit zufrieden, bis ich von einem Vogel etwas Blaubeermarkähnliches auf meine weißer Hose bekam. Zum Glück hatte Heidi ihren Fleckenstift mit. Ganz raus gingen die blauen Farbstoff war aber nicht. Darauf einen Sangria. Inzwischen war es schon fast 14.30 Uhr und wir ließen uns noch den Weg zum Bus weisen. Und tatsächlich stand einen Bus der Linie 32 in einer Nebenstraßen zur Abfahrt bereit. 1,20 � kostet ein Fahrschein zur Alhambra. Dann las der Fahrer erstmal seine Zeitung. Wir waren heute Vormittag zehn Minuten hinunter gelaufen. Dann wird der Bus das ja wohl auch hinkriegen, dachten wir. Ein älteres Ehepaar, das ursprünglich gar nicht einsteigen wollte, da keine Sitzplätze mehr in dem kleinen Bus frei waren, erklärte uns, das es eine ziemlich lange Tour sei.
Endlich fuhr der Bus los, nur um kurz darauf wieder zu halten. Es war Stau. Zu Fuß wären wir schneller gewesen. Nach ca. fünf Stationen in der Ave Maria stiegen wir aus und gingen doch noch den Rest zu Fuß. Hinter dem Bus schien sich der Stau aufgelöst zu haben. Um 15 Uhr kamen wir am Haupteingang kann. Ich brachte unsere Einkäufe zum Auto, kaufte ein kleines Fläschchen Wasser für 90 Cent und führte Heidi zum Eingang. Als die Dame unsere Eintrittskarten scannte, erscholl ein Klingelton, der wohl darauf hinweist, dass die individuelle Zeit des Einlasses in die Alhambra nicht mehr fern ist. Es war 15.12 Uhr. Im Palast Karls V. gibt es die digitalen Erklärer. Mich anzustellen, hatte ich weder Zeit noch Lust. Es half schon, anhand der gegebenen Erklärungen, den weiteren Weg zum Nazaridenpalast zu erfahren. Die Schlange war länger als erwartet und lag zum größten Teil im gleißenden Sonnenlicht. Wir gingen ein Stück an der Schlange entlang bis ich einen Wartenden nach seiner individuellen Einlasszeit fragte. 15.30 Uhr wie wir. Es waren ja auch noch zwei Minuten Zeit.
- Der Empfangssaal_______________Eingang zum Serail_____________Toll!
Durch die starke Hitze verschmolzen wir augenblicklich mit der Schlange. Ich hatte Heidi schon meinen neuen Hut angeboten, um sie vor einem Hitzschlag zu schützen. Sie lehnte ab. Zum Glück ging es auch schon los. Wir ließen uns, von äußeren Einflüssen völlig unberührt, durch die phantastischen Säle, Höfe und Gärten treiben. Wir erkannten die ähnliche Strukturen wie im Alcazar von Sevilla, nur das hier alles noch größer und prächtiger angelegt ist. Auch wurde kaum etwas umgebaut.
- Der Löwenhof________________Kuppel im Thronsaal___________Fenster zum Garten
Es war einfach eine Augenweide. Leider wird der Löwenbrunnen und auch der Justiz- oder Thronsaal gerade restauriert, was wesentliche Elemente des Palastes sind. Glücklicherweise konnten wir alles andere ausgiebig betrachten. Unsere kleine Wasserflasche war schon lange leer und im Palast sind sogar Wasserschüsseln aufgestellt, um die Luft zu befeuchten. Als wir in die Jardines del Portal gelangten, fanden wir dort Trinkwasserspender vor. Die Flasche musste gleich zweimal gefüllt werden, um unseren Flüssigkeitsbedarf zu decken.

- Die Festung

- Kasemattenreste
Die militärische Seite der Alhambra, nämlich die Festung, ist ebenfalls beeindruckend. Der letzte Kalif hatte alles friedlich den katholischen Königen übergeben. Es wäre sicher schwierig geworden, die Alcazaba einzunehmen, aber der weiß, was vom Rest der Alhambra geblieben wäre, hätte es keine friedliche Einigung gegeben. Jetzt hatten wir uns aber ein kaltes Bier verdient, es war inzwischen 17.45 Uhr. Den Palacio del Generalife schenken wir uns für heute. Wir hatten uns sattgesehen am morgen- und abendländischer (Palast Karls V.) Kunst. Ich bezahlte unsere aufgelaufene Parkgebühr von 14,62 � am Schalter.
Die Rückfahrt verlief recht zügig und gegen 19.30 Uhr war unsere Granadatour abgeschlossen. Und umgehend kam wieder die Urlaubsroutine zum Tragen. Heidi bestand darauf, dass ich die „Tiefe” zu Ende lesen müsse. Kein Problem, auch wenn die Tagebuchaktualität darunter leidet. Ein unwiederbringlicher Urlaubstag hatte uns eine weitere Kostbarkeit Andalusiens offenbart - Granada.



