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Auch Pilatus

Dienstag
19. Mai 2009

 
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Kultur, Kultur, Kultur

Diesmal frühstückten wir in memoriam an Marta in der Bar, in der wir uns gestern erfrischt hatten. Meine Rühreier waren sehr gut gezupft, nur Heidis Toast mit Marmelade schmeckte etwas geradeaus. Und nun gleich zum Alcazar, dem Kalifen- und Königspalast, seinen noch vorzeigbaren Festungsresten und den dazugehörigen Gärten.

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Tor zum Alcazar

Das hatten sich auch schon hunderte anderer Touristen und Lehrer mit ihren Klassen gedacht. Zum Glück gibt es zwei Schlangen - eine für Gruppen und die zweite für die Individualtouristen. Hundert Meter waren aber beide Schlangen lang, na gut achtzig. Es war aber nicht zu erkennen, daß eine der Schlangen bevorzugt worden wäre. Nach einer guten halben Stunde durften wir unsere zwei Mal 8,-€ entrichten und packten noch 3,50€ für die individuelle phonetische Informatsions­einheit drauf. Soweit, so gut.



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Ein Innenhof ..._________________... schöner als der andere___Bögen über Bögen

Nun wurden wir allerdings von den fremdartigen, maurischen Bauelementen, die sich dann in gotischen, barocken und klassizistischen Formen und Stilen auflösten, überwältigt. Das hier ist was für Detailversessene mit viel Sachverstand. Ich konnte nur die filigrane Ausführung der Säle und Gemächer bestaunen. Inwiefern Bibel- oder Koransprüche besonders gelungen umgesetzt waren, dafür hab ich nicht genug, ach Philosopie studiert mit heißem Bemühen. Aber toll!

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Kein bayerischer Pavillon________Kein Frosch am Brunnen____________Blick vom Wandelgang

Und die Gärten sind auch vom Feinsten. Wir hatten ja gestern schon gelernt, daß das Wasser des Palastes über Aquadukte und im Stadtbereich dann durch Rohre aus der Umgebung heranfloß. Selbst der spanische König wohnt manchmal noch hier. Ob er sich dann ab und an mal unter die Besucher mischt? In der Cafeteria gelänge das bestimmt ganz unauffällig. Wir waren jedenfalls mit Kuchen und Baguette beschäftigt und hätten ihn nicht bemerkt. Vielleicht jedoch unser etwas überalterter, kunststudierender Tischnachbar, der sich über beliebige Themen sehr indifferent äußerte. Glücklicherweise mußte er doch noch etwas zeichnen gehen. Wir gingen auch und zwar hinüber zur Kathedrale.

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Altar einer Seitenkapelle_____Der goldige Altar____________________Hinter den Stühlen

Sie soll die drittgrößte weltweit sein. Das sollte uns doch weitere 16,-€ wert sein. Und der phonographische Freund war schon für drei Euro zu haben. Und eine Warteschlange gab es praktisch nicht. Das spart Zeit. Viele Seitenaltäre wurden erklärt und auf das Grab von Christoph Columbus hingewiesen. Es weiß wohl trotz modernster, gentechnischer Untersuchungsmethoden immer noch niemand, wo exakt dieser Eieraufsteller begraben liegt. Und ob überhaupt alles beieinander ist? Er war ja schon damals seiner Zeit weit voraus und ein Weltenbürger. Und der Hauptaltar ist etwas ganz besonderes. Er ist das goldene Kircheneinmaleins, aber das ganz große.

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Blick von der Giralda auf den Alcazar

Auf den Turm sind wir auch gestiegen. Irgendwie soll das alte Minarett umgebaut worden sein. Jedenfalls gibt es keine Treppen sondern nur knapp 40 schiefe Ebenen, die man auf dem Rücken eines Esels auch hinaufreiten könnte. Der Blick über Sevilla ist natürlich exzellent. Wenn sie einen Fernsehturm hätten, wäre er noch besser. Haben sie aber nicht und das ist auch gut so, denn so ein Telespargel wäre das letzte, was hier her paßte.

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Blick in den Garten_____________Schmuckelemente______________Brunnen mit Januskopf

Auf dem Wege zum Hause von Pilatus war Heidis Mittagskuchen bereits verdaut und um dem drohenden Kopfschmerz eins auszuwischen, kehrten wir ein - allerdings im Freien. Der Kellner war schon fast am Auskehren. Heidi bekam noch ihren Gazpacho und eine Auberginentapa, während schon Stühle und Tische weggeräumt wurden. Wir ließen uns weiter durch die Gassen treiben. Dadurch verpaßten wir den dienstäglichen freien Eintritt (bis 17.00 Uhr) um satte fünf Minuten. Also doch nochmal 10,-€ berappen. Einen Audioguide gab's hier nicht, sondern nur ein englischsprachiges Prospekt.

Auch hier ein beeindruckender Mischmasch vieler Kunststile, ein nobles Haus mit Garten. Leider wird so etwas heute nicht mehr gebaut. Jedenfalls werden die heutigen Initiationen solche Zeitspannen nicht überdauern. Besser so. Doch wir hatten heute soviele Eindrücke sammeln dürfen, daß es schon fast zuviel wurde.

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Puente de Isabell II

Gegenüber unseres Hotels gibt es das Restaurante „La Sal”, das aber erst wieder um 20.00 Uhr öffnen würde. Jetzt war es gerademal halbsieben. Einen Krug Sangria anzurichten wäre kein Problem. Das ist doch mal ein Wort. Ich brachte den Fotoapperat nach oben, Heidis Buch und das darbende Tagebuch wieder mit herunter. Der Sangria war ganz ausgezeichnet und das Schreiben ging mir gut von der Hand. Heidi zog sich noch ein wenig zurück, um sich auf das Abendmahl vorzubereiten. Und ich tat mich weiter am Sangria gütlich.

Als Heidi endlich kurz vor halbneun wieder auftauchte, hatte ich die Karte noch immer nicht studiert. Die Auswahl fiel uns nicht leicht. Als Tapas bestellten wir Thunfisch an roter Pfeffersauce und gebackenen Ziegenkäse. In seinem Stammhaus an der Küste, ich tippe mal auf Conil de la Frontera, gäbe es gar keine Tapas. Aber in Sevilla, der heimlichen Hauptstadt der Tapas komme man ohne dem nicht aus. Es waren dann auch allerköstlichste Kleinigkeiten, die wir noch nie zuvor auf unsere Zungen bekommen hatten. Und die Portion Thuntartare gebraten war noch die Krönung des Ganzen. Der Rosé paßte bestens dazu. Der Chef erzählte uns, daß das Geschäft genau zehn Tage geöffnet habe und er sehr zufrieden mit der Entwicklung sei. Er habe zwar nur 54 Plätze aber 216 Weinsorten im Keller, die auch die auserlesensten Wünsche erfüllen würden. Mit dem unsrigen waren wir auch so sehr zufrieden. Das Dessert in Form von Trüffel de Chocolat bestätigten nur unser bisheriges Urteil - beste Küche zu im Endeffekt angemessenen Preisen. Wir waren rundum zufrieden, als wir die Stufen zu unserem Zimmer hinaufstiegen. Es ist doch göttlich, Urlaub zu haben.

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