Andalusien - 20. Mai 2009
Fahrt nach Cordoba
Wir frühstückten ganz in der Nähe des Parkhauses. Die zwei Café con Leche bestellte ich in einer Bar und die Churros holte ich am Stand, an dem Javier, der berühmte Churrorero, wieder keinen Dienst hatte. Deshalb konnte ich Martas Grüße leider nicht ausrichten. Das Frühstück blieb also mit 7,-€ absolut im Rahmen. Mit den 54,-€ Parkgebühren hatten wir sowieso gerechnet. Heidis Navi plante umgehend die Route und so kamen wir flugs über die Autobahn nach Cordoba. Diesmal hätte es das Nüvi sogar bis zum Hotel geschafft, wenn ich nicht das Vertrauen in die Fußgängerzonenberücksichtigung beim Planen verloren gehabt hätte. Wir hätten direkt unterhalb der Kathedrale weiterfahren sollen, was aber durch ein Verbotsschild untersagt wurde. Das darunter angebrachte Schild aus 60 Metern Entfernung im fließenden Verkehr lesen zu können, war mir nicht möglich. Auch in Cordoba, das 2016 Kulturhauptstadt Europas sein wird, ist alles am Buddeln und Bauen. Glücklicherweise fand ich einen Parkplatz in der Nähe unseres Hotels. Wir meldeten uns an der Rezeption und fragten nach der versprochenen Parkmöglichkeit. Ein Angestellter fragte, wo wir stünden und hatte schon Kreuzchen in die Stadtkarte eingezeichnet, als ich „An der Ambulanz” sagte. Daraufhin kam er gleich mit, ließ sich den Autoschlüssel aushändigen und fuhr nach einer kleinen Runde prompt an dem oben erwähnten Schild vorbei, das das Passieren für Hotelgäste erlaubte. Wir fuhren am Hotel vorbei, vor dem Heidi schon wartete, weil ich eine Frage mißverstanden und weiter nach dem Parkplatz gefragt hatte. Die Strecke dorthin findet kein Navi der Welt. Wir fuhren wieder am Fluß entlang, bogen links in eine Sackgasse, die ausschließlich Parkplätze für die Gäste des nahen Restaurantes bot, und fuhren durch ein Parkhaus, wodurch wir auf dem kürzesten Wege an einen mit Ketten abgesperrten Platz kamen. Auch hier fand mein Freund eine Möglichkeit, darüber zu fahren, obwohl zwei Baustellen das Manövrieren erschwerten. Nun mußten wir durch eine Gasse, deren eine Hälfte zugeparkt war und die andere eigentlich nur mit angeklapptem Außenspiegel zu passieren war. Aber es klappte und schon waren wir vor der Tiefgarage angekommen, die von den Gästen des Hostal kostenlos benutzt werden kann. Die Zufahrt ist ziemlich eng gestaltet, dafür gibt es zwei Parkplätze mehr. Der freundliche Hotelpage, quatsch, Mitarbeiter übernahm den Koffer, rollte ihn die zweihundert Meter zum Hostal und trug ihn sogar noch aufs Zimmer. Sehr angenehm.

- Professioneller Schinkenschnitt
Inzwischen waren die Außentemperaturen über 30°C gestiegen. Wo ist eigentlich mein Hut? Gestern hatte ich ihn doch noch! Vielleicht liegt er ja noch im Auto. Aber da komm ich jetzt nicht ran. Es geht auch erstmal so. Wir machten uns etwas frisch und stürzten uns auf Cordoba. Eigentlich wollen wir immer erstmal ein Gefühl für die neue Umgebung gewinnen. Dazu kamen noch die Sorgen um meinen Hut. Im Hotelzimmer konnte er auf keinen Fall mehr liegen. Hatte ich ihn vorgestern abend im Restaurante „La Sal” noch gehabt? Im Haus des Pilatus hatte ich ihn auf jeden Fall noch. Vielleicht sollte ich mal Pontius fragen. Eventuell kann ich nach dem Urlaub per Internet etwas retten. Jetzt, nachdem wir uns mit köstlichem Schinken, Huhn und Kartoffelsalat (alles Tapas) gestärkt hatten, blieb als Reaktion auf die arge Hitze nur der sofortige Besuch der kühlen Mezquita.

- Der Augustustempel

- Am Triumpfbogen
Na das is'n Ding! Nicht nur schön kühl sondern auch sonst völlig anders als alles bisher Geschaute. Man steht in einem übergroßen Raum voller Säulen und Bögen. Die äußeren Schiffe wurden nach der Christianisierung zu eigenen Kapellen umgebaut. Der größte Frevel aber war, mitten hinein in dieses riesige Ensemble, eine christliche Kathedrale zu bauen. Laut geliehenem Erklärer hat der ehemalige Unterstützer dieses Kirchenbaus, Karl V. nach der persönlichen in Augenscheinnahme gesagt, hätter er das gewußt, hätte er dem nie zugestimmt. „Ihr habt Unwiederbringliches zerstört, um etwas zu errichten, was es überall auf der Welt gibt!”

- Die Fische garen

- Das köstliche Mahl wartet
Inzwischen ist natürlich auch dieses Bauwerk einmalig. Der Hochaltar ist eher bescheiden gestaltet. Es ist aber beeindruckend, christliche Motive auf maurischen Doppelbögen drapiert zu sehen. Man kann das alles garnicht verarbeiten und in sich aufnehmen. Das dauert sicher ein wenig. Jetzt hilft bestimmt ein Sangria.
Den Kellner fragte ich auch gleich nach einem ordentlichen Mercado. Auf unserer Stadtkarte hinterließ sein Fingerzeig keinen Abdruck, aber meiner Erinnerung nach standen dort nur Neubauten. „Doch der ist gut. Meine Mutter kauft dort auch immer ein.” Was soll's? In der Altstadt bewegten wir uns nach Norden, wo wir auf große Einkaufsstraßen und Bankenalleen stießen. Ein anständiges Hutangebot war nicht auszumachen. Basecaps überall, Strohhüte und Schiebermützen. Auch mit dem Schuhkauf ist es etwas kompliziert. Man sollte sich im Vorhinein die Schuhe der Wahl im Schaufenster aussuchen und sich erst dann ins Geschäft begeben. Hier muß man irgendwie rauskriegen, nach wem man dran ist. Das war eindeutig zu kompliziert für uns.
An der Plaza de Colón änderten wir die Richtung wieder gen Süden. Vorbei am Rathaus und alten Tempelresten wurden die Gassen langsam wieder enger. „Schau mal dort hoch! Ein echter Hutmacher!” Torrerohüte, alte Männerhüte und einen Stetson hatte er im Angebot. Der Stetson ist zwar braun aber von der Form her ist er vom verlustig gegangenen kaum zu unterscheiden. Für 48,- Euro war ich wieder gut behütet.
Es waren immer noch gute 30°C und so kam uns die Empfehlung des Hoteldirektors, auf der Terrasse gleich unterhalb des Hotels unser Abendessen einzunehmen, ganz recht. Leider liegt diese Terrasse auf der vom Fluß abgewandten Straßenseite der parallel verlaufenden Hauptstraße. Glücklicherweise war die Küche ansprechend. Und da mein spanisch nach wie vor unter aller Kanone ist, bekam ich vom Kellner einen spanischen Roman geschenkt. Das bemerkte ich erst, als ich das vermeintliche Werbeexemplar zurückgeben und mit so freundlichen Umschreibungen wie „Sehr nett, aber das ist nicht mein Thema.” oder „Das kauf ich mir mal in deutsch.” meine mangelnden Spanischkenntnisse überspielen wollte. Nein, nein, das sei ein Geschenk und keine Widerrede erlaubt. Danke sehr. Das Essen war sehr gut und der Degistivo auch. Gute Nacht!
Ich kam lange nicht in den Schlaf. Gut, den in das Buch eingeklebten Peilsender hatte ich herausgetrennt und zerrissen - na dieses moderne Arbeitsplatzvernichtungsetikett. „Die zwei Wahrheiten”, was sollte mir das sagen? Was macht ein des Spanischen Unkundiger mit einem solch ketzerischen Buch? Ist es das? Sollte ich den Stuhl vor die unverschließbare Zimmertür klemmen? Irgendwann muß ich dann doch eingeschlafen sein. Wir haben ja schließlich Urlaub.



