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Orgiva

Freitag
22. Mai 2009

 
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ORG.pngUmzug nach Orgiva

Irgendjemand verbrennt hier seine Lumpen, wehte es durchs geöffnete Fenster. O. K. ich mach's schon zu. Noch ein Mützchen Schlaf und ein neuer Urlaubstag wollte erlebt werden. Das Gepäck wurde zur Abreise vorbereitet. Auf der Karte des Restaurante von vorgestern meinte ich gelesen zu haben, daß es ab 8.00 Uhr Frühstück gäbe. Gab's aber nicht. In Richtung Kathedrale waren die uns bekannten Bars auch noch voller heruntergelassenr Rolläden. Ist hier vielleicht freitags Schließtag?

Endlich fanden wir eine Bar mit Tischen, Stühlen und geöffneten Rolläden. Nur hatte die einzige Bedienung mit den frisch gelieferten Baguettes zum Aufbacken so viel zu tun, daß ihre Zeit für uns nicht reichte. Auf zur nächsten Frühstücksbar. Und tatsächlich war jemand für unsere Euros empfänglich. Empfänglich ist eigentlich gar kein Ausdruck. Für zwei Café con Leche, zwei Käseschnecken und zwei zugegeben frisch gepresste Orangensäfte waren die 11,- � wohl etwas überzogen. Im Hostal bemerkte ich, dass mich mein neuer Hut schon bestens behütet hatte, denn er hatte mich vor den Exkrementen eines Vogels geschützt. Ich hab den Fleck von der Krempe entfernen können. Und so konnte ich unverschmutzt die Rechnung begleichen. Unser Freund begleitete uns, wieder den Koffer rollend, zur Garage. Er erklärte uns den Einstieg in Richtung Granada, lotste uns aus der Tiefgarage und dann noch in den fließenden Verkehr. Also wir können vom Hostal Almanzor nur das Beste sagen. Empfehlung!

Über die gestern per pedes passierte Pasarela de Miraflores fuhren wir nun an den Festzelten vorbei bis zu dem Kreisverkehr, der uns alle Richtungen zur freien Auswahl anbot. Es sollte die Landstraße sein, denn dort sieht man ab und an doch mehr als auf der Autobahn und schließlich haben wir ja Urlaub. Übrigens hatten wir das Navi diesmal gar nicht erst aktiviert. Die Route hätte es unterfordert. Außer den Olivenbäumen gibt es vor allem Burgen und das Besondere an den Burgen auf dem Wege von Cordoba nach Granada ist, dass ihnen meist ebenso großen Kirchen hinzugefügt wurden. Es gibt immer eine ungewohnte Silhouette, die auf sehr strikte gesellschaftliche Zwänge hinweist. Wenn man das runterbricht, entsprechen die Kirchen dort den Garagen bzw. deren Inhalten in Deutschland heute. Wir kamen gut an Granada vorbei und auch bestens bis nach Orgiva durch.

Das von Helen angekündigte Restaurante in Orange war nicht zu übersehen. Es war schon 12 Uhr durch und nach dem kargen Frühstück knurrten unser beider Mägen. Es ist ein sehr rustikales Restaurante. Hier wird eigentlich über dem Holzfeuer in der Gaststube gegrillt, aber das Feuer brannte noch nicht lange und so würde das el Breso erst in mehr als einer Stunde verfügbar sein. In der Annahme, nach der Karte zu fragen, fragte ich nach el menu. Daraufhin entschwand der Camerero in der Küche und erschienen nach etwa fünf Minuten, die Heidi schon etwas nervös machten, mit einem handgeschriebenen A6-Zettel, der die Angebote für den ersten und zweiten Gang auflistete. Beim ersten Gang war der Spargel unser beider Favorit. Dann schieden sich die Geister. Frittierter Fisch (ohne nähere Angaben) und Spiegelei mit Pommes lautete letztendlich die Bestellung. Der grüne Spargel, mit etwas Rührei darunter gehoben, war ein Gedicht und hätte von der Menge her schon fast für ein Mittagessen genügt. Dazu kam ein gemischter Salat, wahrscheinlich standardmäßig. Die frittierten Fische (ohne nähere Angaben) entpuppten sich als ca. ein Dutzend Sardinen und jeweils zwei verschiedenartige andere, etwas größere Sorten. Heidi waren die Pommes etwas zu fett, aber alles für 17,00 � inklusive der Getränke, genial.

Piluka rief ich um 13.30 Uhr an und sagt ihr, daß wir jetzt hier wären, noch unseren Espresso trinken würden und sie wirklich nicht in fünf Minuten da sein müsste. Sie kamen, also Piluka und Did, völlig rechtzeitig, um uns zu unserem Domizil für die nächsten zwei Wochen zu geleiten. Das Grundstück ist groß und trocken. Einigen alten Olivenbäumen sieht man die mangelnde Pflege an. Did versucht, die traditionelle Bewässerungstechnik zu rekultivieren. Danach gibt's mittwochs ab 20.45 Uhr Wasser, das dann nur noch geschickt auf dem Grundstück verteilt zu werden braucht. Das von außen unscheinbare Haus ist sehr geschmackvoll eingerichtet und schien nur auf uns gewartet zu haben. Nach dem Verstauen unserer Habseligkeiten musste erst einmal der Kühlschrank gefüllt werden.

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Blick von der Terrasse nach Süden

Piluka hatte uns zwei, drei Supermärkten genannt, bei denen es schon schwierig genug war, die Namen zu behalten. Und in einem fremden Ort mehr als die Hauptdurchgangsstraße als Orientierungshilfe zu benennen, ist wenig erfolgversprechend. Natürlich nahmen wir den am einfachsten zu findenden Laden der Kette "Dia" garnicht wahr. Erschwerend kam noch hinzu, dass der Kirchplatz zur Fußgängerzone oder aber überhaupt umgebaut wird, was die Befahrbarkeit mit dem Auto unmöglich macht. Dafür fanden wir die Touristeninformation schnell, allerdings geschlossen. Die Öffnungszeiten scheinen geheim zu sein. Jedenfalls sind sie nirgends veröffentlicht. Der freundliche Tankwart konnte uns weiterhelfen. Um 17.00 Uhr würde man uns sicher fachkundig beraten. Das Auto stand gut und wir nutzten die Stunde, um schon mal einen ersten Blick ins Zentrum Orgivas zu werfen.

Die Einzigen, die hier was taten, waren die Bauarbeiter. Zumindest zwei schleppten Armierungsmatten von A nach B. Die eine oder andere Bar am Kirchplatz zeigten zwar einladend offene Türen, nur waren sie über den abbindenden Beton nicht zu erreichen. Etwas oberhalb des Marktplatzes bekamen wir im Café Willendorf sowohl einen Platz als auch erfrischende Getränke. Sogar einen Appetitshappen bestehend aus Schinkenröllchen, Oliven und olivengeöltem Brot wurden gereicht. Leider war ich noch satt vom Mittagessen aber Heidi ließ es sich schmecken. Obwohl wir die Zeit ganz angenehm überbrückten, kann man wohl die Schlußfolgerung ziehen, dass es keinen Sinn macht, nachmittags vor 17.00 Uhr in den Ort zu fahren, wenn man einkaufen oder etwas erledigen möchte.

Pünktlich fünf Minuten vor 17.00 Uhr waren wir wieder an Ort und Stelle. Eine junge Frau sperrte die Info auf, holte sich noch schnell ein gekühltes Getränke an der Tankstelle und schon konnte uns geholfen werden. Eine hübsche Grafik mit eingezeichneten Wanderwegen rund um Orgiva sowie der Stadtplan waren kostenfrei zu haben. Wir kauften noch eine Wanderkarte der Sierra Nevada für 9,- � dazu. Auf dem Stadtplan ließen wir uns gleich die wichtigsten Supermärkte und die Umfahrung der zentralen Baustelle hinauf zum Marktplatz einzeichnen. Dann fuhren wir hinauf, fanden auch dort einen Parkplatz nur 200 Meter vom Laden entfernt. Nun ja, die Gassen sind eng und da kann man hald nur an bestimmten Stellen das Auto abstellen. Wir bekamen im ersten Anlauf fast alles, was uns so vorschwebte. Nur mit frischem Obst und Gemüse war hier nichts zu machen. Was mir noch auffiel, es gab ausschließlich ausländische Destillate im Angebot, nicht ein einziges spanisches. Ich entschied mich für Aguardiente, das sollte zumindest portugiesischen Ursprungs und somit von der iberischen Halbinsel sein. Unten am Markt stießen wir noch auf ein Delikatessengeschäft, dessen ausgesuchtes Angebot uns nicht ansprach und Tomaten gab's auch keine, geschweige denn preiswerten Wein für den anzurichtenden Sangria.

Auf der Karte vergewissert wenn wir uns, daß der von Piluka favorisierte Supermarkt direkt gegenüber der in die Hauptstraße mündenden Baustellenumfahrung sein müsste. Wir hatten ihn also schon ein zweites Mal übersehen. Als wir auf die Hauptstraße stießen, sahen wir nur links einen Tabak- und rechts einen Autoserviceanbieter. Da noch ein Parkplatz frei war, nutzte ich die Gunst der Minute und überprüfte die Angaben der Touristeninformantin per pedes. Und siehe da, der Dia-Markt war nur falsch als Autoservicio etikettiert. Da muss man erst mal drauf kommen. Für den Sangria erstand ich eine Fünfliterabfüllung hiesigen Weines von der Küste, so stand es wenigstens am Regal. Das Weinbehältnis zierte ausschließlich das Preisschild 7,90 �, was auch ein Hinweis auf die Authentizität des Erzeugnisses sein kann. Das sah Heidi eher skeptisch. Aber inzwischen kann ich sagen, hat Heidi sich mit dem etwas trüben Wein, was ja auch sangriatypisch ist, ausgesöhnt und sogar schon eine Bowle angesetzt. Aber ich greife vor. Wir hatten jetzt genug gekauft, um den Kühlschrank ins Schwitzen zu bringen.

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Die drei Brote

Ein Bier kam gleich ins Tiefkühlfach, sonst würde es erst morgen trinkbar sein. Zum Abend gab es für jeden drei liebevoll bereitete Brote, das sollte nach den deftigen Mittag genügen. Bei Mückenkerzenschein und Energie­spar­lampen­licht wurde gelesen und diese Reisenotizen niedergeschrieben. Ich muss ganz schön hinterher sein, um die in den Städten entstandenen Lücken wieder zu schließen. Aber wir haben ja Urlaub, das wird schon.

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