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Am Aragaz

Donnerstag
29. August 2019

 
|Übersicht|
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______Aparan

Besuch bei den Jesiden

Vor dem Frühstück beglich ich schon mal unsere aufgelaufenen Schuld­scheine. Die Koffer waren für die Weiterfahrt vorbereitet und brauchten nur noch vor die Tür gestellt werden. Das Frühstücksbuffet war wie immer gut bestückt. Da Reinfried bis 8.45 Uhr nicht er­schie­nen war, machte ich einen Kontrollgang. Aber es war alles im Wer­den, sprich in Ordnung. Ich stellte gleich noch die Koffer in den Flur, da das Personal schon am Transportieren war. Also alles im Fluß.

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Auf dem Spitakpaß

Auf dem Weg zum jesidischen Friedhof im Dorf Ria Tasa wies uns Yasha in die Verhaltensregeln ein und in­for­mierte über die völlige Unterschiedlichkeit von kurdisch-christlichen und armenischen Jesiden. Hier ist es so, daß nach jesi­dischem Selbstverständnis schon zwölf­jäh­rige Mäd­chen verheiratet werden dür­fen, was aber dem armenischen Recht widerspricht. Und Pädophilie wird hart bestraft. Die Konflikte sind vor­pro­grammiert. Wir überquerten den Spi­tak­paß, von wo aus wir einen Blick auf den Aragaz warfen.

Auf dem „Friedhof der Pferde­grab­stei­ne” verteilten wir dann Stifte und Hefte an die Kinder. Einige weniger gut ver­netz­te Kinder kamen leider zu spät und gingen leer aus. Eine Mutter hatte inzwischen die Beute eingesackt. Daß sie das Schulmaterial gerecht in der Gemeinde aufteilt, bleibt meine Hoffnung.

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Ein Pferd____________________Was das war?________________Und noch ein Pferd
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Kein Pferdegrabstein___________Kirchenbaustelle______________Wohlbehütete Herde

Yasha erzählte, daß es innerhalb der Jesiden ein klares Kastensystem gebe, das streng und konsequent gelebt wird. Zum Beispiel sind also Ehen ausschließlich innerhalb einer Kaste möglich. Eine ziemlich große Herde Schafe wurde am Friedhof vorbei getrieben. Die Gemeinde baut sich auch gerade ein neues Gotteshaus, es scheint ihnen so schlecht nicht zu gehen.


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Die neue Fassade
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Holzkohle am Döner

In Aparan machten wir halt, um in der berühm­testen Bäckerei Armeniens eine Pause ein­zu­legen. Ein findiger Bäcker hatte sich vor Jahren mit seiner Idee durchsetzen können, im Ort eine 24 Stunden geöffnete, kulinarische Einkaufsmeile zu schaffen. Alles an Brot, warmen und kalten Spei­sen, Süßigkeiten, Käse-und Fleisch warm kann man praktisch ständig kaufen. Das Dö­ner­fleisch wird hier sogar mit Holzkohle gegart. Daß das überhaupt geht, hätte ich nicht gedacht. Und die Bestückung der Tonnenöfen ist 'ne absolute Show.

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Vorbereitung erledigt__________Und Action___________________Das Ergebnis

Hier werden die Öfen mit Gas auf Betriebstemperatur gehalten und der Bäcker muss tur­ne­rische Fähigkeiten besitzen. Die Brotfladen werden nämlich traditionell manuell an der Ofenwand verteilt. Da dieser Unternehmung an einer wichtigen Hauptstraße angesiedelt ist, funktioniert das Geschäftsmodell so gut, daß schon der ganze Ort Aparan im Sprach­gebrauch den Namen der Bäckerei trägt – GNTUNIQ.

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Kreuz von Aparan_____________Schicke Buchstaben___________Vor dem Buchstaben To

Etwas hinter Aparan haben wir uns den Irrgarten der armenischen Buchstaben ange­schaut. Am Rande des Buchstabenfeldes standen einige armenische Geistesgrößen. Im Hintergrund erhob sich ein armenisches Kirchenkreuz, das 2001 auf 1700 m Höhe auf­ge­stellt wurde, als sich das Jahr 301 zum 1700sten Male jährte. Und jedes Jahr wächst das Kreuz weiter. Es sieht ziemlich bizarr aus.

Jetzt kam auf Ashot die wohl schwierigste Aufgabe zu. Die Straße hinauf zum Ausgangs­punkt unserer heutigen Wanderung wäre in Deutschland wegen Straßenschäden mit Sicherheit total gesperrt worden und da mußte er uns und vor allem seinen Bus unbe­schadet durchbringen. Mit viel Geduld schien er den Bus am liebsten über die Schlaglöcher zu heben. Natürlich schaffte er auch das bravourös.

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Auf sonnigem Wege___________Da wollen wir hin_____________Die erwähnte Brücke

Anfangs wanderten wir dann auf breiten Wegen und hatten schon Burg und Kirche im Blick. Später wurde der Weg schmaler. Ein erster Wasserfall grüßte von einer Felswand. In der Talsole mußten wir den Bach, in den der Wasserfall gestürzt war, überqueren. Einerseits hatten wir Glück, denn es gab eine Brücke. Andererseits fehlten zwei Bodenplatten. Entweder man nutzt die seitlichen Verstrebungen, um aufzutreten oder schwang sich auf das Geländer gestützt über den fehlenden Boden. Es bestand keinerlei Gefahr für Leib und Leben. Nach einem letzten kurzen Aufstieg standen wir zwischen Kirche und Festung.

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Beeindruckende Anlage

Zuerst warfen wir einen Blick in das Gotteshaus20190829_154812.jpg
Altarraum
, umkurvten dann die Burg, ohne uns den Hof anzuschauen. Es ist halt eine Ruine. Yasha erklärte uns, daß die Festung „Amberd” heiße, was auf deutsch „Weit weg” bedeute, aber auch einen zweiten Namen besäße nämlich Anberd. Die deutsche Bedeutung habe ich vergessen. Jedenfalls war der Stand­ort auf dem Berg sehr gut ge­wählt. An drei Seiten sorgten hohe Fels­wände für Sicherheit. Nur von Norden her waren Angriffe möglich, trafen aber auf starke Mauern und Bastionen. Eine mehrere Kilometer lange unterirdische Wasserleitung, die von einer Quelle versorgt wurde, füllte die Zisternen. Diese waren von den Baumeistern so konzipiert worden, daß das Wasser bei Belagerungen für sieben Monate reichte.

Unsere Zisterne hatte die Form eines Kiosk und für heute genügte uns ein kühles Bier. Wir wurden ja auch nicht belagert. Zurück nach Jerewan durfte Ashot eine andere, intakte Straße nutzen. Man sah ihm die Zufriedenheit an. „Noch ein Wasser gefällig?” Wir kamen gut voran, bis wir in die Stadt und mitten in den Berufsverkehr kamen. Zu Fuß hätten wir einiges an Zeit gespart. Dann mußten wir auch noch zu allem Überfluß mit der Kirche ums Dorf fahren. Das Einbahnstraßenlabyrinth verlangte es so. Aber zuguterletzt schafften wir auch das Abendessen um 19.30 Uhr im Hotel.

Ein Glas Wein ging aufs Haus, das gab's noch nie, nur einmal Maulbeerschnaps. Na dann erst mal ab unter die Dusche. Als Hauptgang gab es heute gebratenes Hähnchen mit Gemüse. Gegen 21.00 Uhr verließen wir das Hotel und schlenderten in Richtung Platz der Republik.

Live and let die

Yasha hatte am Anfang der Reise die Mu­sik untermalten Wasserspiele dort geprie­sen. Als wir um die Ecke kamen und die Straße überquert hatten, waren wir von dem Schauspiel total überwältigt. Zu „Live and let die” von Paul McCartney tanzten die bunt angestrahlten Fontänen in wun­der­barer Weise. Wir konnten uns gar nicht satt sehen. Um einen besseren Überblick zu bekommen, wechselten wir auf einen Platz vor dem Museum. Es war wirklich grandios. Eine Stunde lang konnten wir uns nicht lösen. Am Tage ist der Platz um den Springbrunnen fast leer und der Verkehr umbraust den davor liegenden Kreisverkehr. Jetzt sind hier außer den Touristen auch die Jerewaner mit Kind und Kegel unterwegs, das Schauspiel zu genießen.

Nach dem mehr oder weniger anstren­gen­den aber auf jeden Fall vollgepackten Tag wollten wir uns mal wieder hinsetzen. Da­zu werden wir ein geeignetes Restau­rant aus, denn das Café nebenan führte kein Bier. Allerdings war auch hier unsere bevorzugte Biersorte Kilikia Nicht verfügbar. Es gab aber glücklicherweise Ersatz – kein Problem. Bei dem kühlen Bier werteten wir den Tag aus und wünschten den vorbeigekommenden Mitreisenden eine gute Nacht.

Bari Gischér!

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