Armenien - 19. bis 31. August 2019
Erste Wanderung zum griechisch-römischen Tempel
Der Akku hatte gehalten und Heidis Wecker kam wie erwartet zwei Stunden zu spät. Aber das war egal. Reinfried erhielt zum Frühstück einen Umschlag von uns, dessen volle Tragweite er erst im Laufe des Tages erkennen sollte.

- Der Ararat
Um 8.00 Uhr startete der Bus in Richtung Norden. Wir mußten erst bergan fahren, um dann nach Osten abbiegen zu können. Jerewan selbst liegt auf 1000 Meter Höhe und hat aber innerhalb der Stadt 500 Höhenmeter Unterschied. Man sieht praktisch kaum Radfahrer. Auf dem Weg nach Garni machten wir an einem malerischen Aussichtspunkt eine kurzen Zwischenstop, um den Ararat bewundern zu können.
- Verschiedenste Basaltformationen__Hier in Säulenform________Tempel im Mondschein
Am Einstieg zur Garni-Schlucht entließ uns Aschot aus dem Bus, nach dem Jascha uns über die geschichtlichen Zusammenhänge des Garni-Tempels ausführlich unterrichtet
hatte. Die Wanderung selbst war zum Einwandern gut gewählt. Sie führte durch das sehenswerte, mit Poligonen wohl ausgestattete Tal, das auch von
Geiern 
Ein Nest in der Felswand
gern bewohnt wird.
- Das Bächlein Azat_________Ansprechende Anlage____________Das durchwanderte Tal
Ein Bächlein namens Azat begleitete uns, bis wir zum Tempel aufstiegen. Es ist die einzige noch intakte hellenistische Tempelanlage auf armenischem Gebiet. Selbst ein römisches Badehaus wurde hier ausgegraben. Die Lage hat über die Jahre nichts von ihrem Reiz verloren.
In einem rustikalen Restaurant im Ort nahmen wir einen Imbiß ein, nachdem wir zwei Bäckerinnen beim Fladenbrotbacken beobachten und auch umgehend das noch warme Endergebnis mit Käse und Kräutern kosten durften. In der weitläufigen Anlage war ein Tisch für uns eingedeckt und wir erhielten eine Vorspeisenauswahl mit abschließendem Kaffee. Sehr empfehlenswert. Gleich nebenan durften wir das Anheizen eines Fladenbrotofens beobachten, wobei die Sichtblende die Ursache des heftigen Qualmes und der später hochschlagenden Flammen unseren Blicken entzog. Als wir aufbrachen, umgingen wir den Sichtschutz und entdeckten den in den Erdboden eingelassenen Ofen. Irre Verfahrensweise.
Heidi hatte inzwischen fünf Briefmarken für die Urlaubspost besorgt. Satt und zufrieden im Bus dösend ließen wir uns zum Geghard-Kloster chauffieren. Auch das Bergkloster war gut besucht. Der Weg hinauf war von einem Dutzend Händler gesäumt, die Süßigkeiten und Kunsthandwerk feilboten. Musikalisch wurden wir von einem Trio begleitet.
- Detailaufnahme__________Innerhalb der Anlage_____________Ein Türbogen
Wir betraten das nicht mehr aktive Kloster wie in Deutschland eine Burg, nur daß Graben und Zugbrücke fehlten. Alles sah trutzig und wehrhaft aus und durch die natürlichen Farben der Steine eher düster. Die Vorkirche (Gawit) wurde von vier Säulen getragen und Jascha erklärte uns die besondere Funktion dieses Raumes in der armenischen Kirche. Hier durften schon in frühen Zeiten auch Andersgläubige eintreten. Der Altarraum war eher unspektakulär im Gegensatz zum Akademieraum, in dem die geistliche und wissenschaftliche Ausbildung stattfand.
- Stalagtitenkuppel im Gawit______Im Zhamatoun_______________Geniale Lichtkuppel
Das Kuppelfenster war so geschickt gestaltet worden, daß alle für das Lesen wichtigen Flächen durch das Oberlicht optimal ausgeleuchtet wurden. Die Büßerbänke hingegen blieben im Dunkeln. In einer Ecke hatte sich eine Quelle Zugang zu dem Hause verschafft, was wohl für ihre Heiligkeit sprach. Gegenüber hatte die Lehrerschaft drei Nischen in akustisch so ausgefeilter Weise in den Stein hauen lassen, daß das Deklamieren schlecht gelernter Texte durch die Delinquenten dort den Lerneffekt erheblich verbessert haben soll, falls das Knien auf dem Steinfußboden nicht schon die gewünschte Wirkung gezeitigt hatte. Eine wahrhaft harte Schule.
- Gang zum Gesang_____________Das Quintett_________________Drei Sängerinnen
Yasha rief zum Verlassen dieser Etage auf, um ins Obergeschoss zu gehen, wo die versprochener Überraschung auf uns warten würde. Der dortige Saal dessen Decke ebenfalls auf vier Säulen ruhte, wurde für Konzerte genutzt, vermittelte uns Jakob. Früher wurden außen um die vier Säulen herum Weiße Tücher gezogen, so daß das adelige oder auch klösterliche Auditorium die Sängerinnen nicht sehen konnte. Heute macht man das nicht mehr. Jedenfalls standen plötzlich vier Sängerinnen in goldenen Kleidern und ein Sänger (Heidi meint Baßbariton) in weißem Hemd zwischen den Säulen hinter uns. Das war die Überraschung. Ungefähr eine Viertelstunde füllte das Quintett den Raum mit seinen Stimmen und demonstrierte die akustische Qualität des Ensembles.
- von 1558_________von 1581________Ohne Angabe______römisch 16?______von 1599
Es blieb ein wenig Zeit, die Klosteranlage individuell zu erkunden oder eine DVD zu kaufen. Ich füllte eine kleine Wasserflasche mit heiligem Wasser angenehmer Temperatur aus besagter Quelle. Mit Reinfried wartete ich in der Nähe der Musikanten, die Kreuzsteine begutachtend, auf den Rest der Reisegruppe.
Wieder zurück im Hotel bekamen wir eine Stunde Zeit, uns frisch zu machen, bevor wir zum Essen fuhren. Irgendwie waren wir doch etwas zu früh am Restaurant und es war noch nicht eingedeckt. Wir beobachteten während der Wartezeit zwei Frauen beim Backen der so typischen Brote Lavash. Nach dem Vorspeisengang gab es gefüllte Paprika und Zucchini mit Bulgur. Baglawa zum Kaffee bildete den Abschluß, Heidi war nicht so recht begeistert, aber es ging.
- Durch die Wand______________Bocksprung__________________Schwester des Koloß
Ein kleiner Spaziergang zu den Kaskaden sollte uns nun gut tun. Jakob hatte gemeint, zwei, drei Querstraßen von der Ampelkreuzung nach rechts und schon wären wir da. So war es natürlich auch. Diesmal erklommen wir in kleineren Gruppen die derzeit fertige Treppe. Die Wasserspiele hatten leider schon ausgespielt aber es machte trotzdem Spaß, die verschiedenen Kunstwerke auf den einzelnen Etagen zu begutachten. Auf einer Seite hatten wir die aktuell beghbaren 452 Stufen hochwärts und auf der anderen Seite abwärts absolviert.
- Windspiel___________________Wasserspringer_______________Seepferd
Wir fanden in der selben Lokalität wie gestern wieder einen Tisch und werteten beim Bier den Tag aus. Außerdem fragte ich Reinfried, was er von der am Morgen erhaltenen Karte für eine Meinung hätte. Ja, sie hätte ihm gut gefallen. Was er denn zu dem Fahrrad sage, da es doch nun seins sei. „Ihr seid doch verrückt!” war die formvollendete Antwort. Dann können wir ja gehen. Reibungslos erreichten wir unser Hotel. Morgen sollte es um 8.00 Uhr losgehen. Also -
Bari Gischér!



