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Ararat

Donnerstag
22. August 2019

 
|Übersicht|

Ganz nahe an Sis und Masis

Auf dem Weg in den Süden würden wir ans Kloster Khor-Virap, das praktisch direkt an der türkischen Grenze steht, heranfahren. Zur Standardzeit 8.00 Uhr starteten wir. An verfallenen aber auch noch arbeitenden Industrieanlagen fuhren wir vorbei. Jascha erklär­te die aus der Abnabelung von der Sowjetunion resultierenden Probleme. Die SU hatte in den kleinen Republiken immer nur Zulieferkombinate aufgebaut und jetzt nahmen sie die Autoteile für Togliati oder die Panzerproduktion nicht mehr ab. Und das sei nur ein Beispiel. Gas und Öl blieben aus. Das muslimische Aserbaidschan steht auf Kriegsfuß mit Armenien, von der Türkei ganz zu schweigen. Bleiben nur Georgien und der Iran. Vierzig Prozent der elektrischen Energie ist Atomstrom. Der große Rest wird aus Gas erzeugt. Das Werk sähen wir dort. Das Gas kommt aus dem Iran, der dafür wiederum Strom erhält. Sehr kompliziert und fragil ist dieses Konstrukt bei der aktuellen globalen Lage.

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Fruchtbares Tal_______________Pause im Schatten____________Burgenhaftes Kloster

Und da war auch schon das Kloster. Um Sis und Masis samt Kloster gut ablichten zu kön­nen, hielten wir an den Feldern vor den Bergen. Vier Bäuerinnen hackten gerade ein Feld durch, bevor sie sich eine Pause gönnten und uns die Namen der beiden Araratgipfel nannten.

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Blick gen Süden

Im Kloster waren wieder reichlich Stände mit Souveniers aufgebaut. Später vielleicht. Jakob erklärte uns ausführlich, warum der Ararat seit 1921 auf türkischem Gebiet liegt. Lenin hatte mit Atatürk gemauschelt, in der Hoffnung, die Türken zu sowjetisieren. Das hat zwar nicht geklappt, aber das Geschenk des vormalig armenischen Westanatoliens blieb bei der Türkei. Jetzt ist der Ararat (5165 m) auch der Berg der Sehnsucht für die Armenier. Jakob erzählte uns auch, daß der Berg zu den hundert höchsten der Welt gehört (98. Platz). Aber dadurch, daß er so freisteht, ist er der zweithöchste von der vertikalen Sichtbarkeit her. Jascha war auf der Suche nach Superlativen. Die direkt hier verlaufende Grenze wird übrigens von Rußland gesichert - grotesk.

Dann wurde es Zeit, daß wir etwas zu uns nähmen. Das wurde mit einer Weinprobe cimg6031.jpg
An langer Tafel
verbunden, zu der wieder Lawasch, Brot, Salate und Kräuter gereicht wurden. Heidi nahm eine Flasche weißen Weines mit auf den Weg.

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Das einzige Bild_________________Maria auf dem Teppich___________Löwengrabstein

In einem Seitental wurde uns das Kloster Norawank näher gebracht. Die bildliche Dar­stel­lung des Gottvater und Marias mit dem Kinde auf einem Teppich anstatt eines Thrones, sind neben dem Löwengrabstein und den gestickten Kreuzsteinen die Höhe­punkte. An­geb­lich gibt es keine zwei identischen Kreuzsteine und diese hier werden als gestickt bezeichnet, weil sie so filigran aus dem Stein gehauen sind und das ohne Dremel. Und dann war da noch das kühle Bier zu Erfrischung.

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Gestickte Kreuzsteine____________Eingangsportale___________Klostereindruck

Von hier aus gings wieder zurück auf die Hauptstraße, über den 2344m hohen Vorotan­paß nach Goris. Unterwegs fragte uns Jakob, was wir davon hielten, wenn er sich um den Transport der Koffer auf die Zimmer in den zukünftigen Hotels kümmern würde. Das nächste hätte keinen Fahrstuhl. Er hätte mal die Serviceleistungen für die Tage außerhalb Jerewans überschlagen und das würde 4000,- DRAM pro Person kosten. Einstimmig wurde der Vorschlag angenommen.

Das neue Hotel „Mirav” gefiel uns sehr, da es kleiner und familiärer war. Sigi und Reinfried hatten sogar ein Fünfpersonenapartment, in dem man sich fast verlaufen konnte. Wir befanden uns nun in der südlichsten Provinz. Im Osten und Westen liegt das muslimische Aser­baidschan, das Armenien Berg-Karabach streitig macht. Ursprung des Konfliktes - siehe oben. Lenin wollte Atatürk mit der Landverbindung zu Aserbaidschan locken, denn eigent­lich sollte wohl auch die hiesige Provinz dem Nachbarn zugeschlagen werden. Aber da sind die Leute auf die Barrikaden gegangen.

Als Hauptgang wurde heute Forelle serviert, die klein zerteilt und mit Kartoffeln vermengt auf einer Platte drapiert war. Dazu gab es eine uns völlig unbekannte Reisvariation mit Früchten und Nüssen - ein absoluter Hit. Bei Wein und Bier ließen wir den Abend aus­klin­gen. Morgen gibt es die Schluchtenwanderung in zwei Teilen, da wollten wir vorbereitet sein.

Bari Gischér!

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