Comer See - 27. Juli 1998
Ab durch die Mitte
Wir haben es wirklich geschafft, einigermaßen pünktlich zu starten. Nachdem uns Segniore Masolini verabschiedet und eine gute Reise gewünscht hatte, fuhren wir um 8.15 Uhr los. Im Prinzip lief alles wie am Schnürchen und trotzdem brauchten wir wieder acht Stunden für die lausigen 400 Kilometer. Hinter Augsburg lotste uns Helmut noch um einen Stau herum und schwups waren wir da.
Auspacken, verschnaufen, die Nachbarn und Rebecca begrüßen, Bier bestellen, Cola durch die Gegend karren, es war schon einiges zu tun. Am Abend mußte mir Helmut noch schnell etwas Wichtiges zeigen. Mit dem Auto ging's 500 Meter die Straße lang zur Dorfkneipe, in der sich die verwegensten Burschen des Dorfes eingefunden hatten und schon auf uns zu warten schienen. Helmut wurde selbst als "Nei'gschmeckter" mit großem Hallo begrüßt, ich eher argwönisch beäugt. Aber da ich ja unter Helmuts Obhut eintrat, war ich schnell in die Runde integriert - zumindest körperlich. Dem Gespräch zu folgen, gelang mir dann unter größten Anstrengungen auch nur bruchstückhaft. Die Wirtin, ein noch ganz rüstiges Omchen namens Rosa erinnerte mich ein wenig an meine Großmutter väterlicherseits, bis auf die Sprache versteht sich. Dann tauchte auch noch Kaspar auf, der nun gleich garnicht mehr zu verstehen war, im Gegensatz zu unseren Angetrauten, die wenig später erschienen und mit einem lustigen "Sperr d'Tür ab, d'Herrn kummn!" begrüßt wurden. Die Gläser wurden wieder gefüllt und weiter Unverständliches geredet, bis es uns, geschwächt auch von der langen Fahrerei, müde um die Augen wurde. Die Mädels durften nach Hause laufen und ich mußte Helmut bei der Heimfahrt den Weg weisen. Ein gelungener Abend. Nur Jan Ullrich hatte neun Minuten gegen Pantani verloren - schade eigentlich.
Jost



