Vollbild Vollbild Vollbild Gedrillte Säule Vollbild Das Kapitell Vollbild

Himmelfahrt

Donnerstag
13. Mai 2010

 
|Übersicht|

Ein ruhiger Tag

Ein Hahn war so aufgeregt, daß er schon um 3.00 Uhr den Schnabel nicht mehr halten konnte. Wir gewöhnen uns immer besser an das Gekrähe. Ich meine, es gab Zeiten, da hab ich nicht einmal mehr die Straßenbahn gehört, wenn sie unte meinem Fenster vorbeifuhr. Ob die aber wirklich lauter als ein, zwei oder drei Hähne war, kann ich heute nicht mehr sagen. Da gibt's bestimmt Studien zu. Jedenfalls hab ich heut schon zum zweiten Mal das Morgenrot wahrgenommen, als ich nach dem krähenden Hahn schaute.

Wir frühstückten um 9.00 Uhr. Heute ist Feiertag - zumindest zu Hause. Hier nicht. Es ist nur „Ruhetag”. Da kann ich mal die Pflanzen gießen, die Kommode im Schlafzimmer reparieren und die neuen Triebe in das Terrassendach einflechten. So wird die Schattenwirkung optimiert. Gegen 11.00 Uhr fuhren wir gen Süden, die nächst­gelegenen archäologischen Ausgrabungen zu besuchen. Dazu wollten wir die B6 in Richtung Westen fahren. Leider verpaßte ich den Abzweig nach links und war, haste nicht gesehen, auf der Autobahn in Richtung Osten. Also nächste Abfahrt wieder runter und gleich auf der B6 zurückgefahren.

img_3347.jpg
Zierkohl

Amathous heißt die Ausgrabungsstät­te, die wir suchten. Wir parkten an einer kleinen Kapelle an der Strand­straße. Am Strand waren schon einige eingezäunte, antike Steine zu sehen. Und es gibt auch eine ganz toll angelegte Promenade, die entlang des Ufers verläuft und durchaus auch von Radfahrern genutzt wird. Hier pro­me­nierten wir, bis wir die ersten Betten­burgen Limassols passiert hatten. Als Nichtgäste durften wir die Liegewiesen und Bars garnicht erst betreten. Um einen Drink zu bekommen, mußten wir die Uferpromenade verlassen und eines der vielen Restaurants auf der gegenüberliegenden Straßenseite besuchen. Als Heidi sich einen Radler bestellte, wußte der Barmann damit nicht anzufangen. Die Blicke sprachen Bände, als Heidi die Rezeptur mitteilte: eine Hälfte Fanta und eine Hälfte Bier. „Wirklich?” fragte der Mann. Aber da er es ja nicht zu trinken brauchte, hatte er mit der Umsetzung der Bestellung kein Problem. Heidi meinte später, er hätte ihr einen Schnaps mit reingetan, so müde sei sie. Aber sicher war es wirklich nur das korrekte Mischungsverhätnis.

Wir liefen wieder in Richtung Ausgrabungsstätte und passierten diverse weitere Dienstleister - Souvenierläden, Lebensmitteldiscounter, Schmuck­ge­schäfte und wieder Restaurants. Alle hoffen, daß die all-inclusive-guests auch mal was anderes sehen oder essen wollen, als das, was sie im Hotel geboten bekommen. Da wir mitnichten Hotelgäste sind, aber trotzdem Ansichtskarten brauchten, gaben wir unser Geld hier aus. Zu den sieben Karten kam noch einmal Salatgewürz von hier. Nun war es nicht mehr weit zu den alten Steinen.

img_3352.jpg img_3356.jpg img_3357.jpg
Ganz alte Wasserrohre___________Gut erhaltene Säulen____________Tolle Arbeit

An einem im Niemandsland liegenden Tanztempel vorbei gelangten wir zum Eingang der Gabungsstätte. In einem Container saßen zwei Angestellte, von denen einer die Eintrittskarten á 1,70 € vertickte und der andere sein Mittagessen aus der Assiette genoß. Es gibt viele Fundamente von „normalen” Häusern zu sehen, aber vor allem Reste eines Aphroditetempels. Ob die Steinrohre aus griechischer oder römischer Zeit stammen, weiß ich nicht. Hier liegt sicherlich noch einiges verborgen, aber wer soll die Buddelei bezahlen? Am besten geschützt bleibt das Unausgegrabene.

Auf der schon erwähnten Promenade gelangten wir anschließend zu einer Bar, deren moderne Architektur uns sehr zusagte. Da es inzwischen schon 14.30 Uhr war, bestellten wir uns eine Hühnerbrust und Schwertfischspieße. Die Backgroundmusik war sehr angenehm und wir waren sehr angetan von der Küche. Daß es ausschließlich Flaschenbier gibt, ist nicht so tragisch, da es erstens kalt ist und ich zweitens eh noch fahren muß. Aber vorher gehen wir noch baden.

Neben der Bar ist so eine Art öffentlicher Gemeindewiese. Liegen und Sonnenschirme werden von Leuten mit weißen und eierschalenfarbenen VIP-Armbändern genutzt. Es gibt eine Bar und ein Restaurant aber weit und breit kein Hotel. Wo kriegt man diese Bänder her und zu welchem Preis, das ist hier die Frage. Zurück am Auto schnappten wir uns das Badezeug und querten die B6 in Richtung Strand. Zu viele bewachsene Steine im Wasser vergellten Heidi die Badelust. Man muß auch mal „Nein” sagen können.

Ach so, heute Vormittag hatten wir Parekklisia mit dem Auto durchstreift. Daß sie hier eine Umgehungsstraße gebaut haben, ist nicht dem historisch wertvollen Ortskern geschuldet, sondern daß die Straßen für die Schwerlasttransporte des dahinter liegenden Steinbruchs einfach zu eng waren. Jedenfalls sind die meisten Geschäfte jetzt auch an der Umgehungsstraße angesiedelt, was uns eigentlich entgegenkommt. Auch ein Bäcker ist dabei, der auf den ersten Blick wie ein Supermarkt aussieht. Heidi war ganz von den Socken, was es hier alles so gibt. Kekse für 12,-€ das Kilo, aber kein Vanilleeis. Dafür Torten für jeden Anlaß und sogar türkischen Kuchen. Kekse und Maisbrot nahmen wir mit.

Den Aussichtspunkt an der Straße nach Prastio besuchten wir ebenso wie die Taverna Manola oberhalb Kellakis und den Golfplatz von Vikla. Die 18 Löcher werden zum Teil neu gestaltet und dann im Oktober eingeweiht, erklärte uns der Klubhauschef. Deutsche Fernsehsender können hier zur Zeit nicht empfangen werden, da gerade der Provider wechselt. Also zumindest für das sonnabendliche Pokalfinale ungeeignet. Auf jeden Fall wurden wir sehr nett aufgenommen und herzlich eingeladen, jederzeit wiederzukommen.

img_3347.jpg
Heidi liest

In Klonari parkte ich diesmal neben dem Mandelbaum. Zwei Nächte hatten genügt, das ganze Auto zu verkleben. Das Parken unter einer Linde kann nicht schlimmer sein. Für das bischen Schatten jeden Morgen Scheiben waschen, das lohnt nicht. Und von Rolf war immer noch keine MMS einge­troffen. Dann schicken wir hald heute mal ein Foto an das Himmelfahrts­kommando. Zum Abendbrot gab es den berühmten Nudelsalat mit Thun­fisch und den einen oder anderen Uzo. Es ist schließlich Herrentag. Daß ich den Insekten­schutz Heidi überlassen hatte, rächte sich auf unangenehme Weise. Allein am rechten Fuß jucken nun an die dreizehn Stiche. Als ich meinen Fehler überbalsamierte, war es schon zu spät. Außer dem Vortrag des Vortages, tagebuchmäßig gesehen, schauten wir uns auch noch die eingefangenen Bilder an. So läßt es sich aushalten.

Jost

Valid CSS!