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Anwandern

Mittwoch
12. Mai 2010

 
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Die Oleanderschlucht

Um 6.05 Uhr schloß ich die Schlafzimmertür zur Terrasse. Nach den nächtlichen Zwischenrufen um 2.10 Uhr und 4.00 Uhr rum hatte ich nun Interesse an einer erträglichen Lautstärke. Nicht daß die Tür schalldicht wäre, aber wir gewöhnen uns langsam an die Hähne und ihr morgendliches Tun. Soll heißen, wir können inzwischen Hahnenkrähen mental akzeptieren, bei angemessener Lautstärke sogar ignorieren und so bis 8.30 Uhr weiterschlafen. Um das Chapotamital, das wir wandermäßig erschließen wollten, zu erreichen, mußten wir auf der Autobahn bis nach Kouklia fahren.

Warum die Anschlußstellen ab Limassol keine Nummern mehr haben, erschließt sich mir nicht. Offensichtlich sind dagegen die Absichten der auf der Autobahn lasernden Polizisten. Aber nicht mit uns. Der im Reiseführer als geteertes Sträßchen geschilderte Anfahrtsweg nach Kato Archi­mandrita brachte unser Wägelchen an die Grenzen der Belastbarkeit. Und eng ist es. Gegenverkehr ist hier nicht vorgesehen, trat in unserem Falle auch nicht auf.

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Die Kirche___________________Rechts und links Ruinen________Der Brunnen

Der Parkplatz hinter dem Kirchlein ist großzügig angelegt. Wir flanierten durch das verlassene Dorf. Noch in den fünfziger Jahren war hier ein neuer Brunnen angelegt worden. Jetzt sind zwei Bauherren dabei, wieder etwas Leben hierher zu bringen. Wobei die Kirche selbst noch gepflegt und betreut wird. Der Chapotami hatte seine Tätigkeit eingestellt. Er ist wohl zu klein für die hiesigen Bedingungen. Aber der Oleander hat tiefe Wurzeln und blüht allerwegens im ausgetrockneten Bett. Deshalb wird der Lauf des Chapotami auch Oleanderschlucht genannt. Mal sehen, ob unser Ableger in Berlin Fuß faßt.

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Mitten im Fluß________________Überblick____________________Schattige Rast

Langsam ging es dann bergan und wir konnten den Verlauf der Schlucht gut nachverfolgen. Ein Bogen wirkte fast wie ein Amphitheater. Seit wir den eigentlichen Lauf des Chapotami verlassen hatten, war Schatten zur Mangelware geworden. Ein dichtes Bäumchen an einer Wegkehre spendete ausreichend davon, so daß wir dies für eine Pause nutzten. Gestärkt boten wir danach der Sonne wieder die Stirn. Oder war's der Nacken? Egal, wir kamen gut gelaunt am „Punkt 238” an. Woher die Wanderführerschreiber ihre Weisheit nahmen, ist ihr Geheimnis. Nirgends tauchte an dieser Stelle eine „238” auf, an der man sich hätte orientieren können. Nicht einmal ein Punkt war weit und breit markant.

Insgesamt ist diese einfache Route eher experimentell beschrieben. Es begann schon damit, daß 25 Meter hinter dem Chapotami rechts der Weg abgeht. Ich weiß nicht, ob der Bach zu seiner Hochzeit mal 50 Meter breit ist. Wenn man dann vom Ufer aus mißt, käme die Angabe in etwa hin. Dann ist mal von zweihundert Metern und später von drei Minuten Wegstrecke die Rede, was wohl in etwa das selbe ist, hab ich über­schlagen. Wir unterquerten, wie angeraten, die Stromtrasse. Schade daß ich nicht auf die Uhr geschaut hatte, denn dann wären unter Umständen die folgenden Anweisungen besser überprüfbar gewesen. Wieviele Meter sind „kurz vor dem Bergrücken” in bewachsener Umgebung? Prompt bogen wir zu früh links ab, obwohl wir alle vorherigen Abwege hätten meiden sollen. Also wieder zurück und ein neuer Versuch beim nächsten Abzweig. Dort wendet sich der bisherige Hauptweg selbst nach rechts - nur zur Information. Nur noch wenige Meter und wir konnten tatsächlich auf unseren Ausgangspunkt blicken.

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Mahlzeit im Chorgestühl

Von nun an ging's bergab. Ich hatte schon des öfteren tiefhängende Kienäppel abge­zupft, um unseren Grill damit anzün­den zu können. Da brauchte ich mich nicht zu bücken. Jetzt intensivierte ich nochmals die Aufmerksamkeit. Die Kienäppel sollten jetzt für eine Weile, wenn nicht für den gesamten Urlaub reichen. Der Chaputami war immer noch ausge­trocknet und das Dorf ebenso leer. In dem vor der Kirche aufgestellten Gestühl erfrischten wir uns mit kühlem Wasser und belegten Mais­broten. Im Nachhinein denke ich, die Wanderung wäre in entgegengesetzter Richtung noch viel schöner gewesen. Anfangs wäre der Weg zwar steiler also anstrengender dafür aber schattiger gewesen. Und der Abstieg auf der anderen Seite bietet dann die ganze Zeit den Blick in Richtung Süden. Da stört der mangelnde Schatten dann auch nicht so wie sonst bergauf. Und man hat die Oleanderschlucht als Abschluß und so zu sagen Höhepunkt.

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Aphrodites Strand

Ein Bad wäre jetzt nicht schlecht. An Aphrodites Geburtsort hielten wir wie zufällig. Hier ins Meer zu springen, kann ja nur gute Auswirkungen haben. Es war wirklich erbaulich und er­frischend zugleich. In Perekklisia hiel­ten wir gleich beim ersten Krämer­laden schräg gegenüber der Bäckerei. Das Angebot war bei weitem geringer als bei dem bisher besuchten und außerdem gab's Bier ausschließlich in Büchsen. Das geht garnicht. Mit Apfelsaft und Abwaschtüchern verließen wir den Laden. Das angebotene Obst und Gemüse sah nicht nur wegen uns traurig aus. Den Rest kauften mangels Alternative wieder im besser sortierten Geschäft.

Es war inzwischen halbacht und die Sonne hing schon ziemlich tief rum. Das war auf der Heimfahrt teilweise echt belastend. Es ist ausgesprochen kurvig hier und wenn man nichts sieht außer gleißend hellem Sonnenlicht, ist es sehr schwierig. Aber wir haben ja Urlaub und also genügend Zeit, das Auto auch mal im Schrittempo um die Kurven zu heben. Jedenfalls kamen wir unbeschadet auf's Gehöft.

Während Heidi das Abendmahl bereitete, brachte ich den Fernseher zum Laufen. Doch weder ein Kabelanschluß oder eine Schüssel lieferten das Signal. Wahrscheinlich gibt es eine Gemeinschaftsantenne, die das lokale Programmangebot einfängt und das war's dann auch. Fußball werden wir wohl unten an der Küste schauen müssen. Wir werden sehen oder auch nicht.

Die ungeriffelten also glatten Hörnchennudeln badeten in einer sehr pikanten, eher italienischen Sauce. Es schmeckte ausgesprochen gut, obwohl diese glatten Hörnchen ziemlich über den Teller glitschten. Übrigens scheinen die hiesigen Berghühner ausgesprochen lernfähig zu sein. Sie haben kapiert, daß wir sie nicht im Weinlaub der Pergola mögen. Im Topf oder auf dem Grill sind sie entschieden ruhiger, schmecken besser und wären uns so eigentlich angenehmer. Mit Lesen, Schreiben und Vorlesen ließen wir den Tag ausklingen.

Jost

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