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Muxía

Montag
24. August 2015

 
|Übersicht|

Eine wichtige Etappe auf dem Jakobsweg

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Nachts machte sich der eine oder andere Hahn unaufdringlich bemerkbar. Wir schliefen bestens und wachten erst gegen Halbneun auf, denn auch die Kirchenglocken hatten nichts von sich hören lassen. Gestern am Nachmittag hatten sie noch des öfteren gebimmelt. Da die Glocken aber mechanisch sprich manuell zum Klingen gebracht werden, bleibt es hoffentlich bei den sonntäglichen Attacken. Die fünfzig Meter Entfernung unseres Zimmers zu den etwas blechern tönenden Signalinstru­menten wäre sonst einfach zu gering.

Das Frühstück war wirklich ordentlich. Frisches Brot, zugeteilter Käse und Blockschinken zu Büfett waren genug, um satt zu werden. Der Kaffee war klasse und der frisch gepreßte Orangensaft auch. Allerdings werden Marmeladen und sonstige Schmierstoffe, außer dem Honig, in den nicht gerade einer Landwirtschaft (Turistico Rural) entsprechenden Miniver­packungen ange­bo­ten. Alles in allem waren wir aber zufrieden.

Gleichzeitig mit uns hatte ein Ehepaar gefrühstückt, deren drei halbwüchsige Kinder erst nach und nach dazustießen. Es stellte sich heraus, daß die eine Tochter seit sechs Jahren deutsch lernt und es auch wirklich gut beherrscht. Wir kamen also ins Gepräch. Die Mutter hatte schon an der FU in Berlin als Chemikerin gearbeitet und war jetzt an der Uni in Barcelona tätig. Sie ist so begeistert von Berlin, wie wir von Barcelona. Falls sie nächstes Jahr nach Berlin kommen sollten, bot ich unsere Hilfe an. Sehr nette Bekanntschaft, die leider heute schon wieder abbreiste.

Da es heute nicht regnen sollte, wollten wir Muxía, den regionalen Verwaltungssitz, besu­chen. Über leere Landstraßen dauerte die Anfahrt 25 Minuten. Obwohl der berühmte Jakobsweg durch Muxía führt, war es dort sehr beschaulich. Die meisten Wanderer lassen es wahrscheinlich damit bewenden, Santiago de Compostela erreicht zu haben. Nur die Hartgesottenen laufen noch über Muxía bis nach Fisterra am Atlantik. Dabei liegt Muxía an der Spitze einer Halbinsel, wodurch ein Teil der Strecke also doppelt zu laufen ist - hin und zurück.

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Hafenpromenade_____________Alt und Neu kontrastieren______Kramladen

Also beschaulich geht es zu in Muxía. Es gibt keinen Supermarkt für die dreitausend Einwohner aber ein Officio Turismo für die vielen Gäste. Nur finden muß man es. Dort erfuhren wir, wo sich der Buchladen versteckt hält, wir brauchten nämlich noch eine Wanderkarte. Dazu mußten wir wieder zurück in Richtung unseres Autos. Die Häuser an der Hafenpromenade sind alle auf modern getrimmt. Erst wenn man hinter die Fassade schaut, entdeckt man die schönen alten Gebäude. Wir liefen durch die eigentliche Altstadt, wobei uns auffiel, daß es sich bei den meisten Geschäften um Gemischtwarenläden handelte. Wo's Schuhe gibt, kann man auch Kleidungsstücke kaufen, Fernseher gibt's neben sonstigen Haushaltsgeräten (Mini-Media-Markt) und im Buchladenbekommt man auch Spielzeug und Büromaterial. Nur mit einer ordentlichen Wanderkarte konnte die Besitzerin nicht dienen und den Wanderführer gab's nur in spanisch. Um überhaupt mal eine Übersicht zu bekommen nahmen wir eine Regionalkarte für 4,-€ mit. Die Karte von Muxía mit dem Jakobsweg hatten wir schon in der Information bekommen.

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Darren für die Aalsaison_______Stimmungsvolle Natur_________Wehr- oder Taubenturm

Für den weiteren Stadtrundgang wollte Heidi unbedingt ihre Wanderschuhe anziehen, mir genügten meine Flipflops. Also los nun. Auf dem Weg sprach uns ein älterer Herr an, woher wir kämen, er hatte uns bestimmt belauscht. Als ich mit „alemana” antwortete, brauste er auf, warum ich denn nicht auf deutsch antworten würde. Angeblich würden hier sehr viele Einwohner deutsch sprechen. Wir hatten noch niemanden getroffen, selbst englisch ist eher selten. Jedenfalls hatte Rafaele, wie er sich später vorstellte, 30 Jahre in Zürich als Koch in der Mensa gearbeitet und war nun 12 Jahre schon wieder zurück in Galicien. Das Schwizerdütsch klang aber immer noch gut durch. Auf jeden Fall hatten wir auf diese Weise für einen Teil des Weges einen Stadtführer gefunden, der uns viel Freude bereitete, zumal er uns als ehrenamtlicher Qualitätsprüfer das beste Restaurant Muxías empfehlen konnte. Dort kehrten wir dann nach der Besichtigung der heiligen Stätten und viel Streit um Heidis Fotoapperat auch ein.

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Pedra da Farida____________Santa Maria de Muxía______________Glockenturm

Im „D'alvaro” waren leider alle Terrassenplätze besetzt. Drinnen fanden wir problemlos einen freien Tisch. Die viersprachige Karte machte es uns leicht, unsere Wahl zu treffen. Nach dem Salat vegetal sollten Roter Drachenkopf und Weiße Meerbrasse, beides gegrillt, serviert werden. Und der Flan lachte uns schon aus dem Kühlschrank an. Es geriet alles zum Besten, wir können das Etablissement nur weiterempfehlen. Die Flasche Weißwein rundete alles ab, zwang uns aber, eine Siesta einzulegen.

Am nächstgelegenen Strand ließen wir uns nieder und die Sonne auf die Bäuche scheinen. Die gefühlten 17°C Wassertemperatur hielten Heidi nicht ab, sich dem nassen Element hinzugeben. Klarstes Salzwasser begeisterte sie. Von der Ölkatstrophe der „Prestige” ist gottseidank nichts mehr zu sehen. und daß sogar die Stranddusche funktionierte, machte die Badesiesta perfekt. Da konnte auch ich nicht widerstehen. Ich kam sehr erfrischt wieder an den Strand, spülte das Salzwasser ab und schon ging es in Richtung Cabo Villano, den dortigen Leuchtturm zu begutachten.

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Blick nach Norden

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Leuchtturm Vilán

Der Parkplatz mit ungefähr 30 Plätzen war gut besucht, aber ich fand noch eine Lücke. Wir besuchten das ange­schlos­sene Museum, was sich durch­aus lohnte, jedoch für uns wegen der ausschließlich spanischen Begleittexte geringen informellen Charakter besaß.

Auf dem Rückweg hielten wir an einem dörflichen Supermarkt. Da wir noch vom Mittag­essen satt waren, kauften wir bloß ein Baguettebrötchen, Leber­pa­stete vom iberischen Schwein, Was­ser und 2012'er Rioja zum halben Preis. Dachte ich zumindest, weil ich das spanische Kleingedruckte nicht beachtet hatte - 50% auf die zweite Flasche. Diese Variante kannte ich noch nicht. Im Hotel vertilgten wir dann eine der drei Doseninhalte zum Brötchen und setzten uns anschließend bei Rotwein in den Hof. Heidi las, ich schrieb bis es mir zu kalt wurde.

¡Buenas noches!

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