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Strahlendes Wetter

Montag
19. Mai 2003

 
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Die Pizzasafari

Heidi weckte mich mitten in der Nacht. "Was ist das denn für ein Geräusch?" Ein knar­rendes Gartentor im Wind. Nein, doch der Hahn. Er hält sich lautstärkemäßig stark zurück, so daß das Krähen eher an das Hüsteln eines stark Erkälteten erinnert. Und so schliefen wir wieder ein, bis uns das dreiminütige Aufstehläuten aus dem Bett trieb. Wir frühstückten in aller Ruhe, bevor ich die Urlaubskarten zum Briefkasten trug. Um 10.00 Uhr werden hier alle Briefkästen der Region auf einmal geleert und die Karten sollten noch mit.

Auf dem Rückweg ging ich noch bei der Post vorbei, um nach Telefonkarten zu fragen. Die gibt's aber nur im Zeitungsladen, meinte Seniore Guizzetti. Und er hatte recht, dort bekam ich die Gesuchte. Der weitere Vormittag verging bei Lesen und Tagebuchschreiben. Heidi bat mich, doch in den Schatten zu gehen. Ich zierte mich ein wenig und folgte dann ihrem Rat. Die Sonne schien wirklich kräfig.

Zum Mittagessen wurden Tomaten und Mozarella aufgetragen. Die restlichen Spaghetti hatten den ersten Gang gebildet. Danach zog ich mich wieder in den Schatten zurück. Montags kann man in Italien sowieso nicht so viel anfangen, denn viele Gaststätten und Geschäfte bleiben geschlossen. Zum ersten Mal konnte ich mich auch dem mitgebrachten Buch widmen. „Mein Leben unter zwei Himmeln” nahm mich sofort wieder gefangen. Erst gegen 17.00 Uhr brachen wir auf, ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt, welchen wußten wir noch nicht, zu besorgen.

In Pisogne fuhren wir an einem neuen Einkaufstempel vorbei, den wir uns für den Rückweg merkten. Wir fuhren auf der alten Uferstraße noch bis Marone, das weder einem Pilz noch einer Kastanie gleicht. Aber von hier aus geht's hinauf ins Gebirge. Morgen wollen wir wieder wandern und zwar hier irgendwo. Auf der Seepromenade schlenderten wir dann zurück zum Auto. Die Befürchtung, daß das Einkaufszentrum um 18.00 Uhr schließen würde, war unbegründet. Man hat hier einen Kompromiß gefunden:19.30 Uhr. Alle lebenswichtigen Lebensmittel fanden sich im Angebot: Rotwein, Weiswein, Ramazotti usw. Da wir heute auswärts essen wollten, parkte ich direkt vor der Einfahrt. So konnten wir alles relativ bequem in den Kühlschrank umladen.

Emanuele Guizzetti (schöner Name) telefonierte extra noch einmal, ob denn die hiesige, bis nach Bergamo bekannte Pizzeria geöffnet hätte, was natürlich nicht der Fall war. Aber in Gasazza sei „A Mario” auf jeden Fall geöffnet, er hatte es selbst vorhin gesehen. Heidi hing der Magen schon in den Kniekehlen, als wir die Aktion Pizzeria starteten. Am Ortsausgang meinte Heidi sogar, jemanden in der hiesigen Bar, genüsslich pizzakauend, gesehen zu haben. So weit kann es kommen, wenn man keine regelmäßigen Mahlzeiten zu sich nimmt bzw. die Abstände zu groß werden läßt.

Aus den angedachten zehn Kilometern Fahrstrecke wurden fünfzehn und selbst als wir am Ortsausgangsschild von Casazza wendeten und nochmal ganz langsam durch den Ort fuhren, war keine Pizzeria zu finden. Wir verließen sogar die Hauptstraße, fragten eine trainingsanzugtragende Ortsansässige nach der Pizzeria „A Mario”. „Hier auf keinen Fall”, lautete die Antwort, „Vielleicht in Spignone”. Na toll. Wir fuhren zurück nach Sovere. Tscha, montags bleiben die Rolläden zu - basta! Nix Pizza. Mit letzten Kräften schleppten wir uns wieder hinauf in unser Häuschen und plünderten den Kühlschrank. Der schöne Wander­schinken und Heidis gräucherter Lieblingskäse wurden zu Brotring und Antipasti geschnit­ten. Not müssen wir natürlich nicht leiden, und Hunger ist ein guter Koch.

Papa Guizetti kam mit einer Flasche Wein hinauf. Wir unterhielten uns prächtig beim Licht der Glühwürmchen. Juliano ist 76 Jahre alt. Er hatte eine hübche Frau, die gern angelte und Wein trank. Leider verließ sie ihn nach einem Schlaganfall, der daraus resultierenden halbseitigen Lähmung und zweimonatigem Krankenhausaufenthalt vor acht Jahren. Dem Thema angepaßt begann es zu regnen, was uns in die Betten trieb.

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