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Monte Isola

Sonntag
18. Mai 2003

 
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Die höchste Insel Italiens

Heidi wachte völlig selbständig um 7.00 Uhr, der geplanten Zeit, auf. Der Wecker konnte seinen Dienst nicht verrichten, da die Batterie leer war. Nach Körperpflege und Frühstück verließen wir um 8.20 Uhr die Casa. Das Traghetto sollte um 8.45 Uhr ablegen und 20 Minuten für die 12 Kilometer nach Travénola benötigen. Andererseits braucht man die für die Anfahrt auch fast, wenn man einen lahmen Milanesen vor sich hat, der sich mit den Tornanti nicht auskennt. Außerdem gibt es unterwegs noch eine Baustellenampel. Desweiteren weicht die Uhr im Auto immer mehr von der korrekten Zeit ab. Sie geht inzwischen drei Minuten nach. Wir waren trotz allem um 8.40 Uhr an Bord.

Eine Fahrt zur Insel und zurück kostet 2,80€ pro Person. Die Fahrtzeit beträgt 10 Minuten und schon kann man in Siviano an Land gehen. Es folgt ein mörderischer Aufstieg in den Ort, von dem aus man sich auch mit Minibussen über die Insel fahren lassen könnte. Es scheint sogar fünf Linien zu geben. Garnicht so schlecht für ein 2x3 km großes Eiland.

Wir wanderten die Straße entlang. Am Sport- und Spielplatz von Manzino steht eine riesige, verfallene Villa, die vom Stil her aus der Römerzeit stammen könnte. Allerdings wird sie in keinem Prospekt erwähnt - trotzdem beeindruckend. Am großen Fußballplatz war kein durchkommen mehr und so gingen wir zurück. An der Straße stand dann ein paar Meter weiter ein Hinweisschild in Richtung Burg (Rocca Martinengo) auch Castello Olofredi genannt. Und siehe da, wir standen wieder am Sportplatz.

Auf schmalen Pfaden kamen wir an einigen, langsam zuwachsenden Rastmöglichkeiten vorbei. Die Burg selbst ist ebenfalls in privater Hand also nicht begehbar. Auf der alten Zufahrtsstraße gelangten wir wieder hinunter an das Hinweisschild. Wir hatten es mißverstanden. Zum Glück führen alle Wege nach Rom.

Weiter ging's die Straße entlang. Außer den nervenden Mopeds und Rollern fahren vor allem Busse - Kunststück bei fünf Linien. Am Sonntag ist es durch den Ausflugsverkehr wahrscheinlich besonders schlimm. Ab und an passieren uns auch kleine, dreirädrige Pritschenfahrzeuge, die ultimativen Transporter der Insel. Hinter Sensole kam uns dann ein Fahrradtreck entgegen. Radler jeden Alters quälten sich den Anstieg hinauf, vorneweg der Anführer mit der gelben Fahne und hintan der Abschluß mit einer blauen. Es waren bestimmt fünfzig Radwanderer, die wir in abnehmender Zahl bis Novale immer wieder trafen.

Am Südufer haben sich viele Gaststätten angesiedelt. Die Preise entsprechen dem Ausflugscharakter und dem nahen Hauptanlegeplatz Pesciera Maraglio. An einem noch ruhigen Plätzchen legten wir eine Rast ein und beobachteten die Enten. Um so näher wir dem angeblichen Fischerdorf kamen, desto voller wurde die Promenade. Wir kamen an einem regelrechten Festplatz mit Tischen und Bänken vorbei und uns entgegen strömten Familien mit Kühlboxen. Im Halbstundentakt spien die Fähren die Sommerfrischler mit ihren Picknick­utensilien aus. Wir verdückten uns in die Seitengassen. Die Kirche konnten wir nicht besichtigen, da um 11.15 Uhr, gerade also, der Gottesdienst begonnen hatte.

Wieder auf der Uferstraße angekommen, rollte uns der Fahrradcorso entgegen. Wir wandten uns jetzt der Inselattraktion, der Kirche Santuario della Madonna della Cariola, zu. Das Gotteshaus ist mit 666 Metern üNN bzw. 480 Metern über dem Seespiegel auf dem höchsten Punkt der Insel errichtet worden. Die Straße schien uns der bessere, wenn auch längere Weg zu sein, denn in Senzano, wo der Wanderweg nicht vorbeigeht, ist eine Bar auf dem Plan eingezeichnet. Leider fehlten die Öffnungszeiten. Bis 13.00 Uhr wollten wir dann aber nicht warten. Die in der Natur vorhandene Bar in Cure hatte geöffnet und wir genehmigten uns ein Glas Vino bianco für 80 Cent. Als wir kamen, waren wir die einzigen Gäste und die einäugige Wirtin stellte ihre Krücken beiseite, als der Trubel über sie hereinbrach. Es war beeindruckend, wie souverän sie den Ansturm meisterte. Nur ein Mal rief sie nach ihrem Enkel, der aber verschwunden blieb. In der Woche betreibt sie noch den Alimentari genannten Gemischtwarenladen.

Wir begaben uns wieder auf den Weg zur Santuario und da gibt es nur noch Wanderwege, dachten wir, aber selbst auf dem schmalen, steilen Weg kam uns ein Rollerfahrer entgegen. Es blieb bei dem einen. Unterwegs fand ich einen guten Wanderstock aus Ulmenholz. Der half mir dann beim Erklimmen der letzten Felsenstufen. Nun hatten wir uns eine Stärkung verdient und setzten uns zu einer italienische Wandergruppe an einen großen Tisch. Der mitgebrachte Schinken schmeckte auf dem Chiabata aus Bergamo besonders gut. Das Wasser löschte den Durst, aber ein leichter Weißwein wäre auch nicht schlecht gewesen. Ich bearbeitete noch meinen neuen Wanderstock. Von hier oben kann man vor allem das Ostufer gut sehen. Zur anderen Seite wird die Sicht von jugen Bäumen und Büschen verstellt.

Dann besichtigten wir die Kirche. Die Leute hatten bei der Erbauung Menschenketten gebildet, erzählen die Gemälde. Um die Mutter Jesu zu ehren, wurden regelrecht Berge versetzt. Was ich in noch keiner anderen Kirche gesehen hatte, war so eine Art Wandzeitung, an der sich von schwerer Krankheit Genesene oder Unfallüberlebende bei Maria bedankten. Kleine, selbstgemalte Bilder aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts neben Fotografien jüngster Zeit, die vor allem die Unfallwagen und daneben Paßfotos der Insassen samt Danksagung zeigen.

Erst als wir wieder hinauskamen, lasen wir, daß wir doch nicht hätten lärmen und weltliche Lieder hätten singen sollen. Und wenn wir nur wegen der schönen Aussicht den Berg erklommen haben sollten, möchten wir doch bedenken, daß ohne Maria das alles nicht existierte. Auf dem Abstieg nach Norden wurde uns dann die Geschichte Jesu rückwärts nahegebracht. Nach der Verkündigung verließen wir aber das geweihte Terrain und wanderten in Richtung Masse. Hier trafen wir auch unsere wandernden italienischen Tischnachbarn wieder. Gemeinsam machten wir kehrt, als wir bemerkten, daß wir schon wieder das Ostufer sehen konnten. Wir erwischten den richtigen Abzweig und genossen den ordentlichen Wanderweg. In Masse verloren wir die Italiener, die sich von Einheimischen in ein Gespräch verwickeln ließen.

In Olzano fragten wir nach dem Weg. Nach zwanzig Metern kam uns ein Traktorlein entgegen, dessen strohbeladener Hänger den Weg völlig ausfüllte. Unglaublich. In Novale trafen wir die versprengten Reste bzw. den harten Kern der Pedaleure wieder, die in der Ansammlung von drei Häusern ein ganz berühmtes suchten. Wir konnten ihnen leider nicht weiterhelfen. In Corzano löschten wir unseren Durst. 3,60€ für ein großes Bier geben einen Hinweis auf das Preisniveau. Da wir noch Zeit hatten, liefen wir auch das letzte Stück nach Siviano zurück. Alles in allem hatten wir heute 23 Kilometer per pedes zurückgelegt. Die Fähre kam fast zehn Minuten zu spät, aber sie kam.

Daheim angekommen, begann die Bereitung der Spaghetti Aglio e Olio. Ich hatte mich bereiterklärt, den Knoblauch zu schneiden. Bei einer Zwiebel und diversen Zehen dauert das alles seine Zeit. Papa Guizetti fragte nach dem Zweck des Entfernens der Keimblätter, aber ich wußte nicht, was bitter (amaro) heißt. Er vertrage keinen Knoblauch, erklärte er und so ließen wir uns die Spaghetti alleine munden.

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