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Wandertag

Freitag
23. Mai 2003

 
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Durchs Val Palot

Glockenläuten forderte uns zum Aufstehen auf. Unser letzter Tag in Solto Collina war angebrochen. Der Hahn krächste noch trau­riger. So ein Frühstück im Garten ist schon was Ange­neh­mes. Auch wenn Heidi die Eier vertauschte und eines nochmal dem Garprozeß zuführte.

Wir fuhren hinüber nach Pisogne, von wo aus wir auf einer Neben­straße nach Fraine wollten, denn dort sollte unsere, dies­mal von Heidi ausgewählte Wanderung beginnen. Leider war der Kreisverkehr ausgesprochen unübersichtlich gestaltet und in der nächsten zielführenden Straße agierten die Markthändler. Wir wendeten am zentralen Platz und nun fanden wir auch den Abzweig. Der vor uns fahrende Laster bog rechts ab, was für ein Glück! Aber nnur auf den ersten Blick, denn eigentlich hätten wir auch dortlang gemußt. Also wieder wenden. Mirnichts, dirnichts hatten wir wieder unseren Laster vor der Motorhaube und nicht die geringste Möglichkeit, zu überholen. Ja, als Italiener vielleicht, aber so bliebenwir brav dahinter und genossen die Landschaft. Nach zehn Tornanti verließ er dann doch endlich unsere Route und wir hatten noch einmal fünf Kilometer freie Fahrt.

Wir entschieden uns für einen sonnigen Parkplatz vor der Kirche, das war das Einfachste. Zuerst kamen wir an der hiesigen Bar vorbei und gleich dahinter stand Fraines Dorf­brunnen, der eher ein Wasserhahn ist. Wir packten die Flasche Wasser (S.C.) aus dem Alimentari wieder ins Auto und füllten unsere Wasserreserven mit frischem Quellwasser auf, sozusagen.

Durch die Gassen gelangten wir dann zum bestens ausgezeichneten Wanderweg 204. Auch wenn die Farben gerade aufgefrischt worden waren, wurde der Weg nicht weniger steil. Nur daß die ersten 300 Meter noch zementiert zu einem Neubau führten. Danach muß man mit rutschigen Laub als Untergrund vorlieb nehmen. Dank der guten rot-weißen Markierungen verliefen wir uns nur ein Mal. An einer einbetonierten Badewanne, die offensichtlich als Viehtränke diente, gingen wir gerade aus anstatt nach links hinten.

Der Weg hatte nun ein Geländer, das allerdings nicht zu gebrauchen war. Nach 150 Metern standen wir auf der Terrasse eines Hirtenhauses, so vermuteten wir zumindest. Es hing eine verrottende Jacke daran. In die Küche, die vollkommen Takko war, konnte man durch das Gitter vor dem Loch in der Wand gut hineinschauen. Auf dem hölzernen Terrassentisch lag eine aufreizende Madonnen Ikone oder war es nur eine Gipsarbeit? Gegenüber bei dem Jesusbild auf dem Schränkchen waren wir uns schon sicherer. Aber der Wanderweg ging nur noch bis zum Herzhäuschen, deren Tür nur noch an einer Angel hin und irgendwann einmal auch breiter gewesen war. Aber hier kommt sowieso nie einer lang. H auptsache man bricht nicht ein und trifft das Loch. Also drehten wir wieder um und fanden 5 Meter hinter der Tränke auch prompt die nächste Markierung.

Weiter ging es steil bergauf, bis wir bei gut 1000 Höhenmetern auf einer Bergwiese an­ge­schnauft kamen, von der aus man einen ganz tollen Blick nach Norden und Westen hat. Der Adamellogletscher glänzte eisig in der Ferne und mit dem Fernglas konnten wir auch Cevo erkennen. Aber auch die Wiese war wunderschön. Sogar das Knabenkraut fanden wir hier.

Die nächsten 3 Kilometer bewegten wir uns auf einer Horizontale, die aber kaum Ausblicke gewährte. Trotzdem war es sehr erholsam, mal wieder einfach nur geradeaus zu laufen. Aufpassen mußte man aber trotzdem, denn es war schon sehr abschüssig zum Tal hin. Während des Aufstiegs waren wir an ein paar Kastanien (Maronen) vorbei gekommen und später durch dichten Buchenwald gestiefelte. Jetzt gab es überall nur Tannen und Fichten. Der Wald sah kurz vor Grignaghe wie gefegt. Und Holzschober für den Winter waren aufgeschichtet worden. Dazu hatte man aber wiederum Buchenholz, das etwas höher gewachsen war, genommen. Im Ort war der Abzweig des Wanderweges typischerweise wieder von Baumstämmen bedeckt. Wir konnten das Hindernis umgehen und endlich wieder aufwärts streben.

Bei circa 1250 Metern Höhe hatten wir genug gestrebt und mußten erst einmal etwas essen und trinken. Die Sonne meinte es gut mit uns und wir genossen den Blick auf den höchsten Berg der Umgebung, den Monte Guglielmo (1957 m). Es fehlt nur noch 700 Höhenmeter und 5 km Wegstrecke und er sah wirklich nahe aus. Plötzlich kam doch ein Auto vorbei und Heidi war etwas irritiert, ob ihrer abgelegten Bluse. Wir wechselten ein paar Worte, dann fuhr der Nachbar weiter. Was er eigentlich gewollt hatte, blieb uns ein Geheimnis. Aber einen guten Tag hatte er uns gewünscht.

Über ausgewaschene Steige erreichten wir etwa 1350 Höhenmeter in der Nähe von Passabocche. Diesmal waren wir durch einen Eichenwald gekommen. Der Abstieg nach Val Palot im Valle di Palotto dauerte die angegebenen 30 Minuten. Das in der Albergo della nuova Stella ausgeschenkte Bier war nicht nur teuer (3,50 €) sondern auch noch Weizen, was gar nicht so mein Fall ist. Heidis Apfelsaft war giftgrün, schmeckte aber dem Preis entsprechend eher angemessen.

Jetzt ging's nur noch die Straße hinab, ein paar Abkürzungen entlang zurück nach Fraine. Mit dem Restbestand an Trinkwasser wurden die Scheiben des Autos geputzt und die Flaschen dann wieder am Brunnen aufgefüllt. Ein Bier beziehungsweise Cappuccino machten uns fit für die Rückkehr in den italienischen Straßenverkehr. Heidi kaufte noch Brot und zweimal Pizzocceri für 1,24 € das 500g-Paket.

Das letzte Abendbrot bestand aus einem großen Salat. Emanuele hatte den Rasen gemäht und war dann verschwunden. Als wir mit allem fertig waren, kam Giuliano mit einer letzten Flasche Wein und hinterrücks hatte er noch Amaretti mitgebracht. Erst leerten wir unseren Franchia Corta. Ich holte noch Schokolade und wir unterhielten uns angeregt. Heute war auch Giulianos letzter Wasserkurentag, meinte er. Es hatte sogar einen Abschlußball gegeben, auf dem wie wild getanzt wurde, vor allem die 48-Jährige mit ihren zwei Kurschatten. Aber auch Giuliano hatte Walzer getanzt. Wenn das kein würdiger Abschschluß einer Trinkkur ist, was dann?

Gegen 21.00 Uhr tauchte Emanuele leider nur alleine auf, denn Silvia geht es magenmäßig nicht gut. Sie esse zu viel salat, meinte Emmanuelle. Auch ihm sei Abwechslung lieber und griff er bei den Keksen und der Schokolade bescheiden zu. Wir saßen noch bis 22.30 Uhr zusammen. Unsere Kaution bekamen wir zurück und der Termin unserer Abreise, der ur­sprünglich für spätestens 10.00 Uhr vereinbart worden war, wurde flexibilisiert. Die folgenden Gäste kämen auf Hochzeitsreise und erst sehr spät vom Flugplatz in Bergamo. Die Visitenkarten wurden getauscht und ich schrieb ihm noch meine Internetadresse bei Netsky auf. Der Abschied fiel ausgesprochen herzlich aus. Als auch Giuliano sich zurück­gezogen hatte, löschten wir das Gartenlicht und beobachteten die Glühwürmchen, die blinkend durch den Garten streiften. Heute waren sie mehr links an dem Dreimä­del­häuschen. Nachdem es aber überall dunkel war, verteilten sie sich. Wir haben hier wirklich schöne Tage gehabt und so gingen wir glücklich zu Bett.

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