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Bergamo

Sonnabend
17. Mai 2003

 
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Mit der Standseilbahn in die Altstadt

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Wir schliefen wie unschuldige Kinder. Der einzige Hahn krähte eher verhalten und die Kirchenglocke haben wir erst um 7.30 Uhr gehört, weil sie einfach nicht aufhörte, nach dem Motto "genug gepennt!". Wir frühstückten im Garten und genossen die neue Umgebung. Gegen halb zehn war es uns endlich gelungen, uns loszureißen und auf den Weg nach Bergamo, der hochgelobten Provinzhauptstadt, zu begeben.

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Irgendwo in Bergamo

Durch das Val Cavallina waren wir in einer guten halben Stunde vor Ort. Wir parkten in einem leicht überteuerten Parkhaus (1,30€/h) und schlen­derten wie zufällig zur Talstation der Standseilbahn. Für 1,80€ pro Person (hin und zurück) wurden wir durch die alte Stadtbefestigung auf das Niveau der Altstadt gehoben (100m). Wie im Reiseführer beschrieben, landet man automatisch auf der Einkaufsmeile der Bergamasker Oberstadt. Süßigkeiten ohne Ende aber auch Brot, Delikatessen und Mode gab es zu bewundern. Ein Schuhverkäufer hatte sich auf günstige Einzelpaare spezialisiert, wo man gute Qualität zu ordentlichen Preisen kaufen kann. So auch Heidi. Dei schwarzen Pantoletten waren leider zweifarbig, aber die hellen Sandaletten erfüllten alle Vorstellungen. Es war wirklich ein Schnäppchen.

Wir gingen schaufensterbummelnd weiter. Die Croissants für 6,-€ waren wirklich Spitze: ca. 30cm breit, mindestens 15cm hoch und mit Nutella gefüllt. Wer da nicht satt wird, ist selber Schuld. Oder die Polentatorte zu 9,-€ ist auch sehr interessant. Sie soll sogar bis zu vier Esser sättigen. An der Piazza Veccia kann man dann den geistigen Genüssen frönen. Unter dem Palazzo della Regione kann man hindurchgehen und gelangt auf das Domplätzchen (Piazetta del Duomo). Wir ließen uns weder die Basilika Santa Maria Maggiore noch die Kathedrale geschweige denn die Capella Colleoni entgehen. Nur das Baptisterium blieb uns verschlossen.

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Irgendwo in Bergamo

Auf der Suche nach etwas Ruhe, und ich geb's zu, nach etwas Eßbarem, landeten wir im Garten einer Bar. Rot- bzw. Weißwein di Frankacorta ergänzten die Lasagne mit Gemüse bzw. Gehacktem aus­ge­zeich­net. So gestärkt setzten wir unsere Stadt­be­sich­tigung fort. Immer noch Süßigkeiten, Delikatessen und Mode; wenn ich gewußt hätte, daß meine Hose am Nachmittag ein Opfer von Schokoladeneis werden sollte, hätte sich vielleicht doch etwas ergeben. Aber so waren wir relativ schnell durch und standen vor, im und hinter dem eigentlichen Haupttor der Altstadt.

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Zypressentor mit Säule

Den über fünf Kilome­ter lan­gen Rund­gang auf dem Mau­er­ring er­spar­ten wir uns. Eines von vier ursprünglichen Toren mußte reichen. Und schon stan­den wir vor der zweiten Seibahn, die hinüber zur Burg führt. Für 80,- Cent pro Nase ersteht man einen Ein­stun­den­fahrschein. Daß die Bergamasker Stand­seil­bahn­be­treiber in ihrer auslie­genden Bro­schüre den Rundgang um die Burg, die man nie so richtig zu sehen bekommt, empfehlen, ist angesichts der aktuellen Baumaßnahmen eine Zumutung. Zum Glück ist dieser Rundgang in seiner kürzesten Variante nicht länger als 15 Minuten. Wenn man aber einen nicht mehr vorhandenen Abzweig "verpaßt", landet man ganz schnell wieder in der Altstadt und hat höchstens noch die Chance, ein zweites Mal innerhalb der Stunde nach oben zu fahren oder das Ticket gleich in den Mülleimer zu werfen. Wir bemerkten die Unstimmigkeit noch rechtzeitig und gingen die bekannte Strecke retour, um auch die Abfahrt erlebt zu haben. Passiert ist allerdings auch nur nix.

Wieder am Haupttor angekommen, versuchten wir nun, das Getümmel der Einkaufsmeile zu meiden und schauten mal in die Nachbargassen. Außer dem alten Waschhaus, das mehr oder weniger gepflegt wird, fanden wir ein, zwei Hinweistafeln auf beliebte Opernsängerinnen längst vergangener Herrlichkeit  -  Donizetti ist hier geboren, und ein Paar Schuhe vor einem tiefliegenden Fenster der Katholischen Fakultät. Hier hatte auch Papst Johannes XXIII. studiert. Alles sehr grau, verschlossen und entsprechend verlassen wirkend.

Wir waren schon auf dem Weg zum Abseilen, als aus einer Bar allseits bekannte Fuß­ball­gräusche sich uns in den Weg stellten. Bergamo gegen Como - ein Lokalderby sozusagen - lockte mich hinein. Wir sahen ab der 10. Minute die erste Halbzeit und konnten die Betrübtheit der anderen Gäste beim 0:1 schon verstehen, ließen sie dann aber mit ihrem Kummer allein.

Es war kurz vor 16.00 Uhr und die Paneria hatte noch geschlossen. Wir wollten die volle Stunde noch abwarten. Heidi trieb es in eine Boutique und mir den Schweiß auf die Stirn. Zum Glück war kein Schnäppchen zu machen und pünktlich um 16.00 Uhr war auch der Laden unserer Wahl wieder offen. Wir entschieden uns für ein Chiabata, das aus Maismehl gebacken worden war. Dann ging's bergab mit Seil und Bahn.

Die Unterstadt, wo das Auto zu suchen war, war eigentlich auch sehr interessant. Hier kamen zu den Themen der Oberstadt noch die alltäglichen Bedürfnisse wie Obst & Gemüse, Computerzubehör und Teppiche. Das eingangs erwähnte Eis kauften wir bei einem Konditor, dessen Auslagen wir vor lauter Bewunderung vergaßen zu fotografieren. Jedenfalls tropfte unbemerkt etwas von dem leckeren Schokoladeneis auf meine letzte saubere Hose. Plötzlich waren weit und breit keine Hosengeschäfte mehr zu sehen. Blieb mir nur, zu hoffen, ich bekäme die Flecken, entgegen aller Bemerkungen Heidis doch mittels Seife und Bürste wieder raus.

Der Rückweg gestaltete sich schwierig, weil auch die Fans vom Spiel Bergamo gegen Como nach Hause wollten. Stau in einer Stadt, in der man eigentlich garnicht richtig weiß, wo's langgeht, ist etwas Belastendes. Und dann noch die originellen italienischen Baustellen: rechts einfädeln von der eigentlichen Ausfahrspur. Prompt erwischten wir die falsche Ausfahrt, was wir aber kurzfristig wieder rückgängig machen konnten. Die Schnellstraße wies leider nie Lovere aus, das ja 36 Kilometer weit weg ist. Clusone, das kam uns bekannt vor. Die Dörfer, die wir herwärts passiert hatten, waren für mich namenlos geblieben. Nur die Strecke, keine Kreuzung, kein Gebäude und keine Kurve kam mir bekannt vor. Es ist doch immer wieder schön, mal eine andere Route zu fahren. Jedenfalls kann man, wie wir ja wußten, über Clusone nach Sovere gelangen und von dort ist es nur noch ein Katzensprung nach Solto Collina.

Endlich konnte das Abendessen in Angriff genommen werden. Zuccini, Auberginen, Nudeln, Knoblauch und Sahne wurden vom Käse hervorragend zusammengehalten. Der Abend klang bei Weißwein und Gesprächen mit dem Vermieter aus. Übrigens sind jetzt alle Hosen wieder sauber, obwohl die Waschmaschine etwas muckert und das Wasser kalt blieb.

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