Ligurien - 27. Mai 2013
Von Camogli nach Fruttuoso
Als wir Noreo erzählten, daß wir von Camogli nach Fruttuoso wandern wollten, empfahl er uns, unbedingt in Rocco die beste Focaccia Liguriens zu kosten. Unsere vier deutschen Urlaubsnachbarn verließen nach dem Frühstück Giandriale. Die Berlinerin rief uns noch zu, daß die Kletterpartie 16,-€ gekostet hatte (Hauspreis, sonst 20,-). Arrividerci!
Über die Autobahn gelangten wir für 2,30€ superschnell nach Camogli. Oberhalb des Bahnhofs fanden wir auf Anhieb einen Platz fürs Auto. Auf dem Weg ins Zentrum kamen wir an einer Bushaltestelle vorbei, an der schon einige Leute warteten. Der nächste Bus würde in zwei Minuten kommen. Die beiden Amerikaner hatten ihre Tickets in der Information gekauft und wollten nach Ruta. Aha. Ich fragte eine Politesse, wo es denn Tickets gäbe, aber die Zeit war eh nicht mehr, noch groß durch die Gegend zu laufen. Na dann, dort näherte sich schon der Bus.
Ob wir mit ihm nach Rocco kämen, fragte ich den Fahrer, was dieser bejahte. Also stiegen wir ein. Der Bus war gut frequentiert. Außer uns vier Touristen fuhren ausschließlich Camoglis mit. Der Busfahrer hatte offenbar doch keine Tickets und wir fragten auch nicht weiter. Alle gefühlten zweihundert Meter gab es eine Haltestelle und selbst zwischendurch signalisierten die Leute ihr Interesse an der Mitfahrt. Prompt hielt der Fahrer. Es dauerte bestimmt zwanzig Minuten, bis in Ruta alle Passagiere außer uns ausstiegen. Der Fahrer hatte ja gesagt, so meinten wir zumindest, er führe nach Rocco. Tat er aber nicht, was wir freilich erst nach dem Nichtabbiegen in die gewünschte Straße bemerkten. Die neu zugestiegenen Damen machten nach unserer Frage, ob das der Weg nach Rocca sei, den Fahrer auf das Mißverständnis aufmerksam. Der hielt dann auch sogleich hinter dem gerade durchfahrenen Tunnel, an dessen Ende wir einen wartenden Bus erkennen konnten. Als wir fünfzig Meter von dem Bus entfernt waren, fuhr dieser los, jawohl in Richtung Rocco. Wir hätten also nur umzusteigen brauchen. Gottseidank beträgt die Entfernung nur 1,5 Kilometer, die wir in weiteren zwanzig Minuten zurücklegten. Vierzig Minuten hätten wir auch gebraucht, wären wir von Anfang an gelaufen, hätten dann aber die interessante Busfahrt verpaßt und 250 Höhenmeter mehr ersteigen müssen.

- Die Küste von Camogli bis Genua
Die vielgelobte Focacciabäckerei fanden wir auf Anhieb und ließen uns je eines mit rohem Schinken und Käse belegen. Dazu kauften wir noch eine sehr gut aussehende Birne und schon waren wieder 10,-€ weg. Egal, wir hatten ja Urlaub und freuten uns schon auf die Brotzeit. Auf dem gut gesicherten Weg, ein Kettengeländer begleitet ihn die nächste Dreiviertelstunde, wandert es sich sehr angenehm. Im malerischen Mortola gibt es viele Fotomotive und bis zur Batterie, einer alten Geschützstellung aus dem 2. Weltkrieg, wandert man auf gemütlichen Pfaden.
- Zwei witzige Figuren__Gasse in Mortola_______So muß ein Wanderweg aussehen
Anfangs hatte uns das Geländer, das eher einen schmückenden Aspekt darstellt, in Sicherheit gewiegt. Jetzt waren die Ketten eine willkommene Gelegenheit, unangenehme Passagen zu bewältigen. An der Cala del Oro genossen wir dann unsere Focaccie mit Blick auf den Torre Doria. Wir waren etwas überrascht von den vielen Sicherungsketten und Heidi meinte, ihr wäre diese Kraxelei doch etwas zu viel. Mir war es gerade recht. Alles in allem kamen wir gut voran, nur daß der Zeitansatz im Wanderführer für Powerwalker gedacht zu sein scheint. Da aber bis 17.00 Uhr alle Stunde die Fähre nach Camogli geht, hatten wir sowieso alle Zeit der Welt.
- Gut gesicherter Weg_______________Schwindelfrei?___________Der Torre Doria
Der mindestens halbstündige Aufstieg zum Sattel und der fast ebenso lange Abstieg zum Kloster San Fruttuoso zeigte, daß wir inzwischen gut in Tritt waren, denn das war schon ordentlich anstrengend. Pünktlich um 16.00 Uhr langten wir an der Anlegestelle an und reihten uns sofort in die Warteschlange ein, als sich herumsprach, daß dies die letzte Fähre für heute wäre. Man hätte auch ein Wassertaxi für 10,-€ pro Nase (statt der 8,- für die Fähre) mieten können. Aber eigentlich genügte uns die äußere Ansicht des heiligen Ortes sowieso.
- San Fruttuoso_______________Camogli___________Die Hafenfestung
Das Meer war gut in Bewegung und die Besatzung half den Passagieren beim Besteigen des krängenden Bootes. Ich verfügte mich aufs Oberdeck (Dach), um weitere Fotos machen zu können. Heidi blieb lieber windgeschützt eine Etage tiefer. Die Fähre wurde durch das Meer gut hoch und runter bewegt, so daß es eine Freude war. Im Westen drohten dunkle Wolken mit Regen aber Camogli lag im Sonnenschein und wir blieben trocken. Am Hafen aßen wir ein Eis, bevor wir uns auf den Rückweg begaben.
- Der Hafen_______________Ristorante Porto Prego___________Abendstimmung
Zum Abendessen hatten die Gäste bis auf uns und die Turiner nicht nur komplett gewechselt sondern sich durch eine Klettergruppe auch noch verdoppelt. Die kleine Julia (zwei Jahre) mit ihrer Mutter und ihrer Tanteaus Finale Ligure sowie eine Familie aus Konstanz (Luise 1½) sowie ein überaus netter und lustiger Italiener mit seiner Frau waren neu dazugestoßen. Durch die Masse an Leuten war es ziemlich laut in dem halligen Raum, was aber niemanden wirklich störte.
Buona Notte!



