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Wandervariationen

Freitag
16. Mai 2008

 
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Gut- und Schlechtwettervariante

Zehn Minuten nach acht Uhr bestand Heidi darauf, endlich mal ihre Haare zu waschen. Von mir aus. Irgendwie rauschte heute früh nichts. Das Wetter wird doch nicht etwa mitspielen bei der heutigen Wanderung? Weil in den Bergen des öfteren die Wolken rumhängen und wir keine Wettervorhersage beziehen, tüftelten wir gestern zwei verschiedene Wanderrouten aus. Sollte es über 1500m ü.N.N. klar sein, würden wir um die Bica da Cana herumschleichen und wenn nicht, einen ca. 10 Kilometer langen Rundweg um die Ponta do Pargo begutachten. Zum Frühstück zogen die Wolken heftig.

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Gen Süden ging's noch

Über Ribeira Brava und Serra de Agua (links abbiegend) erreichten wir die Regionalstraße 110. Wolken belegten die Straße ab und an mit Beschlag und die Außentemperatur durchbrach die 10-Gradgrenze nach unten. Vor uns bildete der Opel Corsa eines anderen Urlaubers eine angenehme Orientierungshilfe und ich für die nachfolgenden Interessierten hoffentlich auch. An einem Aussichtspunkt hielten wir alle. Außergewöhnlicherweise war reichlich Platz. Nach Süden hin war die Sicht sogar annehmbar. Wir glaubten, Riebeira da Brava und Ponta do Sol erkennen zu können. Nach Norden hin war jedoch keine Sicht zugegen. Am Einstiegsort der Wandervariante I (Bica da Cana) fuhren wir, ohne mit der Wimper zu zucken, vorbei. 1500 Höhenmeter und Nebel - auf gar keinen Fall ist dies eine Option.

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Altes zwischen Neuem

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Ein typisches Bauernhaus

Durch den Umweg brauchten wir heute 1:45 Stunden, bis wir den Clio geparkt un die Wanderschuhe angezogen hatten. Der an der Kirche ausgeschilderte Parkplatz entpuppte sich als geschlossenes Parkhaus in der Casa do Povo. Dieses für das Dorf eher futuristische Gebäude scheint Rathaus, Veranstaltungsgebäude und Sitz verschiedener Vereine zu sein. Es paßt nur nicht hier her. Den Einstieg zu Wanderalternative II fanden wir ganz gut. Es war wirklich interessant so über die Dörfer zu ziehen. Die ganze Bandbreite von zerfallenen, verlassenen, bewohnten und neu errichteten bzw. rekonstuierten Häusern bietet sich einem dar. Überall stehen nigelnagelneue Straßenschilder, was den Autoren der Wanderführer die Arbeit entscheidend erleichtern könnte, liefen sie alle Routen mal wieder ab. Bis das jedoch geschieht, könnte es sein, daß die Schilder schon wieder verrottet sind. Da ist dann eventuell doch die Aussage, man solle an einem mit Kacheln gerahmten Garagentor abbiegen, beständiger. Aber ich werd das im Auge behalten und nächstes Jahr die aktuellen Madeira-Wanderführer unter die Lupe nehmen, das heißt aus der Bibliothek ausleihen.

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Picknick am Wegesrand
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Umschulung zum Weinbauern?

Die CMC-Wasserhähne gibt es reichlich - auch so ein beliebter Orientierungspunkt. Hat man jedoch den dritten passiert, ist man zu weit gegangen. Der ausschlaggebende Hinweis für das Linksabbiegen las sich nämlich als "Erdweg". Wir würden eher Feldweg sagen, aber so sind hald die Engländer und ihre Übersetzer. Jedenfalls ist der Weg jetzt so weit asphaltiert, daß man ihn weder so noch so als solchen erkennt. Das bracht euns nämlich das überflüssige Passieren des dritten CMC-Wasserhahnes und nach der Erkenntnis des Vergehens kurz vor der R101 den Rückweg ein. Den Aussichtspunkt Pico Vermelho wollten wir auf keinen Fall verpassen. Von dort kann man das Leuchttürmchen ganz toll sehen.

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Leuchtturm von Ponta do Pardo
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Das Gras wächst hervorragend

Zwischen Pico Vermelho und dem Kirchlein Nossa Senhora da Boa Morte nahmen wir unser Picknick ein. Auf dem Weg zur Kirche, die korrekt alle Viertelstunde ihre Glocken die Zeit verkünden ließ, standen zwei Alpha Romeo. Bei näherem Hinsehen stellten sie sich als Keimzelle eines Schrottplatzes heraus. So sind die Portugiesen hald. Von der Kirche aus kann man zu einem unterhalb liegenden, unbenannten Aussichtspunkt gehen (seit 2003). Dort hat man einen tollen Blick nach Norden an der Küste entlang auf Quebrada Nova.

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Da unten liegt Quebrada Nova
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Ein Blick zurück

Nun folgte der schweißtreibende Aufstieg zur Levada Calheta - Ponta do Pargo. Die halbe Stunde schlaucht ganz schön, aber von da an geht's ja erstmal geradeaus. So sind sie hald, die Levadas.

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Wandernde Kühe

Eine fünfköpfige Kuhwandergruppe (Wieviel Kühe sind eine Herde?) war zügig unterwegs. Wir hätten sie sowieso nicht unbedingt überholen wollen, zumal wir beobachteten, wie eine Färse dem Kalb mal kurz einen Schubs gab, sodaß es urplötzlich im abschüssigen Farn verschwand. An der kuhblockierenden, weil lücken­haften Levadabrücke ging's schließlich für die wanderfreudigen Kühe nicht weiter. Und zurück ging's auch nicht, da standen wir ja. Es kostete einiges an Überzeugungs­arbeit, unsere Ver­trauenswürdigkeit rüber zu bringen. Es gelang dann doch vollends und wir überquerten die Brücke ohne weitere Behinderungen. Am direkt folgenden Staubecken wurden die Bananen vertilgt und der Entschluß gefaßt, lieber vier Kilometer mehr zu laufen, als hundert Höhenmeter runter und wieder hinauf zu steigen. Außerdem wäre ein Stück des Weges identisch mit dem Hinweg gewesen. Wir merkten schnell, daß dieser Ausläufer der Levada selten begangen wird. Wir liefen jetzt auf Gras statt auf dem üblichen rotbraunen Sandsteingemisch. Um so weiter wir in das Tal hinein und vom Steinbruch und der Straße weg kamen, desto deutlicher hörten wir die Vögel tirilieren. Am Ende des Tales überraschte uns sogar ein kleiner Wasserfall. Das Wasser eines weiteren Wasserfalls in einem Nebental wurde mittels Wellblechkonstruktion teilweise in die Levada überführt. Weiter ging es horizontal, bis wir auf eine Wasserverteilstation trafen. Hier begann der Abstieg. Wir kamen direkt an der Kreuzung oberhalb der Kirche heraus. Das paßte bestens. Am Wegesrand, vor Nikolas Bar, saßen schweigend einige ältere Leute, die uns, als wir überlegend stehen blieben, freundlich Plätze anboten. Zur Bar gehört auch ein Minimercado, da könnten wir nach dem Durstlöschen auch gleich einkaufen. Gut - überredet. Heidi kaufte schon ein, während ich noch meinen Durst löschte. Wir snackten noch mit dem Wirt, der vorgab von hier bis zum Flughafen Funchal mit dem Auto ein Stunde zu brauchen. Die Straßen müßten aber frei sein.

Ich brauchte 35 Minuten bis Lugar de Baixo, allerdings unter Einhaltung aller Vorschriften. Ankunft 18.45 Uhr. Ach, das Duschen ist doch was Tolles. Es waren ja auch wieder 20 Kilometer geworden. Heidi bereitete inzwischen ein Risotto mit Möhren, Knoblauch und dem Beaf von gestern. Für Plow mangelte es leider an den Rosinen, für kein Plow schmeckte es aber super. Das Tagebuch wurde aktualisiert und anschließend der geneigten Hörerin vorgetragen. Vier volle Tage brauchten 45 Minuten. Positive Kritik wurde geäußert und dankend angenommen, andere gab es nicht. Wenn das kein Lob ist. Und dankend rauscht der Wasserfall.

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