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Lavafelder

Montag
29. Mai 2006

 
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Im Norden des Parco dell'Etna

Wir wollten heute ein letztes Mal zu Fuß Siziliens Natur genießen. Vorher brauchten wir allerdings noch etwas Proviant. In Randazzo hielt ich vor der Schule und Heidi ging zu Konditorei. Wir fanden gut auf die nördliche Ätnahöhenstraße, waren allerdings beim Abbiegen nach Süden etwas zu ungeduldig. Wir konnten einem Signore unseren Wanderführer zeigen, woraufhin er uns den richtigen Weg erklärte. Wir fuhren dann bis ans Ende der Nebenstraße, anstatt am Forsthaus abzubiegen. Durch die vielen Arbeiter, die dabei waren, gegenüber der Einfahrt einen Zaun zu stellen, war ich etwas abgelenkt. Aber auch am Ende der Straße gibt es einen sehr schönen Parkplatz mit einigen schattenspendenden Bäumen. Hier betraten wir also den Parco dell'Etna.

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Die Zisterne Cisternazza

Der staubige Wanderweg führte bergan und bald fanden wir auch die Zisterne Cisternazza, wo wir auf drei Forstarbeiter trafen, die sagten, man könne sich die Zisterne ruhig auch von innen anschauen. Das Angebot, uns fotografieren zu lassen, nahmen wir gerne an. Wir bedankten uns und folgten weiter unserem Wanderführer. Leider blieben die versprochenen Wegweiser aus (nur am Forsthaus stehen welche) und der "scharf links abzweigende, unscheinbare Weg" führte uns durch die angekündigte Buchenvegetation direkt auf ein Lavafeld von 1614-1624. Spätestens hier war von einem Weg reineweg garnichts mehr zu sehen und mangels sonstiger Zeichen verließen wir uns nun ausschließlich auf unseren Orientierungssinn. Auf Wildpfaden bewegten wir uns in südwestliche Richtung, bis wir endlich auf einen breiteren Weg trafen.

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Der Ätna ist sehr präsent

Da alles voller Kuhspuren war, hatten wir wohl die Wildpfade hinter uns gelassen. Aber ob die Kuhpfade für uns wirklich zielführend sein würden, darüber waren wir noch immer im Zweifel. Dann sahen wir eine im Wanderführer erwähnte Holzleiter. Da der eigentlich zu übersteigende Zaun darnieder lag, konnten wir sie links liegen lassen. Nachdem wir den Sattel erreicht hatten und auf die Horizontale eingeschwenkt waren, eröffnete sich ein toller Blick in Richtung Norden. Als wir dann auch noch auf den Ätnahöhenwanderweg stießen und eine der kennzeichnenden gelbroten Markierungen fanden, waren wir endlich sicher wieder auf dem rechten Weg. Allerdings hinkten wir dem Zeitplan bestimmt eine Stunde hinterher. Aber wir haben ja Urlaub.

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Der Ätna raucht immer________Die Ruine der Casermetta______Sicher aber nicht hilfreich

Die Sonne schien kräftig und so war das Wandern auf dem schattigen Höhenwaldwanderweg sehr angenehm. Die andere Seite der Medaille war die nicht vorhandene Aussicht. Man kann hald nicht alles haben. Von dem folgenden, logischerweise unbewaldeten Lavastrom von 1981 aus hatten wir wieder eine tolle Aussicht. Die andere Seite der Medaille... Nach insgesamt dreieinhalb Stunden fanden wir die verfallene Forst- und Schutzhütte Casermetta, der gegenüber zwei neue Häuschen entstanden waren, die dem spontanen Schutzgedanken jedoch nicht mehr abhold waren, denn ohne Schlüssel ist scheinbar kein reinkommen. Also gut, wir würden den Rundweg dem Wanderführer zuliebe zuende bringen. Wir brauchten ja nur noch den Monte Spagnolo umrunden und schon wären wir auf dem Rückweg.

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Milazzos Uferpromenade
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Milazzos Uferpromenade

Leider mußten wir beizeiten den gekennzeichneten Wanderweg verlassen und waren somit wieder auf uns selbst gestellt. Damit verloren wir schnell den vorgegebenen Faden aber nicht das Ziel aus den Augen. Wie sich später herausstellte, waren wir parallel, unterhalb des geplanten Weges gelaufen, was uns zur Belohnung mitten im 1981'er Lavafeld an einem Marienschrein vorbeiführte. Die Blumen waren zwar lange nicht erneuert worden, aber es war trotzdem recht originell. Irgendwann kamen wir am Forsthaus (Case Pirao) heraus und brauchten nur noch hinauf zum Parkplatz zu laufen. Am Schluß hatten wir anstatt der vorgesehenen dreizehn einundzwanzig Kilometer in nicht vier sondern sechs Stunden zurückgelegt.

Durch die letzten Ausläufer des Lavastroms, wir sahen auch ein zerstörtes Haus, fuhren wir zurück nach Randazzo. Der Versuch etwas Trinkbares aufzutreiben, scheiterte kläglich an den rigiden Schließzeiten. Nun gut, dann würden wir hald in unserem Agrihotel den Durst löschen. Drei Büchsen Bier und eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank - das zischte. Als der Durst gestillt war, hörten wir den Pool laut und vernehmlich nach uns rufen. Es war eine Wonne, jetzt dort zu schwimmen.

Bisher hatten wir uns den Ort selbst noch garnicht angeschaut und das holten wir nun nach. Wir parkten auf dem zentralen Platz, grüßten die allgegenwärtigen, älteren Herren und schauten uns ein wenig um. Eigentlich wollten wir auch nach einer Flasche Wein und Verpflegung für unsere morgige Tour zum Ätna ausschauhalten, aber das Angebot im Dorfkonsum bzgl. Wein war absolut bescheiden und so kauften wir nur zwei Päckchen Waffeln. Heidi hatte eine Kirche gesehen, die aber nicht, wie ich annahm, an den zentralen Platz grenzte, sondern etwas versteckt auf der anderen

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Abendstimmung

Seite der Hauptstraße stand. Leider war sie verschlossen. Etwas unterhalb grüßten wir einen alten Herrn, der mit zwei Frauen im Gesapräch war - ein einmaliger Vorfall. Er meinte, wir sollten ruhig noch eine Runde gehen, es würde sich lohnen. So interpretierte ich jedenfalls seine Gesten. Und so ganz Unrecht hatte er auch nicht. Der Blick auf die Monti Nebrodi im Nordosten war ganz nett. Ein paar Jungs spielten auf der Straße Fußball, bis der Balleigentümer von einem anderen Jungen den Ball voll auf den Bauch bekam. Als der Getroffene dies nicht kommentarlos wegsteckte, war die Schadenfreude ebenso groß wie das Gehänsel. Da der Knabe ja aber der Herr des Balles war, schnappte er sich das Spielgerät und verdrückte sich nach Hause. Damit war die Vorstellung beendet. Wir gingen um die Ecke und parallel wieder zur Kirche hinauf. Einige Häuser standen leer und andere waren bestens in Schuß. Auf der rechten Seite stand ein schmales, sehr altes, leeres Haus, auf das ich Heidi aufmerksam machte. Daraufhin vermuteten zwei alte Damen auf der anderen Straßenseite wahrscheinlich, wir wollten es uns näher ansehen oder gar kaufen. So kamen wir ins Gespräch und ich erklärte ihnen, daß wir im Urlaub seien und aus Deutschland kämen, daß uns Sizilien sehr gut gefiele und wir schon zwei Wochen in Ragusa verbracht hätten. Wir wünschten einen guten Abend und gingen die Straße weiter hinauf. Vom Hotel aus hatten wir schon des öfteren dem Glockenspiel der Kirche gelauscht. Jetzt mußten wir feststellen, daß es sich nur um entsprechend verstärkte Tonkonserven handelte, die über Lautsprecher in der Gemeinde verbreitet wurden.

Der Rundgang war erfolgreich beendet und wir fuhren wieder hinauf zum Hotel, um uns für's Abendessen zu präparieren. Heute gab's endlich mal die Ligumi di giorno, für die sich Heidi entschied. Da wir im Dorf keinen Wein bekommen hatten, ließ ich einfach meinen Krug nachfüllen. Das ginge auf's Haus meinte Luciano, was ich dankend annahm. Jetzt konnte ich wohlgemut Tagebuchschreiben gehen.

Buona Notte!

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