Sizilien - 30. Mai 2006
Auf dem größten Vulkan Europas
Wie es am Ätna südlich des Gipfels nach dem Ausbruch 2002 aussehen würde, wußten wir nicht. Aber ob man nun mit dem Jeep von der Talstation der damals zerstörten Seilbahn oder mit der eventuell neu errichteten Seilbahn zum Rifugio Alpino kommen würden, war uns ziemlich egal. Allein die Anfahrt von der Agricultura sind immerhin schon mal 70 Kilometer. Vor allem die letzten 20 Kilometer von Zafferana hinauf sind sehr serpentinenhaltig und von Bussen stark frequentiert, was zu Zeitverzögerungen führen kann. Zum Glück ist noch keine Saison und wir kamen gut voran, nachdem ich auf der Abfahrt nach Randazzo das allmorgentliche Müllauto überholt hatte. Die Straße 120 führt praktisch ständig durch irgendwelche Orte, ist sehr kurvig und dadurch insgesamt zeitraubend. Morgen würden wir auf dem Weg zum Flughafen über die Höhenstraße nach Linguaglossa fahren. Irgendwo auf der Strecke nach Milo blieben wir hinter einem Betonmischer hängen. Wir haben Urlaub! Viele Busse waren dann auch nicht unterwegs. Die meisten hielten an einem Aussichtspunkt und der eine, der sich dort vor uns setzte, ließ sich ganz gut überholen.
- Der Krater von 2002____________________________________Blick zum Gipfel
Wir parkten direkt an der Talstation, die wieder vollends intakt ist. Jede Gondel kann sechs Fahrgäste transportieren, was nicht viel ist, wenn der Ansturm kommt. Die Trennung von Heidi fiel mir schwer, aber es war ja nur für die Bahnfahrt. Der nebenan installierte Sessellift wird wohl nur im Winter betrieben und kommt auch nur auf die halbe Wegstrecke. Die anschließenden Schlepplifte für die Skifahrer haben natürlich auch Pause. Jedenfalls kostete der Trip bis hinauf zum Torre del Filosofo inclusive Führung um den 2002er Krater 45,- € pro Nase. Die 7,- € für die Führung hätten wir uns sparen können, denn die dafür vorgesehenen Gutscheine wurden nie abgefragt. Das schönste ist, daß man sich die Zeit selbst einteilen kann, denn alle Teilstrecken werden einzeln entwertet. Das nutzt einem natürlich wenig, wenn man mit einer Reisegruppe unterwegs ist. Unsere Führung wurde in in französisch und englisch begleitet. Angenehmerweise hatte sich trotzdem eine deutsche Reisegruppe angeschlossen, deren Reiseleiter fleißig für seine Schäfchen aber auch uns übersetzte. Es dampfte an vielen Stellen, die Erde ist vielerorts warm und vereinzelt nur sieht man schwefelgelbe Austritte. Kleine Schneefelder haben sich trotzdem hier und da gehalten.
- Der Ätna bietet kontrastreiche Konturen
Die Sicht war gut und so konnten wir, zumindest mit dem Fernglas, Catanias Flughafen erkennen, von dem aus wir morgen wieder entschweben würden. Die Küste lag insegesamt zu unseren Füßen und in der Bucht von Taormina zwei Kreuzfahrtschiffe. Nach der Führung fuhren wir wieder zurück zur Bergstation der Seilbahn und machten dort noch einen Abstecher. Beinahe wären wir wieder getrennt worden, hätte nicht ein Einzelgänger die Kabine gefüllt.

- Der Regen zieht auf
Auf dem Weg zum Abbaden aßen wir in Riposto Eis und tranken Limonade. Irgendwo am Strand suchten wir uns einen Parkplatz, schnappten die Badeutensilien und stapften über den Kiesstrand ans Meer. Heidi durfte zuerst ins Wasser. Hier geht es ziemlich steil hinein, wodurch sich das Wasser nicht so schön erwärmen kann wie vor Donnalucata. Nach fünf Metern kann man schon schwimmen, was Heidi auch tat. Über dem Ätna war es inzwischen unangenehm dunkel geworden und wir sahen den Regen fallen. Ich ging auch noch schnell ins Meer, schwamm ein paar Züge, ließ mich bei der ruhigen See etwas treiben, bevor Heidi nochmal ins Wasser wollte. Der Regen kam näher und näher. Als ein erstes Donnergrollen vernehmlich wurde, packten wir unsere sieben Sachen, um uns zum Auto zu trollen. Ein paar Tropfen bekamen wir noch ab, bevor wir das Autodach über dem Kopf hatten. Und dann goß es richtig gut, von Blitz und Donner mal ganz abgesehen. Die Scheibenwischer hier sind Regen einfach nicht gewohnt und so verschmierten sie alles mehr, als es zu reinigen. Es ging gerad noch und wir fuhren weiter in Richtung Taormina, das noch in der Sonne lag. Aber auch das hatte sich erledigt, als wir nach Schisò (Giardini-Naxos) kamen. Wir beschlossen, umzukehren und diesmal über die Höhenstraße nach Randazzo zu fahren, um sie für morgen zu testen. Der Test verlief zufriedenstellend und wir wußten nun auch, wie wir in Randazzo fahren mußten, um am schnellsten auf die Höhenstraße zu gelangen.
Vor dem Abendessen packten wir schon mal die Koffer. Der kleine Philippo, von seinem Vater auch liebevoll "mein Teufelchen" genannt, war heute ganz lieb. Luciano selbst bot uns Tomatensalat zum Fleisch anstatt Antipasti an. Das war uns sehr genehm. Die Tagliatelle mit Pilzen waren wieder sehr schmackhaft, obwohl ich eigentlich Risotto bestellt hatte. Der Großvater war der Grillmeister, dem die Lammstücke hervorragend gerieten. Die Weinkaraffen waren heute besonders voll, so daß sie den ganzen Abend reichen würden. Ich beglich unsere Rechnung und bestellte das Frühstück für 7.45 Uhr. Nun war alles geregelt und der Abschied rückte immer näher.
Buona Notte!
Jost



