Sizilien - 16. Mai 2006

- __________Ragusa
Ruhetag in Ragusa
Von wegen Ruhe! Um 8.00 Uhr war die Nacht vorbei. Das Waschen von Heidis Haaren brachte den Zeitablauf wieder in die gewohnten Bahnen. Kurz nach zehn Uhr fuhren wir vom Hof, um uns Ragusa anzuschauen. Auch der Stadt, die dieser Provinz den Namen gab, scheint das Erdbeben von 1693 noch in den Knochen zu stecken. Eigentlich wollten wir mit dem Auto ins Zentrum vordringen, landeten aber am Rande des Stadtbezirkes Ibla, der, wie sich herausstellte, der älteste von Ragusa ist.

- Blick auf Ibla von Norden

- Mit dem Auto unterwegs
Wir waren total beeindruckt von den wirr aufgetürmten Häusern zwischen denen die Kirchen versuchten, nicht zwischen dem Gestein unterzugehen. So richtig gelingt dies eigentlich nur dem Duomo San Giorgio. Dabei gibt es vierundzwanzig weitere Kirchen allein in Ibla! Und die Gassen sind sowas von verwinkelt, daß Heidi den Gedanken, hier einmal B&B zu machen, absolut verwarf. Das Wiederfinden des Quartiers würde sie total abhängig von einem Orientierungsgenie (mich?) machen. Und das wäre ihr nix. Jedenfalls kann man dem trotzdem vorhandenen Autoverkehr ganz gut entkommen, wenn man sich auskennt oder aber auf gut Glück versucht, über entsprechend enge bzw. durch Treppen für Fußgänger exklusive Gassen ans Ziel zu kommen.

- Kann man hier stecken bleiben?

- Das Postamt
Einmal befürchtete Heidi, steckenbleiben zu können. Das war aber etwas übertrieben. Nachdem Heidi ein Kochbuch und eine Autokarte gekauft hatte, ging langsam unser Bares zur Neige. Vorbei an ungenutzten, gar verfallenden Palazzi gelangten wir zur Piazza Matteotti, wo neben der Italienischen Nationalbank ein besonderes Postamt steht. Nur Geldautomaten betreibt die Nationalbank leider nicht. Der Bankomat der Landwirtschaftsbank um die Ecke meinte, die 210,- € wären zuviel und außerdem sei die Verbindung zur Zeit gestört. Nur die Banko Siziliana war geneigt, 200,- € bereitzustellen - immerhin. Jetzt nochmal zum Buchladen an der Post wegen der Wanderkarten. Hätte sie nur in Reiseführern beschied uns die Verkäuferin, hm. Nebenan im Reisebüro fragten wir nach der Touristeninformation.

- Piazza San Giovanni
An der Piazza San Giovanni wurden wir auch fündig. Alle waren sehr aufmerksam und hilfsbereit, aber nur ein Mitarbeiter verstand uns wirklich. Ein Schulfreund lebt in Berlin und wohnt dort in der Lankwitzer Straße. Das ist neben dem Verständnis der deutschen Sprache eine gute Grundlage. In einem besseren Buchladen bekamen wir dann auch die so begehrten Wanderkarten, die hier allerdings im Maßstab 1:25.000 als militärgeographische Karten gehandelt werden - 5,50 € das Stück mit immerhin 90km² abgebildeter Fläche. Jetzt hatten wir fast alles, was wir wollten. Ach das USB-Kabel fehlte noch. Leider fehlten auch nur noch 10 Minuten, bis die Uhren 13 schlagen würden und so konnte ich nur noch die Information über die Lage von Computerläden in Ragusa einholen, bevor diese in ihren Mittagsschlaf fallen würden. Es gibt die Buslinien 1 und 3, die Ragusa mit Ibla verbinden und das Treppensteigen minimieren könnten. Leider fahren sie im Wechsel nur alle 40 Minuten - also doch treppensteigenderweise zurück zum Auto.

- Blick auf Ibla von Süden
Kein Problem, aber ein Eis an der Piazza Duomo sollte doch drin sein. "Gelati e Vini" sah ausgesprochen einladend aus und wir würden auf der Piazza sitzen können. Gesagt, getan dachten wir und betraten den Laden. Noch bevor der Becher gefüllt war, hatten wir mindestens fünf Eissorten verkostet. Heidi blieb bei Zitrone und Kokos, was laut Verkäuferin eigentlich nicht zueinander paßte. Ich entschied mich für Schokolade mit Chili und Muskatella. Solches Eis hatte ich bisher noch nie genießen dürfen. Für den Weg bis zum Auto könnte man noch eine Waffel nehmen. Heidi bekam Schokolade mit Orangenschnipsel und Ricotta und bei mir sind nur noch die Geschmacksrichtungen gegenwärtig: Sekt und Sahnebonbon. Bloß weg hier! Sonst sind wir bald arm und noch dicker.

- Donnafugata

- Heidi sucht den Schatten
In Donnafugata trafen wir gegen 15.00 Uhr ein. Der Reiseführer versprach eine Öffnungszeit ab 15.30 Uhr außer im Winter. Heidi hatte am Samstag ja schon 15.00 Uhr am Tor gelesen, allerdings übersehen, daß der Winter offensichtlich auch auf's Frühjahr ausgedehnt worden war. So fuhren wir nach einem Capuccino in Richtung Marina zurück. Wir parkten in der Nähe der Kirche, um nach dem Buchladen bzw. Ansichtskarten zu schauen. Dabei stießen wir durch Zufall auf einen Computerladen. Der hatte leider zu, war aber nicht abgeschlossen. Das konnte bedeuten, daß er schon um 15.30 Uhr wieder öffnet. Die manuelle Anzeige war nämlich mit dem kleinen Zeiger genau auf der Vier und der große stand auf Halb. Am Computer saß ein junger Mann, der sagte, daß er hochkonzentriert an einem komplizierten Programm arbeite und das Geschäft wieder um Fünf Uhr öffne. Und USB-Kabel hätte er. Das hörte sich ganz gut an. Der Bücherladen hatte leider auch noch zu und die Ansichtskarten, wie zum Hohn, direkt hinter die Eingangstür drapiert. Da wir unser Geld zur Zeit nicht los wurden, fuhren wir hinauf zur Casa Lucia, wo der Pool schon unser harrte. Anscheinend steigt die Wassertemperatur jeden Tag um zwei Grad. Wenn das so weitergeht, kocht das Wasser zum Sommeranfang. Gegen 18.00 Uhr tauchte dann die Familie Molè auf und brachte uns erste Informationen über unseren eventuell nächsten Aufenthaltsort. Das Hotel "Agriculura" in S. Domenica Vittoria sollte bei Vollpension 65,- € pro Person und Nacht kosten. Salvatore wollte nochmal dort anrufen und sich nach einer möglichen Halbpension erkundigen.

- La Sagra della carota
Als die Beiden erfuhren, was wir so den ganzen Tag getrieben und wieviel Eis wir verdrückt hatten, stellte sich heraus, daß die Betreiber des "Gelati et Vino" ebenfalls Freunde von Salvatore und Lucia sind und auf die Namen Micele und Rosaria hören. Die Welt ist doch ein Dorf. Wir verabredeten uns für die morgige Käsereibesichtigung um 10.00 Uhr am Wasserturm noch vor dem Windrad. Ich fuhr nochmal in den Ort, aber außer fünf Ansichtskarten, davon zwei häßliche aus den siebziger Jahren bekam ich nichts. Die USB-Kabel entpuppten sich als Gerätekabel. Pech gehabt. Versuchen wir es morgen in Ragusa noch einmal. Das Abendessen war wieder hervorragend gelungen. Das Hähnchenfleisch in Tomatensauße über die Nudeln und dann noch geriebenen Käse dazu - phantastisch. Lesend und schreibend ließen wir den Abend ausklingen.
Jost



