Sizilien - 19. Mai 2006
Zu Fuß nach Syrakus
Erwischt! Das ist leicht übertrieben. Wir sind natürlich mit dem Auto gefahren, dessen Tank wir in Noto nach 680km mit Diesel für 1,20€ der Liter auffüllten. Vor Syrakus gibt es schon 9km Autobahn, die noch weiter in Richtung Gela vermehrt werden sollen. In Gela gibt es einige Energieressourcen in Form von Erdgas und -öl. Da ist wohl eine bessere verkehrstechnische Anbindung von Vorteil. Ob sich allerdings Bettina und Enzo über die nördlich ihres Grundstückes geplante Autobahntrasse freuen, möchte ich stark bezweifeln.

- Auf dem Oberrang

- Die Bühne
In Syrakus fanden wir sofort den Weg zum größten, jemals von Griechen auf italienischen Boden erbauten Freilichttheater. Wir wurden freundlich auf einen bewachten Parkplatz gewunken. 3,- € für den Rest des Tages, den Preis kannten wir schon und hielten ihn auch für durchaus fair, zumal wir ein schattiges Plätzchen zugewiesen bekamen. Die 200 Meter zum Haupteingang des Teatro Greco und dem ganzen Rest waren nur ein Katzensprung. Der Mai ist als Reisemonat nicht nur so schön, weil in den hiesigen mediteranen Urlaubsgebieten noch vieles blüht, was kurze Zeit später nur noch unscheinbar verdorrt herumsteht, sondern vor allem auch, daß es an den Kassen der berühmtesten Sehenswürdigkeiten noch keine Schlangen gibt. Das heißt, daß es auch innerhalb der jeweiligen Institutionen keinerlei Drängeln und Schieben gibt. Die paar Schulklassen, deren Schülern die Kultur beigebogen werden soll und die das mehr oder weniger gelangweilt über sich ergehen lassen, erträgt man leicht. Das antike Theater wird wieder bespielt, was ein wenig mit den neuesten Interessen ins Gehege kommt. Andererseits lebt die Kultur und was kann schöner sein, als Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides nach tausenden von Jahren an genau dem Ort zu sehen, wo sie vielleicht sogar uraufgeführt wurden? Inwieweit sich die heutigen Inszenierungen jedoch an ihren klassischen Vorgängern überhaupt messen lassen wollen, weiß ich nicht.

- Das Ohr des Dionysios

- Römischer Zirkus
Der alte Steinbruch gleich nebenan hat viel Leid gesehen und heißt heute trotzdem Paradiessteinbruch. Er ist auch in einen Park verwandelt worden, was die Ausmaße doch etwas verschleiert. Die Akustik im "Ohr des Dionysios" - auf gar keinen Fall zu verwechseln mit dem Gott Dionysos - ist atembereaubend. Der Tyrann konnte wohl seine Gefangenen auch ohne Mikrophon belauschen, besagt die Legende. Und dann gibt es in dem archäologischen Park auch noch das "Anfiteatro Romano", das die Römer ebenfalls aus dem Felsen hauen ließen, als ihnen das umgebaute griechische Theater zu klein für ihre Zirkusspiele wurde. Zu seinen Glanzzeiten, so 400 v. Chr., war Syrakus etwa acht mal größer als heute und hatte eine Million Einwohner. Es ist erheblich ruhiger geworden und die Sehenswürdigkeiten kann man mit etwas gutem Willen auch zu Fuß erreichen. Wer weiß, was noch alles unentdeckt irgendwo schlummert?

- Der Koch hat Pause

- Tempelreste
Wir gingen entsprechend zu Fuß vom antiken Kulturforum in das ursprüngliche, von den Korintern 734 v. Chr. auf der Halbinsel Ortygia gegründete Syrakus. Also ist die heutige Überschrift doch nicht ganz falsch. Weder am "Foro Italico" noch an der daran anschließenden Uferpromenade ließen wir uns von den gastronomischen Animateuren einfangen. Erst am Ende, praktisch vor den Toren des "Castello Maniace", wählten wir selbst die "Taverna Sveva". Und wir hatten goldrichtig gewählt. Heidis Tagliatelle Gamberti und meine Pasta con Tonno waren genial abgeschmeckt und angerichtet. Dem Koch sah man sowohl sein Lust am Essen als auch den Spaß am Kochen an. Wir ließen uns durch die Gassen treiben, ab und an durch ein Auto oder ein Moped gestört, und die Stimmung auf uns wirken. Nachdem wir dann noch die ältesten, erhaltenen, bautechnischen Überreste des Apollotempels angeschaut und abgelichtet hatten, verließen uns die Kräfte. Es heißt ja auch nicht "Zu Fuß nach Syrakus und zurück" und so nahmen wir uns ein Taxi, das uns zum "Parceccio Delphino" brachte, wo unser Auto stand.
Als wir den Berufsverkehr in Syrakus endlich hinter uns gelassen hatten, kamen wir dank der Autobahn ersteinmal 9km gut voran. Danch blieb nur die Landstraße. Jedenfalls kamen wir wohlbehalten gegen 18.00 Uhr wieder in Marian di Ragusa an und arbeiteten noch schnell unseren Einkaufszettel ab, bevor es daran ging, die Postkarten, die wir schon den ganzen Tag über die Insel kutschiert hatten, endlich in einen roten Kasten einzuwerfen. Der erste, den wir am Platz an der Uferpromenade fanden, schien unseren Anspruch einer regelmäßigen Leerung und eines entsprechenden Weitertransportes nicht zu erfüllen. Heidi bestand auf einen vertrauenswürdigen Helfer, den wir dann am Postamt in der Nähe der "Piazza Duca degli Abruzzi" auch fanden. Endlich die Post in den richtigen Händen wissend, düsten wir in Richtung "Casa Lucia", denn ein erfrischendes Bad würde uns ganz sicher gut tun. Den Schweiß des Tages abgespült, genossen wir den milden, fast windstillen Abend. Ein kleines, äußerst schmackhaftes Panino genügte, den Appetit zu stillen. Ob Heidis MP3-Player wirklich kaputt ist, werden wir eventuell morgen wissen. Der Laptop sagt, es wäre ein unbekanntes Gerät und ich kam auch nicht an die Daten ran. Dann funktionierte er kurz und das war's. Wir werden mal drüber schlafen.
Buona Notte!
Jost



