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Wandertag

Donnerstag
18. Mai 2006

 
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Cava d'Ispica

Da heute die Wanderung durch die gesamte Cava d'Ispica (13 km) anstand, klingelte der Wecker schon um 6.30 Uhr. Kurz nach 8.00 Uhr waren alle Vorbereitungen endgültig abgeschlossen und wir verließen unser gemütliches Heim. Wir fuhren über ziemlich leere Straßen, wie Heidi bemerkte, bis ich die Abfahrt nach Pozzallo verpaßte und wir deshalb durch Scicli fuhren. Die Rushhour scheint sich hier vor allem auf die Städte zu konzentrieren. Es war auch viel Polizei auf der Straße, stets bereit, notfalls regelnd einzugreifen. Die Burg der Stadt beherrscht diese und deren enge Gassen. Ein Besuch lohnt sich bestimmt. So kamen wir auch durch Modica, das wir wahrscheinlich nicht von seiner besten Seite sahen. Durch diesen Umweg hatten wir bestimmt 20 Minuten unserer kostbaren Zeit verloren, zumal wir nach Ispica aus der verkehrten Richtung kamen und uns erst noch zum "Parco della Forza" durchschlagen mußten. Um 9.10 Uhr liefen wir über die virtuelle Startlinie.

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Cava D'Ispica
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Wilde Apfelsinen

Die "Chiesa Santa Maria di Cava" war noch ge­schlos­sen und die ersten, uns ja schon be­kann­ten, drei Kilometer legten wir in 35 Minuten zurück. Es ging also zügig voran. Was eigentlich fehlt bei dieser Wanderstrecke, sind Wegkennzeichnungen. Nun gut, wenn man weiß, daß man bis zum Ende einer Schlucht möchte, so sollten die überwäl­ti­genden Felswände einen gut in der Spur halten. Allerdings gibt es da schon diverse, mehr oder weniger parallele Pfade, von denen man sich freiwillig nicht unbedingt immer die steinigsten aussuchen würde, so man die Wahl hätte und dies nicht ausschließlich durch ausprobieren herausbekäme. In etwa nach der Hälfte der Strecke verflüchtigte sich das Flußbett. Wir standen vor einer Felswand und die Frage lautete nur rechts oder links vorbei. Auf einem soliden Felsbrocken hatten eifrige Wanderer Steine hinterlassen, was dafür sprach, daß wir noch richtig waren. Also wählten wir den ausgetreteneren Weg links hinauf. Wenn dieses Bachbett nach 50 Metern überhaupt noch als Weg anerkannt würde, führte es auf jeden Fall aus der Cava hinaus. Von einem ausgesetzten Felsen aus konnte ich auf der anderen Seite einen Weg erahnen, also kehrten wir um. Allein um zu dem gesichteten Weg zu kommen, bedurfte es dreier Anläufe. Direkt von der Wand aus glückte es nicht, obwohl es keine offensichtliche Alternative gab. Zurück, am Wegemal vorbei, war hundert Meter kein Abzweig zu finden. Also doch die kleine Kletterei vorne. O.K. wir kamen vielleicht 300 Meter weiter und von nun an hieß es umkehren oder den Ziegenpfaden folgen. Wobei die "Pfade" wohl eher Wildtieren zuzuschreiben waren und meist abrupt endeten. Hier oder dort ein kleiner Fingerzeig in Form eines Zeichens, das wär's gewesen. Wir hatten wirklich nicht vor, den gesamten Spielraum zwischen zwei Felswänden karto­graphisch zu erfassen.

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Die Schlucht zieht sich
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Pferde auf dem Wege

Um ein Haar wären wir umgekehrt, hätte sich nicht überraschend etwas steiniges, flußbettartiges gezeigt. Das heißt nicht, daß die Entscheidung richtiger war, als es die gewesen wäre, umzukehren, denn die Wegelage wurde nicht etwa übersichtlicher. Versehentlich scheuchten wir eine Kuh auf und auch Pferde fristeten, auf den Wegen grasend, ihr Dasein. Also einen durchgängigen Wanderweg nach unserem Verständnis gibt es wirklich nicht. Durch die viele Sucherei und das ständige Hin und Her hatten wir am Ende 19 Kilometer, also ein Drittel mehr als angekündigt, zurückgelegt. Der nicht vorhandene Wanderweg wurde an einer Trafostation zu einem Fahrweg, was die Beschilderung aber nicht verbesserte. Im zu passierenden Wochenenddorf hielten wir uns halbrechts und folgten den Tornanti, immer den Verlauf der Schlucht im Blick. Plötzlich gabe es weißen Rollsplit auf dem Weg, was die Frage nach unsinnig ausgegebenen Gelder aufkommen ließ. Der Split zog sich mit einer kurzen Unterbrechung über ca. 3km bis zum Ende des Weges hin. Wie der Weg endete? Tscha, wir standen unterhalb einer, die jetzt nur noch ganz winzige Schlucht überspannenden, Brücke. Links stand ein Zaun, vor uns das Brückenfundament in Form einer Mauer und rechts zwei Steinhöhlen. Das war wirklich das Ende. Um nicht zurück zu müssen, überkletterten wir mal wieder ein Mäuerchen und standen vor der einzigen mir bekannten, rollstuhlfahrergeeigneten Toilette eines sizilianischen Freiluftmuseeums. Es geht doch!

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Nekropolen...
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...uralte Grabstätten

Den Rundgang beschränkten wir auf die Nekropole und einige, wenige Höhlen in der Nähe des Ausgangs. Fast sechs Stunden hatten wir für die Tour gebraucht und nun war auch noch die Bar am Parkplatz geschlossen. Bis sie um 15.30 Uhr wieder öffnen würde, könnten wir uns ja noch die 200 Meter entfernte, berühmte Wassermühle zu Gemüte führen.

Einige Leute saßen unterhalb der Mühle an einem, zweier großer, einladender Tische. Wir hatten schon gehofft, ein kühles Bier bekommen zu können. Diese Hoffnung zerschlug sich jedoch. Aber Wasser wäre kein Problem. Wir leerten die 1½ Liter fast, kaum daß sie eingefüllt worden waren. Ja, wir waren von Ispica zu Fuß hier heraufgekommen. Plötzlich saßen alle sechs an "unserem" Tisch; die Zwillinge, ihre Großeltern und ein befreundetes Paar der Großeltern tippe ich mal. Nein, Busse führen fast nur vormittags und der letzte ginge 15.00 Uhr. Taxis gäbe es nur in Modica, was nicht fünf sondern zehn Kilometer entfernt sei und von hier aus genauso weit weg wie Ispica. Aha. Auf unserem militärischen Karten war der Ort der Mühle nicht drauf bzw. für uns nicht zu erkennen.

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Das Wasserrad

Bevor wir uns um den Rückweg küm­mern würden, wollten wir erstmal die Mühle sehen. 2,50€ pro Nase und schon erhielten wir eine audiogestützte, deutsch­sprachige, von dem einen Zwil­ling begleitete Führung durch diese alte, voll funktionstüchtige Mühle. Bis 1956 wurde hier noch allein mit dem mahlen des Getreides Geld verdient. Was wir bisher nicht kannten, war das horizontal angeordnete Wasserrad, das über einen 11 Meter hohen, konischen Wasserbehälter angetrieben wird. Die Drehgeschwindigkeit war so regelbar, daß das Korn stets kalt gemahlen wurde. Wir haben zwar kein Mehl gekauft, aber der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Jetzt hatte auch die Bar geöffnet, denn es war schon fast vier Uhr. „Zwei große, kalte Bier bitte!” lautete meine Bestellung, woraufhin die Bardame auf den Kühlschrank wies, in dem immerhin kleine, kalte Biere standen. Also nahm ich drei Bier und zehn Briefmarken zu den vier Ansichtskarten. Im Schatten mit einem gut gekühlten Bier seinen erwanderten Durst löschen zu dürfen, was gibt es schöneres? Und dann setzte sich auch noch ein belgisches Pärchen zu uns, das uns nach unserer Kurzversion des Erfahrungsberichtes anbot, uns nach Ispica zu bringen. Sie wollten sich bloß noch schnell die Höhlen anschauen. Wir baten sie, sich Zeit zu lassen, denn ein Bier würden wir gern noch trinken. Besser hätte es nicht klappen können. Die beiden sind nur eine Woche da, bevorzugen eigentlich Griechenland, sind heute auf Barocktour, wollen morgen nach Syrakus und wohnen aber in Taormina. In Ispica brauchten wir dann nur noch 15 Minuten, zum jetzt im Schatten stehenden Auto, zu laufen. Endlich die Wanderstiefel ausziehen und Latschen an, toll. In Donnalucata kauften wir noch frischen Thunfisch für's Abendmahl. Heidi kreierte eine Weltpremiere - Thunfisch irgendwie mit Fenchel, Tomaten, Zwiebel und so an Pellkartoffeln. Das Publikum war begeistert. Jetzt schreiben wir beide - Heidi Karten und ich dies hier.

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