Schweiz - 9. August 1999
Via Mala
Bei auf den ersten Blick strahlendem Sonnenschein erwachten wir und mußten beobachten, wie sich eine dicke Wolkenwand breit machte. Der Wetterbericht sah aber ganz gut aus und so trafen wir alle Vorbereitungen, für die Wanderung zum eigentlichen Anlaß unserer Reise.

- Blick auf den begradigten Rhein
Wir stellten das Auto im Parkhaus des Via-Mala-Zentrums ab und konnten so um 9.58 Uhr aufbrechen. Kurz vor Sils i.D. geht's rechter Hand einen schmalen Weg hoch in den Wald. An der Ruine Campi wurde gerade der Turm mittels eines Hubschraubers, der den Beton transportierte, gesichert. Nach einem kleinen Abstecher zur Burg Ehrenfels (jetzt Jugendherberge) wanderten wir weiter in Richtung Hohenrätien, einer steinalten Festung weit oberhalb von Thusis gelegen und damit den Zugang zur Via Mala und also auch die Via Spluga beherrschenden Burg. Allerdings war wohl schon im 15. Jahrhundert Schluß mit der Herrlichkeit und als auch der Schankbetrieb im letzten Jahrhundert nicht so recht klappte, engagierte sich erst in den letzten Jahren wieder ein rühriger Verein um diese alten Zeugnisse der Historie. Man kann hier wahrlich waghalsige Aussichtspunkte betreten und außerdem natürlich diverse Grillplätze nutzen. Wir aber hatten ja noch mehr vor.
Da stand noch was von alten Felszeichnungen im Prospekt und auch diesen Schlenker nahmen wir mit. Und tatsächlich fanden wir die versprochenen Steingravuren, deren wissenschaftliche Einordnung bisher niemandem gelungen ist. 5000 Jahre alt könnten sie sein, müssen sie aber nicht (Bronze- oder Eisenzeit). Ritualen könnten sie gedient haben, müssen sie aber nicht. Spielereien gelangweilter Hirten wären auch denkbar. Na ja, auf jeden Fall hatten wir uns das Picknick wohl verdient und nahmen es auf einer herrlichen Alpwiese mit Feuerstelle ein. Maximilian hätte am liebsten gleich wieder etwas herumgekokelt. Leider hatten wir keine Streichhölzer dabei. Relativ schnell waren wir wieder auf der Wanderstrecke, denn bergab geht es meist schneller als anders herum und so gingen wir immer am Rande des Abgrundes entlang. Nur selten konnte man das aber wirklich so direkt wahrnehmen, was dem Vorwärtskommen jedoch eher förderlich war. Ein, zwei Tobel (Seitenschluchten) mußten wir überwinden, wobei es bei dem einen Tobel die vor drei, vier Jahren errichtete Brücke am 16. März diesen Jahres durch Steinschlag zerlegte hatte. Es war eine Umgehung angelegt worden, die natürlich um einiges länger ist, als eine etwa 20 Meter lange Brücke. Hauptsache es ging überhaupt weiter, denn umkehren hätten wir nicht gemocht.
- Stein mit Rakete?___________Wohl verdiente Jause_______________Spielstein
An der Schlucht angekommen, löschten wir unseren Durst und betraten dann die ausgebaute Besichtigungsstrecke der Via Mala für 3,- Franken pro Person. 20 Minuten - länger brauchten wir nicht, um alles zu sehen. So bekamen wir noch den Bus um 15.45 Uhr und waren binnen zehn Minuten wieder in Thusis. Noch schnell eingekauft und dann ab nach Valbella. Da die Sonne sich hinter Wolken verkroch, zog es Heidi vor, zu duschen und ich mußte allein schwimmengehen.
Rührei und Bratkartoffeln unterbrachen gerade wohltuend meine Geschreibsel. Nach den Nachrichten kam auf dem ZDF "Mobbing". Annekathrin spielt die fiese Chefin total glaubhaft. Das Thema ist zwar ziemlich überspitzt aber um so eindringlicher ausgeführt. Diesmal gingen wir doch wieder nachdenklich zu Bett.
Jost



