Schweiz - 13. August 1999
Wanderung - geführt
Pünktlich um 4.53 Uhr riß uns der Wecker aus dem wohlverdienten Urlaubsschlaf. Stockfinster war's noch draußen und der Mond war zu sehen. Es hatte also wirklich aufgehört, zu regnen. Also ran ans Telephon und den Bergführer befragen - besetzt. Und dann kam die Freigabe von Gübe Luck, dem Bergführer. Mein Freudensprung genügte, um Heidi über die Sachlage zu informieren. Sie bereitete uns das Frühstück und betuddelte uns ganz lieb.

- Auf dem Gipfel

- Mit stolzgeschwellter Brust
Kurz vor sechs Uhr waren wir am Treffpunkt, wie alle anderen sechs Teilnehmer. Die Kinder vom "Alten Schyn" kamen zu uns ins Auto und wir fuhren noch ein kleines Stück bergan, wo es auch mit dem "parking" besser war. Und aufwärts ging's in Richtung Wasserfall. Gemessenen Schrittes aber ohne Pause wurde gewandert. Nach 30 Minuten konnten wir die so schwierige Feuerstelle schon sehen und nach einer Stunde waren wir schon auf der Alp Sanaspans. Hier wurde die erste fünfminütige Rast eingelegt. Wir tranken etwas und zogen die Wetterjacken über, denn es war merklich kühl hier auf 2045 Meter und die Rothornwand war weiß überpudert. Wir wanderten weiter zur Flanke des Lenzer Horns, wo dann der eigentliche Aufstieg begann. Auf rotsteinigen Zickzackwegen ging es von 2200 Metern zur ersten Spitze (2489m). Angenehmerweise folgte dann fast eine Horizontale und wir suchten uns ein windgeschütztes Eckchen, wo wir unsere zweite Rast einlegten. Kurze Stärkung und Erholung , das Edelweiß am Wegesrand bestaunend. Nach 10 Minuten nahmen wir die letzten 400 Höhenmeter unter die Stiefel. Bis kurz vor den Gipfel kommt man ohne größere Schwierigkeiten voran. Nur die letzten 60 Meter muß dann schon geklettert werden, wobei die eine, mit einer 2m-Kette gesicherte Stelle, vor allem beim Abstieg etwas Übung erfordert. Man findet überall gut halt, auch weil der Stein in dünnen Platten strukturiert ist, die reichlich Lücken bieten. Und plötzlich steht man vor dem Gipfelkreuz. Einfach Spitze oder besser noch gipfelmäßig (2906,1m ü.N.N.). Wir beglückwünschten uns alle gegenseitig zu unserem erfolgreichen Gipfelsturm. Wir hatten keine 3½ Stunden für die 1400 Höhenmeter gebraucht!

- Eintrag ins Gipfelbuch

- Blick auf Lenzerheide
Dann wurde Brotzeit gemacht, die Fotoapparate und Ferngläser ausgepackt. Obwohl die Sicht bei weitem nicht optimal war, konnte man wenigstens in Richtung Westen bis zum Berninamassiv gut sehen. Gübe holte dann das Gipfelbuch aus seiner wetterfesten Verpackung und trug als Überschrift "Freitag, der 13. August 1999, zwei Tage nach der Sonnenfinsternis" ein und wir vermerkten unsere Anwesenheit und Herkunft mit klammen Fingern. Auch hier oben fanden sich zwei, drei Schneeflocken, die auch nicht schmolzen, was auf die herrschende Außentemperatur schließen ließ. Getrocknete Aprikosen und Gewürzgurken wurden angeboten und als sich alle sattgegessen und gesehen hatten, machten wir uns an den Abstieg. Gübe gab uns noch einige Hinweise zur Technik und dann krabbelten wir wieder hinunter. Nachdem die erste schwierige Passage erledigt war, wanderten wir an den Bergwiesen entlang, fanden weitere Edelweiß und hatten sogar das Glück, ein Steinbockpaar beobachten zu können. Das Foto wird wohl ein Suchbild werden. Na mal sehen. Die Kinder hüpften bald vornweg und waren als erste wieder im Val der Alp Sanaspans. Maximilian behauptete erst, sie hätten volle zehn Minuten auf uns warten müssen, es blieben aber nur acht übrig. In der Bergbaude setzten wir uns alle noch einmal zusammen. Es wurde heiße Schokoladenmilch, Eistee, Rotwein und auch Bier getrunken und über die verschiedensten Themen gesprochen: "Euer Club mit den vielen Sternen..."; Wein- und Grappaproduktion bzw. -vorkommen im Tessin, Freiburg und Berlin; Bergsteiger in der Politik, verwandschaftliche Beziehungen zu Berlin; Mountainbiking etc. Als ein halbnackter Mountainbiker auftauchte, wurde es uns zu kühl und wir gingen an den Abstieg. Zügig ging's bergab und im Handumdrehen waren wir wieder an den Autos. Heidi war regelrecht überracht, von unserer zeitigen Rückkehr gegen 14.00 Uhr.

- Der Abstieg beginnt

- Das Wappentier des Kantons
Sie hatte inzwischen schon begonnen, alles zusammenzusuchen und für die Abreise fertigzumachen. Nach dem wir uns von der Anstrengung etwas erholt hatten, konnten wir Heidi unter die Arme greifen. Sehr viel war da allerdings nicht mehr zu tun. Zum Abschluß, zum Krönenden, gingen wir das zweite und letzte Mal essen, diesmal ins "Hotel am See". Als wir die Frage nach einer Reservation etwas verwundert verneint hatten, wurden wir an einen Tisch geführt und der Chef des Hauses äußerte seine Freude, daß wir seine Gäste wären. Der Blick in die Speisekarte erklärte dann einiges. Der Preis für den Hauptgang begann bei knapp 40,- Franken, was uns aber nicht abschrecken konnte. Auf einen Apperitif verzichteten wir jedoch. Heidi und ich nahmen je eine Suppe, nur Maximilian zog ein Dessert vor. Also das Speisenangebot war sehr delikat. Auf das Züricher Geschnetzelte fiel Heidis Wahl, Maximilian wählte Kalbsfilet an Steinpilzen und ich entschied mich für die gefüllte Milchlammbrust auf einem Kräutermandelbett. Also so etwas Feines hatten unsere Gaumen bis dato noch nicht genießen dürfen. Es war wirklich alles sein Geld wert. Mal ganz abgesehen von Maximilians Karamelcreme zu der es eine ganze Sauciere mit Orangenlikör abgeschmeckter Sauce gab. Es war nicht zu schaffen. Wir verließen zufrieden und glücklich dieses Spitzenrestaurant.
Was uns übrigens aufgefallen war, daß außer Maximilian kein einziger Jugendlicher oder auch Kinder
zugegen waren. In unserer Ferienwohnung nahmen wir noch einen Digestiv und freuten uns schon auf
die nächsten Tage mit den Bayrischen Schwaben. Auch die für das Abschiedsessen berappten 250,- Franken
ließen uns nicht nachdenklich ins Bett gehen.
Schön war's!
Jost


