Warte, warte nur ein Weilchen...
Da der gestrige Tag ziemlich vollständig verregnet war, glaubten wir nicht an einen totalen Wetterumschwung. Deshalb entschlossen wir uns, das Mikroklima in Richtung Liptovsky-Mikulas zum Zwecke eines Höhlenbesuches im Tale Demänovka zu verlassen.
Also ab die Post. Da wir im Regen vergessen hatten, nach den Abfahrtzeiten in Richtung Poprad zu sehen, mußten wir prompt eine gute halbe Stunde auf den Zug warten.Den ab Poprad ausgewählten Zug hätten wir trotzdem noch bequem geschafft, so er gefahren wäre. Nach etlichen, widersprüchlichen Auskünften kompetenter Umstehender – Bahnpolizei: 100 Minuten !? später, Bahnangehöriger: 20 Minuten später und Information: ein anderer Zug fährt um 10.47 Uhr – waren wir dem unverständlichen Fahrplan einiges voraus. Es mußten nämlich Platzkarten gelöst und ein Schnellzugzuschlag in doppelter Höhe des eigentlichen Fahrpreises entrichtet werden. Aber der Kaffee in der Bahnhofsgaststätte war in Ordnung. Mit weiteren 10 Minuten Verspätung ging's dann endlich los. Wir hatten sogar ein eigenes Abteil. In L.M. hatten wir Glück. Der Bus in Richtung Demänovka fuhr schon eine halbe Stunde später. Der Fahrer verstand uns nicht recht, was an unseren mangelnden Slowakischkenntnissen lag. Wir bezahlten den geforderten Fahrpreis. Als wir an der Endhaltestelle ankamen, waren wir doch tatsächlich für 6 (sechs) Kronen zuweit gefahren. Dies war nämlich der Preis für den Rücktransport zur Höhle, wo wir die 13.00 Uhr-Führung um schlappe 5 Minuten verpaßten, was uns wiederum Zeit für das Mittagsmahl verschaffte. Um 14.00 Uhr kamen wir nach einer ca. zweiminütigen Liftfahrt zur Führung zurecht. Also die Höhle muß man gesehen haben. Eine Stunde verging wie im Fluge beim Betrachten der herrlichen Säle, Bäche, Stalagtiten und -miten. Alles Warten hatte sich gelohnt.
Nun griff aber langsam auch schon wieder die Ungewißheit über den Rücktransport zum Urlaubsort um sich. Fährt der Zug um 17.56 Uhr laut Fahrplan (mittags hatte die Information gerade Pause gehabt) oder 100 oder 20 Minuten später oder ganz anders. Diesmal war die Information besetzt. Uns wurde der Zug um 18.27 Uhr empfohlen (19.17 Uhr Ankunft in Poprad). Schnellzugaufpreis sei klar, aber die 58 Kilometer könnte man auch stehen und sich so die Platzkarten sparen. Es war gerade 17.10 Uhr.
Ein in das deutsch-slowakische Kauderwelsch eingreifender Ortsansässiger empfahl uns dagegen, den Bus um 17.35 Uhr zu nehmen. Also lassen wir die schon gekauften Rückfahrkarten verfallen und versuchen beim Bus unser Glück (Optimierung der Wartezeit). Der angesagte Bus fuhr zwar, aber total überfüllt und ohne uns in die heimatliche Richtung, da ein zweiter Bummelbus als Alternative zur Verfügung stand. Wir sparten trotz der verfallenen Fahrkarten noch einen unerheblichen Betrag an Reisekosten und bekamen herrliche Aus- und Einblicke in die Ortschaften, die Natur und in persönliche Differenzen geboten. Gottseidank verstanden weder wir noch die Kinder auch nur ein einziges der wortgewaltig vorgetragenen Schimpfworte.
Im Endeffekt kamen wir ca. 15 Minuten vor dem Zug in Poprad an, die sich auf 25 Minuten auswuchsen, da der Zug na? -10 Minuten Verspätung hatte. Die Tatrabahn (offizielle Abfahrtzeit 19.28 Uhr) hatte Mitleid und nahme einige verspätete Reisende noch mit. Die erwähnten 25 Minuten Wartezeit wurde uns durch einen erneuten Streit zwischen zwei allerdings neuen Parteien verkürzt. Auch diesmal schützte uns unsere Sprachunkenntnis vor peinlichen Situationen.
Den krönenden Abschluß bildete heute, wie fast jeden Abend, das Essen über der Post. Und die Kinder bereiteten uns, entgegen Heidis Befürchtungen, eine sehr schöne Überraschung, indem sie allein nach Hause ginge, sich ordentlich für's Bett vorbereiteten und ganz lieb in denselben lagen, als wir eine halbe Stunde später heim kamen. Florian las aus dem „Kater Stanislaus“ vor. Wir waren des Lobes voll, die Kinder bekamen je einen Kaugummi und die Welt war allgemein im Lot.



