Südafrika - 18. Oktober 2005
Auf nach Gordon's Bay
Zehn Minuten vor vier Uhr wurde ich vom leichten Trommeln des Regens auf dem Zinkdach geweckt. Ach die Sitzkissen liegen noch draußen! Als ich auf die Terrasse trat, war alles trocken und ich fühlte mich etwas genarrt. Innen trommelte es immer noch. Noch ein Kontrollgang und jetzt regnete es auch draußen. Ich schnappte mir alles Rettenswerte und schaffte es ins Trockene. Trotz der Geräuschkulisse schlief ich schnell wieder ein.
Dick schätzte einen halben Milimeter pro Quadratmeter. Unter den Bäumen hatte kaum ein Tropfen den Boden erreicht. Und jetzt sah das Auto erstmal toll aus - der Staub von der Paßstraße war nicht mehr annähernd gleichmäßig verteilt, sondern schilderte die Historie des nächtlichen Regens unter einem Baum. Wir genossen das letzte von Dick angerichtete Frühstück. Ich hoffe, Heidi hat mit ihrem Wunsch nach gekochten Eiern nicht gekränkt. Anschließend beglich ich unsere Schulden und wir ließen uns von Regina noch Tips für eventuelle Fahrtunterbrechungen geben. Der Vogel mit dem hängenden Nest ist übrigens ein Schwarzkopfweber und der Kastagnettenbaum heißt richtig Jakaranda und blüht sehr blau. Auf Wiedersehen Sax-Coburg-Lodge.
Im Post Office kauften wir Briefmarken und ein Telefonvoucher über 50,- Rand. Das Teil muß man mittels eines Anrufes inclusive Befolgens der gegebenen Anweisungen aktivieren und kann dann von allen möglichen Telefonen aus rumtelefonieren. Ich bin mal gespannt. Auf der Prince-Albert-Road verließen wir das Städtchen mit vollem Tank.

- Leere Straßen
Schnurgerade meist fuhren wir gen Norden und N1. Sämtliche Brücken, die wir passierten, trugen Hinweisschilder, die auf die Flußnamen hinwiesen. Zu sehen waren - und auch nur in den seltensten Fällen - ein paar Wasserlöcher, sonst aber Sand und Fels. Und man bewegt sich lange Zeit mutterseelenallein auf der Straße. Das änderte sich auch nicht, als wir auf die N1 auffuhren. Die Verbindungsstraße zwischen Kapstadt und Johannisburgh war so gut wie frei von jeglichem Verkehr - zumindest voerst.
In Matjiesfontain legten wir gegen 11.30 Uhr unseren geplanten Halt ein.
- Coffee House________________Standard Bank_______________Hotel "Lord Millner"
Im Coffe House tranken wir Saft und Milchshake an einem Springbrunnen. Goldfische und die schwimmende Nachbildung eines Krokodilkopfes regten die Phantasie an. Was mußte an dieser entlegenen Bahnstation für ein Treiben geherrscht haben, wenn eine solche Straße entstehen konnte. Die Länge von sagen wir gutgemeinten 600 Metern steht in keinem Verhältnis zu den renommierten Bauten des Coffe House, der Bank of South Africa, dem Post Office und dem majästischen Hotel "Lord Millner". Nach Anmeldung kann man an einer Stadtrundfahrt teilnehmen, die laut Reiseführer die kürzeste weltweit ist. Vier Minuten dauert der Spaß. Wenn einem das nicht genügt, kann man drei Museen besuchen. Eines findet man am östlichen Ende der Straße.

- Der Speisewagen
Dort kann man für 5,- Rand alte Autos, eine Dampflok und drei Eisenbahnwagons - einschließlich Speisewagen - besichtigen. Im Bahnhofsgebäude sind die beiden anderen Museen untergebracht: das alte Bahnhofsstellwerk und ein nach einer Lady benanntes, das wir leider nicht mehr schafften, da von 13.00 - 14.00 Uhr Mittagspause ist. Aber eigentlich ist jedes Gebäude für sich schon ein Museum. Sehr schön!
Wieder auf der N1 nickte Heidi erstmal ein - rechts und links immer nur Berge, die gerade Straße, das Rauschen des Fahrtwindes, das Summen der Reifen auf dem Asphalt - oh Morpheus. An zwei Baustellen mußten wir auf den Gegenverkehr warten. Wir passierten ein riesiges Weinbaugebiet - das Hex River Valley oder so. Das weite Tal ist ringsum von hohen Bergen umgeben, was für den Wasserhaushalt sehr zuträglich ist. In Worcester legten wir eine Kaffeepause ein und riefen Markus an. Wir verabredeten uns für kurz nach fünf Uhr im AVIS-Büro. Die Zeit würden wir wohl auch brauchen. Durch einen vier Kilometer langen, neuen Tunnel (18,- Rand) näherten wir uns Kapstadt und dem Flughafen. Mietwagen werden zentral zurückgenommen. Die Übergabe brauchte ca. 3 Minuten - absolute Klasse. Weitere 10 Minuten später trudelte auch Markus ein und chauffierte uns dann zu unserem Ferienhaus. Wichtig ist die Kenntnis der fixen Blitzer auf dem Weg zwischen Kapstadt und Gordon's Bay, denn die Knöllchen würde Markus bekommen.

- Das Wohnzimmer

- Und die eingebaute Küche
Die 135 m² des Ferienhauses sind auf eine große Wohnküche, ein Speisezimmer, drei Schlaf- und zwei Badezimmer sowie einen Wirtschaftsraum verteilt. Draußen steht auch ein gemauerter Grill herum. Platz ist also reichlich. Markus hatte in weiser Voraussicht sogar schon ein Sixpack Bier in den Kühlschrank getan. Aber wir wollten erstmal noch schnell einkaufenfahren, damit wir was zum Abendbrot und Frühstück zu kauen hätten. Es dunkelte bereits, als wir auf die Hauptstraße in Richtung Pick'n Pay auffuhren. Dabei drückte ich einen ohne Licht fahrenden PKW in die andere Spur - Nichts passiert. Doll ist die Auswahl nicht, aber wir fanden, was wir brauchten. Inzwischen war es stockdunkel geworden. Was wir dann nicht gleich auf Anhieb fanden, war das Ferienhaus. Wo der Schalter für die Innenbeleuchtung des Autos ist, weiß ich nicht und so nutze Markus' Eintrag im Telefonbuch wenig. Wir ließen uns nicht entmutigen und als Heidi rief "Da ist es!", brauchte ich nur noch einmal wenden und gut. Das Brot wurde in dem großen Herd ebenso aufgebacken wie das pizzaartige vegetarische Pitabrot.
Da kam auch schon Markus, den wir für halb Neun auf ein (sein) Bier eingeladen hatten. Gegessen hatte er schon. Und so entspann sich eine Unterhaltung, die zwei Stunden lang keine Pause einlegte. Wir sind mal gespannt auf seine ersteigerten Bücher. Er stammt ja, wie auch Jörg, aus Hamm und ist vor zehn Jahren das erste Mal hier gewesen, hat sich gleich das Häuschen zugelegt und war anfangs mit je einem Bein in Deutschland und Südafrika. Das heißt, er hat wirklich ein halbes Jahr hier und das andere dort gearbeitet. Seit 2000 ist er nur noch hier am Schaffen und bei drei Wochen Urlaub im Jahr kommt er auch kaum noch raus, was ihn aber nicht im Geringsten stört. O.K. die Mülltonne muß noch vor, denn mittwochs wird geleert. Für Markus lag das sowieso auf dem Weg und wir würden sie dann morgen wieder an ihren angestammten Platz rollen.
Gute Nacht!
Jost



