Bulgarien - 17. August 2020

- ________Sofia
Goldschatz und alte Kirche
An unserem letzten ganzen Tag hier trafen wir uns wie verabredet um Viertelneun zum Frühstück. Das war leicht variiert und gut wie gewohnt. Wolfgang hatte uns zum Besuch des Nationalen Historischen Museums geraten. Zum einen ist es in dem ehemaligen Präsidentenpalast von Todor Schiwkow untergebracht und beherbergt den thrakischen Goldschatz als Höhepunkt neben anderen interessanten Stücken. Und wir könnten gleich das Ticket für die nahgelegene Kirche von Bojana mitbuchen, was nur zwei Leva mehr kosten würde. Die Haltestelle des zielführenden Obusses der Linie 9 sollte gleich um die Ecke, vom Hotel aus gesehen, sein.
Zuerst besorgte ich aber mal die Tagestickets für unsere heutigen Transfers mit Bus und Bahn. Dann konnten wir starten. Wie Kirill gesagt hatte, lag die Haltestelle um die Ecke, aber nicht gleich. Erst mußten wir über die Brücke, die den angeblich manchmal reißenden Bach Wladajska überwölbt, um zur Haltestelle zu kommen. Der Neuner fährt alle elf Minuten und so brauchten wir nicht lange warten. Wir sollten bis zur Endhaltestelle fahren und dann in den Zweier umsteigen. Das taten wir nicht, sondern schon am Rudnyplatz stiegen wir aus. Hier gab es eine elektronische Anzeige, auf der nur die Linien Acht und Neun erschienen und die Information, daß irgendwo irgendwas gesperrt war. So interpretierten wir die laufende Infoanzeige jedenfalls. Leichte Verunsicherung stellte sich ein. Notfalls würden wir mit dem nächsten Neuner weiterfahren müssen.
Dann tauchte aber der 2er auch ohne elektronische Vorankündigung auf und wir kamen unserem ersten Tagesziel immer näher. Im Gegensatz zur U-Bahn sieht man vom Bus aus natürlich viel mehr von der Stadt. Wie wir von Wolfgang erfahren hatten, wohnen nur zehn Prozent der Bulgaren zur Miete. Wohneigentum ist also die absolute Regel. Allerdings sieht es hier völlig anders als bei uns aus, zumindest was die Wohnungen betrifft. Jeder Eigentümer darf hier offensichtlich auch mit seinem nach außen sichtbaren Eigentum machen was er mag. Das führt dazu, daß die Fassaden der Häuser Flickenenteppichen gleichen. Jeder baut die Fenster ein, die er gerade kriegen kann. Balkone werden variabel verglast, zugemauert und mit kleinen Fenstern versehen oder was auch immer. Dadurch bekommen gerade auch Neubaublocks ein ziemlich disharmonisches Aussehen.

- Weitläufiger Vorplatz
An der Wendeschleife des Zweier-Obusses stiegen wir aus und brauchten nur noch die große Ringstraße zu überqueren, um zum Haupteingang der repräsentativen Anlage zu gelangen. Hier wurde das ehemalige Wachgebäude zum Kassenhäuschen umfunktioniert. Allerdings saß auch ein Polizist gleich nebenan. Die Auffahrt für die damaligen Staatsgäste zieht sich dann circa 200 Meter hinauf zum Palast. Auch hier gilt selbstverständlich die Maskenpflicht und wir wurden durch Pfeile auf dem Boden und dem sonstigen Bodenpersonal in den Rundgang durch die Ausstellungsräume gewiesen. Nebenbei hatten wir auch immer einen Blick für die Architektur und die Ausstattung der Räume in Bezug vergangener Zweckbestimmung. Die Streckenführung ließ uns auch den ehemaligen Plenarsaal zweimal durchschreiten. Über 30 Jahre ist es her, dass hier Politik gemacht wurde.

- Wunderbarer Schatz
Schön ist, daß man hier nach vielleicht der Hälfte des Rundganges das Gebäude auf der Rückseite zum Park hin verlassen kann und ein Bistro zu einer Erfrischung einlädt. Dieses Angebot war uns sehr willkommen und so tranken wir Kaffee oder aßen Eis. Nach vollendetem Rundgang wurde der Museumsshop besucht und einige Mitbringsel erstanden. Wir ließen uns von der Dame im Shop den Weg zur nahen Kirche von Bojana beschreiben. Einen Zubringerbus gibt es nicht und so stiefelten wir los.
Ein Glück, daß wir im Training waren, denn Nähe ist hier sehr relativ, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Gute zwei Kilometer mit zu ersteigenden 120 Höhenmetern zogen sich trotzdem ziemlich, zumal wir einen Großteil der Strecke an dem Zaun des alten Palastgeländes entlangliefen. Und hinter dem Kreisverkehr mußten wir im „Three Wells” nach dem Weg fragen.
Als wir endlich am Tore des um mauerten Kirchengrundstückes eintrafen, wurde gerade genanntes Tor verschlossen. Ein Zettel wies darauf hin, dass zwischen 14.30 und 15.00 Uhr eine Desinfektionskur durchgeführt würde. Da waren wir wenigstens die ersten am Start, denn nach und nach trafen weitere Interessenten ein. Pünktlich wurde der Einlaß wieder geöffnet, die Gültigkeit unserer Tickets geprüft und unser Herkunftsland statistisch in einer Strichliste erfaßt.
- Fotos um die Kirche herum________Eine kleine Pause_______________Altes Gemäuer halt
Eine Dame wies uns in die Verhaltensrichtlinien ein, daß vor allem in der Kirche nicht fotografiert werden dürfte und wir nun zu viert ganze zehn Minuten Zeit hätten, das Innenleben des Weltkulturerbebaus intensiv zu betrachten. Da wir während der 30-minütigen Desinfektion die Informationstafel vor dem Tore hatten studieren können, wußten wir von den drei Bauetappen, der teilweisen Übermalungen der ersten Originalschicht und der Bedeutung der Malereien überhaupt.
Im Park bewunderten wir die alten Bäume, bevor wir den 107'er Bus verpaßten, der uns wieder in belebteren Gegenden bringen sollte. Dadurch hatten wir Zeit, uns am Kiosk ein warmes oder kaltes Getränk zu holen. Im dahinterliegenden Park nutzten wir den freien, rustikalen Tisch und die dazugehörigen Bänke, es uns im Schatten bequem zu machen.
Mit dem Bus kamen wir erneut am Museumspark vorbei, bogen in den „Boulevard Zar Boris III.” ein und als der Bus links abbog, stiegen wir in die Straßenbahn der Linie 4 um. Die brachte uns dann direkt wieder in die Fußgängerzone. An der Moschee nahmen wir unsere „10” und fuhren zum Hotel.
Auf unsere Frage, wann wir morgen die Zimmer zu räumen hätten, wurde uns beschieden, daß wir sie ruhig bis 13.00 Uhr nutzen könnten. Die Belegung ließe das durchaus zu. Vielen Dank! Und ob sie noch eine Restaurantempfehlung für den Abend hätten, lautete eine weitere Frage. Im Hadjidraganovs waren wir schon vorgestern gewesen und so ließen wir uns den Weg zum „MoMa” erklären. Die Zeit bis zum Abendessen wurde fürs Kofferpacken genutzt, damit wir den morgigen Vormittag noch für einen letzten Stadt- und Einkaufsbummel würden nutzen können.
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- Angenehmes Ambiente______________________Auf Wiedersehen „MoMa”
Gegen 18.30 Uhr trafen wir uns in der Lobby. Mit der Straßenbahn fuhren wir bis zum Garibaldi-Platz, um von dort zum „MoMa” zu laufen. Dazu mußten wir den Witoscha-Boulevard kreuzen und dann fragten wir uns durch. Im Garten waren wir die ersten Gäste. Ob das der Grund war, warum wir auf Kosten des Hauses eine Flasche Weißwein kredenzt bekamen, blieb ein Rätsel. Jedenfalls bemühte sich das Personal sehr um uns und unsere Wünsche. Nach eingehendem Studium der Karte baten wir um die Vorspeisenplatte mit den fünf bulgarischen Krems. Karin und Ute hatten sich für die Gemüsevariationen entschieden, während Heidi das Lamm und ich die ausgelöste Schweinshaxe wählte. Wir waren alle mit den kulinarischen Leistungen der Küche und auch mit dem Service sehr zufrieden. Wir können also einem Besuch des „MoMa” nur zuraten.
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- Auf dem Witoscha-Boulevard_________________Moschee bei Nacht
Auf dem für Fußgänger reservierten Witoscha-Boulevard steppte der hier allgegenwärtige Löwe. Es waren wirklich viele Leute unterwegs, die sich aber fast alle vorbildlich an die Maskenpflicht hielten. Von der Moschee aus nutzten wir wieder die Straßenbahn. Unseren letzten Abend beschlossen wir an der Bar des Hotels mit einem Glas Wein.
Lekka Noscht! Jost



