Zypern - 21. Mai 2010
Kunstflugtag
Nachdem sich der gestrige Abend bis heute früh hingezogen hatte, verschob sich das Frühstück geringfügig. Was haben wir heute eigentlich vor? noch nichts Konkretes. Wie wär's mit einer Stippvisite in Limassol? Vielleicht ein wenig shoppen, um die Stimmung der beiden Damen nach der gestrigen Verspätung etwas zu heben? Das soll ja manchmal helfen.

- Unser Tagesplan
Außderdem könnten wir erstmal die restlichen Urlaubsaktivitäten und -ziele planen, damit wir nicht jeden Morgen vor der selben Frage sitzen: „Was haben wir heute eigentlich vor?” So wurden die ultimativ zu besuchenden Orte, zu bewandernden Touren und zu beschippernden Küsten ausgewählt und terminlich auf einem Zettel einsortiert. Dieser Zettel ist nun öffentlich an der Haustür ausgehängt.
Gegen 11.00 Uhr brachen wir in Richtung Limassol auf. Wir parkten auf dem bekannten Parkplatz, nur das heute wegen unseres späten Erscheinens kein Schatten mehr für das Auto verfügbar war. Egal. Schnell waren wir in die winzige Fußgängerzone eingetaucht. Karin und Heidi verschwanden in einem Spezialgeschäft für Tischdecken und Günter konzentrierte sich auf das Angebot an Süßwaren. Ich bat Günter, die Frauen auf Nachfrage darüber zu informieren, daß ich ins Touristenbüro gehe und mich nach möglichen halbtägigen Schiffstouren von Limassol aus erkundige.
Obwohl die Touristeninformation gleich um die Ecke liegt - mittig der Fußgängerzone die Gasse in Richtung Meer rechts an der Ecke - dauerte die Recherche länger als angenommen. Nachdem sowohl Karin als auch Heidi fündig geworden waren und Günter sich durch das Nußsortiment gekostet hatte, setzten sie sich in ein Kaffee. Heidi rief mich an, wo ich bliebe. Ja das zog sich.
Erst hatte ein Tourist die einzig aktive Informantin mit einer nur zeitaufwendig zu beantwortenden Frage blockiert. Dann erhielten zwei Wanderinnen noch einen Satz Wanderkarten und einige Erklärungen dazu, bevor ich mein Anliegen vortragen konnte. Nein, Schiffsreisen vermittelten sie nicht, das täten nur Reisebüros. Die Straße runter wäre gleich eins. Sie berieten nur zu kulturellen, archäologischen oder sonstigen interessanten Zielen. Vor allem mit Wanderkarten für mit dem Rad oder dem Auto zu erreichende Regionen könnten sie dienen.
Als ich irgendwann mein Interesse an einer kleinen Bootstour so umschrieben hatte, daß der Begriff „half day cruise” fiel, hatten wir den gemeinsamen Nenner gefunden, aber noch keinen Anbieter. Pafos, Polis und Agia Mapa sind da entschieden besser aufgestellt. Die nette Informantin hatte diesbezüglich nur zwei, drei Telefonnummern im petto, die sie auch gleich kontaktierte. Der Erste bot nur Angeltouren an. Der Zweite erbot sich, uns für 40,-€ zum Calmarifischen mitzunehmen. Ohne Fischen kostet der Trip 35,-€ allerdings mit Transfer vom Wohnort. Wenn der wüßte, daß wir in Klonari wohnen. Beim Dritten war die morgige Vormittagstour schon ausgebucht, aber wir könnten gern morgen um 9.30 Uhr am alten Hafen vorbeikommen, für Montag buchen und uns dabei gleich das Schiff ansehen. Na gut, schauen wir mal. Die Telefonnummern hab ich jedenfalls.
Zum Glück saß die restliche Reisegruppe noch im Café, als ich mit meiner Ausbeute an Flyern, Karten und obigen Informationen wieder zu ihr stieß. Der frisch gepreßte Orangensaft tat gut. Wir begaben uns in Richtung alten Hafen, um den Ort des eventuellen maritimen Geschehens in Augenschein zu nehmen. Und gleich nebenan sollten ja auch die großen Weinhändler ihre Firmensitze haben. Der erste Blick auf den Hafen, wo forografieren verboten ist, ließ uns jegliche Lust auf einen Besuch des selben verlieren. Von der einen Seite ist alles eingezäunt und von Polizei bewacht. Um zu einem auf der anderen Seite der alten Lagerhäuser gelegenen zivilen Eingang gelangt man nur entlang einer intensiv befahrenen Straße ohne nennenswerten Bürgersteig. Touristenfreundlich war das alles nicht. Da fahren wir dann doch lieber nach Polis.

- Keine Fußgängerzone

- Shoe Shop
Nach dem Durchstöbern eines riesigen Andenkenareals in den Räumlichkeiten der ehemaligen Johannisbrotfabrik bekamen wir plötzlich Hunger, den wir an der Markthalle zu stillen gedachten. Die Markthalle hatte schon geschlossen, denn spätestens um 14.30 Uhr wird hier das Angebot mit Tüchern abgedeckt und der Verkauf beendet. Das Angebot der Markthallentaverne war aber noch vollumfänglich gegeben. Günter und ich füllten je ein Tablett mit den uns genehmen Schnitzeln und Desserts sowie von unseren Frauen gewünschten Salaten. Auf die Frage der Kassiererin nach meiner Zugehörigkeit zur hiesigen Universität antwortete ich wahrheitsgemäß mit „Nein”, was den Preis durch Einzelabrechnung der Speisen und Getränke von 5,50€ für Uniangehörige auf 11,-€ anwachsen ließ. Ich gab Günter, der einige Esser hinter mir stand, den Tip, die Frage mit „Ja” zu beantworten. Als er dann an der Reihe war, tat er dies auch, was dazu führte, daß er seinen Uniausweis zeigen sollte. Da sieht man mal, wohin Vergeßlichkeit führt - er mußte 12,-€ bezahlen.
Gestärkt fuhren wir nun an den Lady's Mile Beach, um uns an der, vom Golfer Dieter empfohlenen Captain's Cabin im Meer zu erfrischen. Vielleicht würden ja auch die englischen Kunstflieger ihre Stunts üben, die man von hier aus gut verfolgen können soll. Wir ließen uns in der ersten Reihe der Kabine nieder und bestellten uns ein paar Getränke. Nur Heidi konnte sich zu einem Bade durchringen und wir warteten auf die Stunts der Kunstflieger.

- Beobachtung des Schiffsverkehrs

- Das Schiff BLACK...
Zwischenzeitlich beobachteten wir den regen Schiffsverkehr mit dem Fernglas. Vom Namen der Passagierfähre konnte ich nur ein anfängliches „BLACK” erahnen. Als ich Günter das Fernglas reichte und ihn bitten wollte, den Rest zu entziffern, traten plötzlich zwei Kunstflieger auf, die einen Stunt hinlegten, der die Zuschauer in zwei Lager spaltete. Das eine sah sich Lachkrämpfen ausgesetzt und das andere beobachtete mit besorgter Mine den Ausgang des Stunts. Nein, es hatte keinerlei Verletzungen gegeben. Für die pausierenden englischen waren die zwei deutschen Kunstflieger Günter und Jost eingesprungen. Die solide Sitzgruppe hatte im tiefen Sand mangels weiblichen Gegen- das Gleichgewicht verloren und sich beängstigend zur männlich besetzten Seite geneigt. Wir sagten uns „Nur fliegen ist schöner!” und landeten samt Kaffeetassen und Bierglas ganz sanft und weich im Sand des Strandes. Der Flug war zwar ziemlich kurz und die geflogenen Figuren nicht besonders kunstvoll, die Landung aber quasi perfekt, denn es war überhaupt nichts zu Bruch gegangen. Zum Dank dürfen wir uns bei unseren nächsten Besuchen gleich an richtige Tische setzen.

- Jetzt in der zweiten Reihe

- Das eine Lager
Auf dem Rückweg hielten wir am Supermarkt, um noch Benötigtes für den heutigen Grillabend einzukaufen. Die meiste Zeit dabei brauchte fast das Warten auf das Ausparken einer jungen Frau, die mit ihrem roten Mini nicht zurechtkam. Ist aber auch ein störrisches Auto.

- Der Grill brennt
Nach Abschluß der Vorarbeiten (Einlegen des Fleisches, Bereiten der Backkartoffeln) entzündete Günter das Feuer im Grill. Obwohl sich kaum ein Lüftchen regte, klappte das hervorragend. Wir brauchten nicht einmal zu wedeln. Und dann kamen Hähnchenbeine, Kammscheiben und die Schweinelende nach und nach auf den Grill. Dazu wurden die Backkartoffeln und Salat gereicht. Das Fleisch war zart und saftig und ergänzte sich mit den Beilagen zu einem formidablen Essen. Die Lende wurde nur zum Kosten angeschnitten, denn nach Bein und Kamm waren schon alle gesättigt. Lob allen Beteiligten für das leckere Mahl.
Nach dem Essen schauten wir uns die Bilder vom Vortag an und freuten uns des Urlaubs. Kalinista!
Jost



