Galicien - 26. August 2015
Die Entdeckung einer Fährlinie
Die Weckfunktion des Handys beendete unsere Nachtruhe um 7.57 Uhr. Es war noch so wenig hell wie immer, obwohl es noch nicht regnete.Dazu kam es erst gegen 8.45 Uhr, als wir den Frühstücksraum betraten. Der Chef zuckte bloß mit den Schultern. Nix zu machen, sollte das wohl heißen. Laut Regenradar sollte es möglich sein, östlich von Santiago ein trockenes Zielgebiet zu finden. Also nichts wie weg hier. In Santiago fanden wir tatsächlich einen dreietagigen Buchladen, der alle Wanderkarten Galiciens sauber geordnet in den Maßstäben 1:25.000 und 1:50.000 anbot. Neben der Übersichtskarte (1:150.000) kauften wir die Karte 96(06-07)der MTN50 (Mappa Topográfico Nacional de España).
Uns hatte es der Stausee Portodemouros angetan, wo wir die Halbinsel von Sonto bewandern wollten. Jetzt tröpfelte es auch in Santiago, was uns ins Parkhaus trieb. Ich gab dem Navi schon mal Sonto als nächstes Ziel bekannt. Leider gibt es davon fünf allein in Galicien und weil wir uns mit den Gemeinden nicht auskennen, verzichteten wir vorerst auf die navigatorische Unterstützung. Das sollte sich bitter rächen. Richtung Flughafen war erstmal richtig. Dann macht eich den Fehler, anstatt den Kreisverkehr im Notfalle drei Mal zu umrunden, bog ich sowohl kurzentschlossen als auch falsch ab. Anstatt nach Osten fuhren wir nun gezwungenermaßen bestimmt 25km nach Norden. An einem Rastplatz reanimierte ich das Navi und gab ihm die Aufgabe, mich nach Arzua zu dirigieren. Klaglos kam das Navi seiner Aufgabe nach. Auch die Unterbrechung zwecks Nahrungsaufnahme brachte es nicht von seiner Route ab.

- Spitzenverpflegungspunkt
Wir hatten am Straßenrand ein Restaurante ausgemacht, das gut besucht schien. Diverse LKW und viele PKW waren von ihren Fahrern hier abgestellt worden. Wir gesellten unser Auto dazu. Völlig unbedarft betraten wir die fast gefüllte Gaststube. Sämtliche Zweier- und Vierertische waren besetzt. Uns blieb nur, an einem Sechsertisch Platz zu nehmen. Eigentlich hatten wir vor, uns einen Imbiß zu gönnen und dann weiter zu fahren. Auch hier war ausschließlich spanisch angesagt. Wir einigten uns auf Fisch für Heidi und Fleisch wie beim Nachbarn für mich. Und vorher sollte es eine landestypische Suppe, dazu Weißwein und Wasser - super!
Plötzlich sprach uns eine Dame auf schwäbisch an. Sie hätte mitbekommen, daß wir aus Deutschland und nicht so richtig zurecht kämen. Wir hatten ja nach der Karte gefragt, die es hier aber nicht gäbe. Die Gerichte würden aufgezählt und man wähle danach aus. Und es gäbe auch keine Tapas, sondern nur ein Menü. Die Dame war Spanierin und hatte 22 Jahre in Heilbronn gearbeitet - Wahnsinn. Wir hätten unsere Bestellung noch einmal aktualisieren können, ließen es aber.
Heidis Weißwein war leicht und erfrischend, wie auch mein Wasser. Die Kichererbsensuppe mit den Einlagen erwies sich als sowas von schmackhaft. Die Fischplatte beherrbergte drei Sorten Fisch, von denen wir nur den Lachs benennen konnten. Hauptsache es schmeckt. Und ich bekam ein kleines, gesottenes und übergrilltes Schweinekeulchen vom Feinsten. Den Kartoffeln schien auch eine besondere Bereitung zuteil geworden zu sein. Sie waren außen sehr gelb, schwammen in Olivenöl und wenn man sie zerteilte, zeigte sich nur die Mitte kartoffelig. Die dicke Kruste war ebenfalls gelblich und mit Olivenöl getränkt. Das kannte ich bisher noch nicht.
Ach und dann kam ja noch der Nachtisch. Flan blieb Heidis erste Wahl und ich entschied mich für den Schokoladenkuchen. Dazu, dachten wir, aber eher danach kam der Kaffee, dessen Zubereitung die Spanier absolut beherrschen. Den Schuß Schnaps mußte ich wegen der Chauffiererei leider ablehnen. Völlig gesättigt und zufrieden fragte ich die Heilbronnerin, wo man denn hier bezahle. Ich hatte nicht darauf geachtet, aber eigentlich waren alle Gäste einfach nur aufgestanden und hatten die Gaststube verlassen. Der Serviererin wäre es am liebsten, übersetzte unsere hilfsbereite, schwäbische Tischnachbarin, wenn wir beim Chef an der Theke bezahlen würden. Es stünden 17,-€ an. Unglaublich.
Der fragte nach meiner Herkunft und forderte die 17,-€ in bestem Deutsch ein. Umgehend wurde mir ein weiterer Kaffee angeboten, den ich gern annahm. Nur den Weinbrand oder den 43%igen Trester zum Verdünnen des Coffeins ließ ich weg. Genial, oder?

- Da geht's lang

- Bitte hupen!
Nachdem uns das Navi nach Arzua gebracht hatte, begann wieder Heidis Kartenarbeit. Irgendwie schafften wir es, uns die Nebenstraßen gewogen zu machen. Bei Rendos fiel mir erstmalig der Hinweis auf eine Fähre auf. In keiner der beiden, uns verfügbaren Karten und auch im Speicher des Navis gab es den geringsten Hinweis auf eine existierende Autofähre. Unsere Neugier war geweckt, zumal diese Schilder uns in Richtung Soto zu führen schienen. Als wir am Ufer des Stausees anlangten, legte die Fähre gerade gegenüber ab. Ein Schild bat um ein akustisches Signal, so man übergesetzt werden wollte. Als der Fährmann anlegte, so gegen 16.00 Uhr, fragte ich nach dem Ende der Dienstzeit. Offensichtlich nicht verständlich, denn die Antwort lautete, man müsse sich nur bemerkbar machen und dann kämen sie schon. Es sind nämlich zwei Mann an Bord. Und wieviel kostet der Spaß? „Nada!” lautete die Antwort. Eine in keiner Karte existente Fähre lebt vom Nichts. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.
- Auf sonnigem Wege__________Picknickplatz________________Einladende Fähre

- Die Überfahrt
Wir wechselten das Schuhwerk, umwanderten die Halbinsel und kehrten nach zwei Stunden zur Fährstation zurück. Die Fähre lag zufälligerweise an unserem Ufer und der Fährmann war mit der Wurfrute unterwegs. Sie schienen fast auf uns zu warten, obwohl wirklich in regelmäßigen Abständen Insider übergesetzt werden wollten. Wir wechselten erneut die Schuhe und ich mein Shirt, bevor wir von dem See, der Sonne und den Leuten verwöhnt, auf die Fähre fuhren. Frixe konnte ich dem Navi erst am anderen Ufer anheimgeben. Die spanischen Daten scheinen den Gegebenheiten um Einiges hinterher zu hinken. Also die MTN50 ist aktueller!
Schon vor Santiago de Compostela setzte der Regen wieder ein, was Heidi total verstummen ließ. Ich verließ mich auf's Navi und hängte mich eine gute Zeit lang an ein Taxi. Dadurch reduzierte sich die anfänglich angekündigte Ankunftszeit um ungefähr 20 Minuten. Kurz nach Acht setzte ich Heidi vorm Hause ab und parkte ein. Da wir immer noch satt von dem einmaligen Menü und der Landstraße waren, bestellte ich nur etwas Wein für uns. Im Diningroom ließen wir den Tag ausklingen wie immer - lesend und schreibend...
¡Buenas noches!



