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Pula

Dienstag
22. Mai 2007

 
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pula.gifEine ganz besondere Stadt

Heute früh war der Krämerladen gottseidank nicht so voll wie am Sonntag. Da hatte ich etwas Pech, als eine ältere Dame kurz vor mir das Geschäft betrat. Es wurde gerad ein junges Mädel mit Brötchen versorgt. Da die jüngere der beiden Verkäuferinnen, ich vermute die Tochter, allein im Laden war, mußte sie auch kassieren, was die Dame vorzuziehen gestattete. Sonst scheint es üblich zu sein, daß erst die zu bedienende Kundschaft und anschließend die auf's Bezahlen wartende Schlange abgearbeitet wird. Jedenfalls erfolgte nun wieder die Bedienung und damit die Ausstattung eines offensichtlich oppulenten Picknicks. Endlich kam ich an die Reihe und bekam meine drei Sesambrötchen und zwei salzigen Milchbrotstangen. Nun war natürlich die Schlange hinter mir beträchtlich angewachsen und es würde eine Weile dauern, bis die Kassenschlange zum Zuge käme. Zum Glück tauchte dann doch die zweite Verkäuferin au, sodaß die gottgegebene Aufteilung der Schlangen wieder einen Sinn ergab und ihr Umfang in Paralleverarbeitung verringert werden konnte. Heute war ich nach zwei Minuten wieder auf dem Weg zur Villa Palma und brauchte später auch keine Entführungstheorien entkräften. Der Kaffee, der heute erstmals mit unserer neuen, in Triest erstandenen Espressomaschine bereitet und dann mit heißem Wasser auf normale Koffeinkonzentration gemixt wurde, schmeckte ausgezeichnet. Das zweimalige Befüllen und Kochen, um den allgemeinen Kaffeedurst zu stillen, nehmen wir gern in Kauf. Bei einer Füllung können nämlich maximal neun Mokkatassen generiert werden. Nach dem genüßlichen Frühstück wurden erstmal die Betten neu bezogen, denn heute ist Bergfest.

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Das Amphitheater
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Die Arena
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Und nochmal in romantischem Licht

Gegen dreiviertelelf brachen wir auf, die schöne, alte Stadt Pula zu besuchen. Über die Schnellstraße, die jetzt ganz knapp vor Pula endet und in die Landstraße nach Labin mündet, benötigten wir keine Stunde, bis wir das Auto - sogar im Schatten - abgestellt hatten. Nach zweihundert Metern zu Fuß standen wir schon vor dem kolossalen Amphitheater Pulas, dem sechstgrößten noch zu besichtigenden Bau dieser Art auf altrömischem Boden. Für 30,- Kuna pro Nase darf man sich das Teil auch von innen ansehen. Der Audioführer kostete weitere 30,- Kuna und erklärte an 20 Punkten alles Wichtige zur Entstehung, Nutzung und Erhaltung des Bauwerkes. Ich will nur ein paar Eckdaten nennen. Der Endausbau wurde zur Zeit Kaiser Claudius für 23.000 Zuschauer erreicht. Es ist 34 Meter hoch. Die Arena maß ca. 70 mal 50 Meter im Oval und war für alle möglichen Gladiatorenkämpfe außer Schiffsschlachten ausgelegt. Die konnte man ja ohne Mühe vor der Haustüre zelebrieren, so man wollte. Nach dem Ende dieser Volksbelustigung im 5. Jahrhundert verschwanden nach und nach sämtliche Sitzsteine und wurden in privaten Bauprojekten, in Palästen Venedigs, in Kirchen- und Festungsbauten benutzt oder eingeplant. Venedig spielte sogar mit dem Gedanken, alles auf die andere Adriaseite zu holen! So scheint es schon als kleines Wunder, daß dieser Circus in diesem Zustand und an dieser Stelle zu bewundern ist.

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Das Forum mit Rathaus

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Der Augustustempel
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Am Triumpfbogen

Durch die Altstadt, wo Heidi sich ein neues Portemonais leistete, während ich erstmal eine Limonade bestellte, gelangten wir zum Forum. Dies ist ein sehr attraktiver Platz mit Bauten aus mehreren Jahrtausenden. Begleitet von einem etwas absonderlichen Pseudotelefonierer durchquerten wir den Triumpfbogen. In der in Karins Reiseführer empfohlenen Markthalle aßen wir zu Mittag. Mein paniertes Fischfilet schmeckte sehr gut und auch Karin war mit ihrer istrischen, groben Bratwurst zufrieden. Nur Heidi mäkelte an ihren Spaghetti mit Früchten des Meeres herum. Die Muscheln wären aus der Büchse, die Nudeln zu weich und sowieso schmeckte alles wie zusammengekehrt. Es ist das erste Mal und wird hoffentlich auch das letzte Mal bleiben, daß uns die istrische Küche enttäuschte. Unterhalten wurden wir von einer Gruppe deutscher Jugendlicher, die wahrscheinlich auf Klassenfahrt, dem Personal das Leben schwer machte. Sie hätten keine Zeit mehr und würden die allgemein lecker aussehenden, noch nicht gebrachten Pizzen nicht mehr schaffen. Oder die Behauptung, trotz ausdrücklichen Nachfragens Schweinefleisch vorgesetzt bekommen zu haben, das man dann gutgläubig als Nichtschweinefleich gegessen habe und deshalb auf gar keinen Fall bezahlen würde. Wie sich bald herausstellte, war Putenschnitzel serviert worden. Die arme Lehrerin plagte sich dann später mit den aufmüpfigen Wänstern herum. „Jetzt verläßt bitte niemand mehr die Gruppe!”, „Wir müssen nochmal auf die Toilette.”, „Nein, hier kann ich nicht gehen!”, „Wer kommte mit auf den Markt?” ...

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Eine Bastion des Kastells

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Das Tor mit Zugbrücke

Wir begaben uns auf die Suche nach dem Kastell, das wir hinter dem griechischen Theater auch fanden. Nach der Umrundung des Kastells gingen wir hinunter zum Hafen, der größer als der von Poreč oder Vrsar ist und entsprechend industrieller und unattraktiver. Abschließend kauften wir noch eine Flasche Sekt für das Bergfest und flanierten zum wieder im Schatten stehenden Auto. In sechs Stunden hatten wir eine Unmenge interessanter Dinge erfahren und gesehen. Der Besuch hatte sich mehr als gelohnt. Ohne Komplikationen gelangten wir zurück zur Villa Palma, wo wir bis kurz vor 20.00 Uhr ausspannten, bevor wir zum Abendessen gingen.

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Zum Bergfest

Die Pizzeria und Fischrestaurant an der Laguna Materada war unser Ziel. Diese Kombination wird hier viel praktiziert. Karin bestellte sich Sardinen und Heidi Muscheln jeweils mit Schopsker Salat. Ich blieb bei Fisch, der diesmal im Ganzen gebraten und als schmale Goldbrasse empfohlen wurde. Diesmal waren wir alle drei mit unserer Wahl zufrieden, zumal der Weißwein das Mahl wunderbar abrundete. Im Fernsehen lief Boxen. Irgendwie versuchte Walujew sein Selbstvertrauen wieder ins Lot zu bringen. Ob ihm das gelang, verfolgten wir nicht weiter, sondern tranken einen Grappa bzw. Bananenlikör auf's Haus. Der kaltgestellte Sekt wartete schon. Auf der Uferstraße, deren Beleuchtung nicht ganz bis nach Mali Maj reicht, gingen wir zurück zu unserem Feriendomizil. Ich hatte zwar meine Taschenlampe dabei, setzte sie aber nicht ein, wodurch wir mehr Sterne als üblich sehen konnten. Und dann stieg die große Party bei kroatischem "Napoleon" - demi sec. Karin erzählte von ihrer persönlichen Nichteignung als Lehrerin, was Erinnerungen an exkursierende Schulklassen wachrief. Leider war schon wieder ein sehr schöner Urlaubstag vorrüber. Dobre Noc!

Jost

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