Ligurien - 15. Mai 2013
Genua, da Albenga im Regen
Wir konnten zwar ohne Regenschirm zum Frühstück gehen, aber zu Freiluftaktivitäten einladen tat das Wetter nicht. Wir nahmen im Gegensatz zu den ersten Tagen das Frühstück im Speiseraum ein. Daß wir im Schlechtwetterfalle Genua besuchen würden, war sozusagen abgemachte Sache. Die Küstenstraße wird im Reiseführer wegen ihrer Schönheit hoch gelobt. Na mal sehen.
In Albenga bis zur Küstenstraße durchzustoßen ist garnicht so einfach. Mitten durch ein ausgedehntes Gewächshausareal gelang es uns doch. Vom Meer war dann allerdings nicht so viel zu sehen, da es hinter dem Bahndamm liegt. Uns fiel sofort die Ähnlichkeit zu Cannes auf. Die folgenden Badeorte sind auch nicht sonderlich originell oder besonders. Auch hier sieht man vom Meer nichts, da die Umkleidekabinen der Pachtstrände den Blick weiträumig abschirmen, wenn die "Küstenstraße" nicht sowieso hintenlang verläuft. So kam uns die Sperrung vor Savona ganz recht und wir wichen auf die Autobahn aus.
Für 4,60€ umfuhren wir die Küstenstraße bis Albissola. Ab hier gibt es einige Küstenabschnitte, die so felsig und steil sind, daß es eine Freude ist und der Blick aufs Meer unverbaut bleibt. Ein weiterer Tip des Reiseführers lautete, man solle mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt fahren, da Parkplätze rar und teuer sind. Wir parkten also am Bahnhof von Arenzano. Von dort gelangt man mindestens alle halbe Stunde in 40 Minuten für ungefähr 7,00€ nach Brignole und zurück. Die Altstadt Genuas ist dann fußläufig gut zu erreichen.
Anstatt direkt nach rechts in die Altstadt zu pilgern, ließen wir uns von der Piazza della Vittoria in den Süden ziehen. Das hatte den Vorteil, daß wir in der Via Vanucci eine rustikale Pizzeria fanden, in der wir aufs Beste bedient wurden. Wir teilten uns eine Pizza Quadre Stagioni und unterhielten uns auf englisch sehr nett mit dem Wirt.

- An der Kathedrale
Als wir dann endlich satt und zufrieden in die Altstradt gelangten, fiel uns auf der Via San Lorenzo der Auflauf an uniformierten Alpenvereinsmitgliedern auf. Überall standen Absperrgitter herum und vor der Kathedrale lagen reihenweise Grabkränze. Sogar Kameraleute hatten sich in einer zu verkaufenden Wohnung gegenüber der Kathedrale eingemietet. Ein großes Spektakel wurde offensichtlich erwartet. Was hier aus welchem Anlaß passieren sollte, war nicht ersichtlich.
- Delikatessen___________________Damenmoden____________Kirche über Souveniershop
Wir streiften weiter durch die engen, von hohen sechsgeschossigen Häusern gebildeten Gassen, bestaunten die verschiedenartigen Geschäfte und Galerien. Wo es allerdings für Geschäfte zu eng war, rochen die Gassen etwas streng. Irgendwie gelangten wir wieder an die Piazza San Lorenzo. Die Masse der wartenden Menschen hatte zugenommen. In der Hoffnung, daß einer der Kameraleute englisch spricht, fragte ich, worauf all diese Leute warteten. Es handele sich um die Trauerfeier anläßlich des Todes der Hafenlotsen, die ums Leben gekommen waren, als ein Schiff ihren Turm gerammt hatte. Der Staatspräsident und diverse Minister würden erwartet. Das erklärte alles. Dafür waren die Sicherheitskräfte erstaunlich ruhig. Es sollte aber auch erst in anderthalb Stunden losgehen.
- Die "Neptune"_______________Heidi hält den Kurs___________Viel Platz zum Scheuern
Wir hatten den alten Hafen noch nicht gesehen und begaben uns deshalb in dessen Richtung. Unterwegs kauften wir Ansichtskarten, die hier nur 0,20€ kosten. Die Nachfrage scheint durch die neuen Medien eingebrochen zu sein, zumal allein der Versand 85 Cent kostet. Jedenfalls war auf einer dieser Karten eine Karavelle abgebildet, die wir dann im Hafen direkt bewundern durften. Für 5,-€ Eintritt ließen wir es uns nicht nehmen, dieses beeindruckende Schiff (62x18 Meter) zu entern. Es handelt sich nämlich um das Original aus Roman Polanskis Film "Piraten" (1986) unter anderen mit Walter Matthau. Den muß ich mir mal ausleihen.

- Der alte Hafen mit moderner Kunst
Wir ließen dann die, einige Schritte hinter dem Aquarium neu installierten, architektonischen Ideen auf uns wirken und einen Rosenverkäufer abblitzen. Bevor wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof begaben, besuchten wir das "Eataly", ein über dem Hafen liegenden Delikatessentempel. Man kann ihn sich vorstellen wie die fünfte Etage im KaDeWe nur eben mit dem Blick auf den alten Hafen.
Der kürzeste Weg zum Bahnhof Brignole führt wie selbstverständlich über die Piazza di San Lorenzo, wo die Zeremonie in der Kathedrale in vollem Gange war. Wir umgingen die Piazza und schafften um 18.52 Uhr den Zug nach Ventimiglia. Eigentlich hatten wir erst mit dem um 19.00 Uhr nach Savona gerechnet, waren aber trotzdem nicht eher in Arenzano, weil der Zug einfach satte 13 Minuten auf freier Strecke hielt. Egal, wir haben ja Urlaub.
Als wir aus dem Zug stiegen, begann es zu nieseln und hörte auch nicht mehr auf. Entlang der Küstenstraße ging es zurück in Richtung Albenga und es wurde langsam Zeit für das Nachtmahl. Als ich auf der Höhe Borghettos ein ansprechendes Ristorante ausmachte und Heidi fragte, ob ich anhalten solle, sagte sie - nichts. Ich hielt sofort, da die Parkplätze gegenüber dazu einluden. Wie sich herausstellen sollte, war Heidis Wahl eine gute. Es gab Fisch zu angemessenen Preisen und nach unseren Wünschen bereitet. Heidi meinte, ihr Thunfilet schmecke wie Schnitzel. Das Filet vom gelben Thunfisch war auch so paniert - Milaneser Art halt. Ich hatte mich für den Peterfisch entschieden, angerichtet nach hiesigem Rezept mit frischen Tomaten, Koblauch und Weißweinsauße - ein Gedicht und superzart. Als ich in etwa die Hälfte genossen hatte, mußte ich allerdings mit Heidi tauschen. Heidi war begeistert. Alles in allem waren wir sehr zufrieden. Mit dem Namen des Etablissements kann ich leider nicht dienen, da mir keine Rechnung oder Visitenkarte vorliegt.
Es war inzwischen 21.30 Uhr geworden. Der Regen hatte aufgehört zu nieseln, war also stärker geworden. Ich hatte das Gefühl, am heutigen Mittwoch wären einige Sonntagsfahrer unterwegs. Mehrfach bildeten sich Autoschlangen. Egal, wir haben ja Urlaub und da reicht es völlig aus, daß wir um 23.05 Uhr in Marmoreo eintrafen. Bei einem Glas roten Weines ließen wir den ereignisreichen Tag ausklingen. Einige der aufgenommenen Fotos könnten in die engere Wahl für unsere Urlaubsgalerie kommen.
Buona Notte!



