Madeira - 20. Mai 2008
Erkundungen und Baden
Um halbneun wurden wir munter. Heidi meinte, die Anzahl ihrer Stiche sei konstant geblieben. Na das ist doch ein grandioser Erfolg. Dafür war die Wäsche noch nicht ganz trocken. Da wir heute eh nicht wandern wollten - kein Problem. Obwohl, wenn man sich die Wolken anschaut - nur Zirrus weit und breit - könnten wir doch mal in die Bergregion um die höchsten Gipfel schauen. Auf den dritthöchsten Berg, den Pico de Ariero kann man mit dem Auto fast hinauffahren. Und vielleicht ließe sich in der Touristenstation der Busfahrplan für Porto da Cruz in Erfahrung bringen. Als unser selbstgepreßter Orangensaft ausgetrunken war, brachen wir auf. Und mit uns leider auch die Wolken.
Zuerst aber mal in die Information gehen. Auf meine Bitte nach dem bewußten Busfahrplan führte die nette Frau bedauernd aus, daß sie die Pläne für Funchal, den Westen und auch den Norden gern zu Verfügung stellen könnte, aber beim Osten hapere es und Internet habe sie zur Zeit auch keins. Was soll man dazu sagen? In Lugar de Baixo genügte auch ein Bauchladen anstelle des Informationsbüros. Also auf zum Pico do Ariero (1818m).

- Wolkengewaber
Auf der Schnellstraße waren wir auch schnell an der richtigen Auffahrt vorbei, weil nur S. Roque und Monte ausgeschildert waren, nicht aber die ER103, der wir folgen wollten. Die nächste Abfahrt runter, wenden und zurückfahren schien die übersichtlichste Variante. Das sehen die hiesigen Verkehrsplaner aber anders und unterbinden solche schlichten Ansätze durch originelle Einbahnstraßenkreationen. Wir entkamen dem Labyrinth, fuhren an der Abfahrt Monte von der Schnellstraße und waren schon wieder mittendrin im Chaos. Ich folgte nur noch stur den Schildern "Monte", selbst als wir schon mitten in Monte waren. Und erst als wir Funchal verlassen hatten erschien "Faial" auf einem Schild, na also denn man tau. Wir kurvten bis zum Poiso Pass hinauf (1400m), um dann links abzubiegen und der ER202 (keine Angst, steht nirgends dran) bis zum Pico do Arieiro zu folgen.

- Auf dem Pico do Ariero
Bis hierhin hatte uns ein anderer Tourist durch den Nebel gelotst. Der Nebel wurde aber nicht dichter und so gelangten wir ohne Probleme auf den Parkplatz der Berghütte mit Souvenierladen und Restaurante. Und Platz war auch genug. Die Sicht nach oben war in Ordnung, der Himmel blau. Den höchsten Berg (Pico Ruivo, 1862m) bekamen wir überhaupt nicht zu gesicht. Nur manchmal tauchte ein tauchte ein Aussichtspunkt am Pico de Cidrão (1798m) aus den Wolken auf, der wie ein Schwalbennest am Berg zu kleben schien. Auf dem Parkplatz sprachen wir mit einem Wanderpaar, das 4½ Stunden für die Tour zum Pico Ruivo und zurück gebraucht hatte. Der Wanderweg ist bestens ausgebaut, was zu irrsinnig vielen Treppen mit teilweise unangenehm hohen Stufen geführt hat. Es ist jedenfalls echt anstrengend. Und man muß früh los, denn mittags kommen die Wolken. Davor gibt's die tollsten Ausblicke. Na gut, wir werden die Tour im Auge behalten. Wenn's früh hier nicht stimmt, kann man immer noch nach Porto da Cruz hinunter.
Dort mußten wir aber zuallererst die Busverbindung zum Tunnel von Caniçal herausfinden. Dazu fuhren wir wieder hinunter zur ER203 und dann über Ribeiro Frio, wo uns die Forellen mit 13,- € etwas überteuert erschienen. Wir würden sicher bei Seefisch bleiben. Als unsere Straße bei Faial wieder auf die ER101 mündete, verführte uns das gegenüberliegende "Restaurante Ruta" zur Einkehr. Wir huschten über die ER101, um dann geradezu Parkstellung einzunehmen. Man sitzt dort gut an der Ribeira S. Roque, die weiter oben noch Fria heißt. Ich hielt diesmal das Thunfischsteak für angesagt, Heidis Teller hatte letztens in Porto da Cruz überzeugend ausgesehen und die Beilage (Polenta nach Art des Hauses) sprach mich auch an. Heidi hielt sich erneut an Espada mit Banane. Es schmeckte alles sehr gut, aber das Preis-Leistungsverhältnis stimmte nicht so recht. Um dies zu konkretisieren nur soviel, in Porto da Cruz hatten Heidis Thunfischsteaks (es waren zwei) 9,- € gekostet und hier praktisch die Hälfte an Fisch 10,- €. Und für das Knoblauchbrot wurde auch das Doppelte des sonst üblichen Preises verlangt. Schade.

- Porto da Cruz am Adlerberg
In Porto da Cruz fanden wir die Information nicht und so fragten wir im Gemeinderat nach. Leider konnten wir uns mit der Vertreterin der Gemeinde rein sprachlich nicht verständigen, aber am Gemeinde-PC saß ein englisch sprechender Schüler, der freundlicherweise übersetzte. Mit dem Bus führe man generell bis Machico und von dort weiter hoch nach Caniçal. Also doch keine wirkliche Alternative. Wieviel ein Taxi koste, könne sie nun überhaupt nicht sagen. Trotzdem besten Dank! In unserer meistbesuchten Gaststätte fragte ich den Wirt, ob er weiterhelfen könne. Kein Problem, er frage nach, lautete die Antwort. Ein kurzes Telefonat - 18,- €, das scheint in diesem Falle ein fairer Preis zu sein. Er öffne um 8.00 Uhr und wir könnten weiter auf seine Hilfe zählen. Sehr nett! O.K. soweit war alles geklärt.

- Eine Schnapsbrennerei
Wir umrundeten diesmal die Cais des Ortes. Das geht erst seit 2004, denn da wurde die neue, trotzdem steinschlaggefährdete Promenade eröffnet. Am Ende des Rundganges bilden die alte Schnapsfabrik und ein neues Strandensemble einen dramatischen Gegensatz. Auf jeden Fall erreicht man die Schnapsfabrik von der Eventebene aus auch mit dem Rollstuhl. Das ist doch eine Alternative.
Über die uns noch unbekannte ER102 fuhren wir nach Funchal hinüber und dann weiter heim. Ich machte es mir tagebuchschreibend auf der Dachterrasse gemütlich. Heidi las und übte ihre Stimme. Eigentlich könnten wir mal baden gehen. so initiierte ich eine neue Urlaubsaktivität. Alles Nötige lag sowieso im Auto und so fuhren wir nach Porto do Sol. Wir machten es uns am vielleicht zweiten Sandstrand Madeiras gemütlich und ich stürzte mich umgehend in die Fluten. Das heißt, Badeschuhe sind hier sehr hilfreich, weil der Sand des Strandes sich weiter oben konzentriert und die vom Wasser umspülten Steine entsprechend rutschig sind. Ansonsten schwimmt es sich im abgeschotteten Becken sehr angenehm, zumal das Wasser bei ca. 19°C wohl temperiert ist. Heidi wartete erstmal ab, bestimmt ein andermal. Nach dem erfrischenden Bade fehlte jetzt nur noch ein erfrischendes Getränk und etwas zu Essen. Da kam uns die Strandbar wie gerufen. Ja, gern zwei Bier und die Karte. Die deutschsprachige Karte bot Rippchen an (Heidi) und Picanhas oder so. Keine Ahnung was das ist, also her damit. Kurz angegrilltes Rindersteak, ziemlich englisch und zart. Es kühlte leider schnell aus, trotzdem keine schlechte Erfahrung. Mit dem Sonnenuntergang klappte es diesmal am allerwenigsten. Die Zirruswolken waren zu dicht.
Als wir in unserem Häuschen eintrafen, kam nochmal etwas Hektik auf, weil der Fotoapperat verschwunden war. Vorhin war er doch noch da! Ich hab ihn Dir doch dort gegeben! Ja, ich weiß, er muß im Auto in der Tür sein. Na gut, der Parkplatz ist ja nur hundert Meter entfernt, aber auch 20 Meter höher gelegen. Nein, da ist er nicht! Nein im Rucksack ist er auch nicht. Könnte er unter den Sitz gerutscht sein? Der Parkplatz ist ja nicht so weit weg... Dort lag er tatsächlich und schämte sich kein bischen. Heute waren nur wenige Motive festzuhalten gewesen. War er etwa enttäuscht, so selten benutzt worden zu sein? Fotografieren im einstelligen Bereich hatten wir noch nie mit ihm. Vielleicht hilft ihm ja das Rauschen des Wasserfalles über den Kummer hinweg.



