Madeira - 24. Mai 2008
Wanderversuch und -variation

- Einfach zu unwirtlich

- Licht und Schatten
Ich hatte es deshalb nicht geschafft, die Bilder zu überspielen, weil wir für heute geplant hatten, vom Pico Ariero zum Pico Ruivo zu wandern. Der Barmann hatte gestern abend gesagt, daß heute gutes Wetter würde. In der Konsequenz rüttelte uns das Handy um 6.00 Uhr aus dem Schlaf. Um 8.15 Uhr standen wir auf dem Parkplatz am Pico Ariero und mußten mit ansehen, wie sich die Vorhersage des Barmannes in den Wolken auflöste. Bei 6°C, steifer Brise und abnehmender Sicht brachen wir hier ab und wichen auf eine Alternativwanderroute aus.

- Herrliche Blütenpracht
Die 1966 erbaute Levada dos Tornos läßt sich von Babosas (Monte) aus gut erreichen und schlängelt sich dann auf 600 Meter Höhe an der Insel entlang. Parken könnte man an der Seilbahnstation. Das gelang leider nicht. Ich war etwas zu früh links abgebogen und wir fanden uns sozusagen in Altbabosas wieder. Parken kann man zu dieser frühen Stunde auch hier. Ein öffentlicher Ortsplan half uns bei der Orientierung. Weiter bergab trafen wir auf kartenspielende Carreteros. Um Neune ist noch nichts los mit dem Korbwagenfahren. Wir bogen links ab in Richtung Seilbahnstation, wo fleißig die Kabinenfenster geputzt wurden. An der Bergstation der Seilbahn am Botanischen Garten war noch garnichts los. Die Gondeln hingen unbewegt in der Gegend herum. Wir stiegen den Waldweg zur Levada hinauf und ignorierten dabei den Tunnel linker Hand, weil auch im Wanderführer darüber geschwiegen wird. Wir glaubten zwar, den Tunnelausgang zu sehen, allein die Karte sagte etwas anderes. Bleiben wir also auf sicheren Wegen und Stegen. Wo früher die Ribeira João Gomes einen Wasserfall sein eigen nannte, steht heute ein steinernes Regulierungsbauwerk. Anfangs geht es einige Meter an steilen Wänden entlang, bevor der Levadaweg zum Spazieren einlädt.

- Aussicht auf Funchal
Die Pflanzen sind hübsch anzusehen und auch der Blick auf Funchal ist an einigen Stellen gar nicht schlecht. Aber nur dafür muß man hier nicht lang. Ein Knabe saß eingekästelt in seinem selbstgebastelten Kiosk und versuchte, Bananen á -,50 € an den Touri zu bringen oder Heiligenbilder. Auch gekühlte Viertelliterwasserflaschen (ein schönes Wort) waren im Angebot. Schade, für uns war nichts dabei. Später kamen wir an einen Stand mit Pflanzenstecklingen, Zwiebeln und Ablegern á 2,50 €. Zu bezahlen war in eine Kasse des Vertrauens - keine schlechte Idee.

- Heidi mit Vogel
Das ansonsten einzig Spannende an dieser Levada ist noch der Konkurrenzkampf zweier englischer Teehäuser. Wir gingen aufgrund Christines Empfehlung in den Hortensia Gardens und dann doch nicht mehr in den Jasmin Tea House. Wir waren nämlich noch satt von der Apfeltorte mit Sahne im ersten Hause. Mit zwei Tassen Tee brappten wir stolze 12,- €. Jetzt weiß der Grünfink auch, warum er nichts abbekommen hat. Übrigens war während der gesamten Zeit nichts von verstärkten Aktivitäten auf dem Meere zu entdecken. Nur die Fischer fischten, wo wir sie auch gestern bei unserem Bootsausflug schon gesehen hatten. Es gab wohl eine kleine Segelregatta und hinter einem ebenfalls kleinen Küstenschutzschiff fuhren zehn Schlauchboote in Formation. Aber das war dem Anlaß doch nicht angemessen - 500 Jahre Funchal! Wie toll das klingt. Und irgend ein schlaues Kerlchen ist auf die Idee gekommen, man könnte doch auch schon am hellerlichten Tage ein erstes Feuerwerk veranstalten. Die Rauchfahnen können nicht das Ziel gewesen sein. Mehr war aber nicht zu sehen.
Der Ausstieg aus dem Levadawanderweg ist auch noch erwähnenswert. Erst tauchte eine Straße auf, die in der Beschreibung fehlte, genau wie die anliegende Wirtschaft. Die Levade führte uns weiter zu einer Bank. Der Blick auf einen neue Straße mit Tunneleinfahrt entsprach ebenfalls nicht den Kartenangaben. Es muß ein neuer Wanderführer her Christine! Wir sollten nun die Levada auf der linken Seite, zur Straße hin über Betonstufen verlassen. Ob es fünf oder zwanzig Stufen sein würden, war nicht klar. Wir wählten die mit der geringeren Stufenanzahl, nachdem der Schäferhund sie freigegeben hatte. Dadurch verpaßten wir leider die Begehung eines gestelzten Levadaabschnittes. Moderne Bautechnologie findet auch hier ihre Anwendung. Die Endhaltestelle der Buslinie 114 stimmt noch, was uns zuversichtlich stimmte. Und schon in einer Viertelstunde würde der Bus nach Funchal starten. Die Reihenhäuser dieser Siedlung laden nicht gerade zum Verweilen ein. Es sind aber immer wieder die frappierenden Unterschiede des Umgangs mit den Häusern. Eigentlich spricht alles für Mietwohnungen, so wie es aussieht. Aber nichts Genaues weiß man nicht. Der Bus kommt, der Fahrer bestätigt das Fahrziel und wir bezahlen 1,55 € pro Person bis zur Talstation der Seilbahn. Die Busfahrt selbst dauerte einen halbe Stunde und war sehr interessant. Jedenfalls besitzen die Reihenhäuser nach hinten raus Balkone, die allerdings gern dem Wäschetrocknen gewidmet werden. Einer war auch vernagelt und mit einem Fenster versehen worden, als Wohnraumerweiterung sozusagen. Also doch gekauft? Wir saßen in der ersten Reihe und hatten so immer die beste Sicht auf das vor uns liegende Funchal. Mal wieder hatte ein Kreuzfahrtschiff festgemacht und das Wetter wurde von Minute zu Minute sonniger.

- Malerisch am Hang liegt Monte

- Blick auf den Hafen

- Carreteros bei der Arbeit
Mit der Teleferico fuhren wir wieder hinauf nach Monte. Wir sahen von der Gondel aus auf die Stadt, alte und neue Häuser, den Linienbus stürmende Carreteros und an der Felswand arbeitende Handwerker. Als wir oben ausstiegen, waren die unten aufgenommenen Touristenfotos schon fertig und im Paket mit einer DVD über Madeira für 10,- € zu haben. Schon wieder verloren, die letzten 10,- € dahin! Die Carreteros trafen auch gerade ein und begannen, die Warteschlange der Wagemutigen wieder zu verkürzen. Wir verdrückten uns nach oben. Das Auto stand noch an Ort und Stelle, ab nach Hause.
Auf der Rückfahrt mußten wir das zweite Mal den Tank füllen. Für 63.- € wies die Anzeige auch den höchsten Füllstand aus. Sie ist also doch nicht defekt. Und die Moral, immer auf der Hut sein beim Tanken! Im Supermarkt besorgten wir uns unser Abendmahl. Die zwei Meeräschen wurden bestens ausgenommen und geschuppt übergeben. Das wird lecker. Gegrillt oder in Alufolie gegart, das war nun die Frage. Der Grill ist einfach zu klein. Es geriet alles meisterlich und so genießen wir satt und zufrieden, Heidi unter anderem Tucholski vorlesend, ich zuhörend, den Abend.
Und dann sahen wir uns doch noch die Bilder des Tages und die Madeira-DVD an. Leider war der Grünfink auf unserem Teetisch unscharf geworden. Dafür war die Madeira-DVD besser als befürchtet, aber im Endeffekt sowieso zu teuer. Kopfschüttelnd rauschte der Wasserfall.



