Madeira - 26. Mai 2008
Noch 'ne Levadawanderung
Heute wollten wir die Wanderung Numero 30 vom Donnerstag fertig wandern. Dazu schnarchte ich früh unnachgiebig und scheuchte Heidi damit um 8.00 Uhr aus den Federn.

- Zuckerrohr an der Straße
In der Information wollte ich a) fragen, wann ein Bus von Ribeira Brava wieder hinauf nach Lombada fährt und b) wie das Wetter so wird. Zu a) Gegen 16.00 Uhr fahren zwei Linien (142, 155), eine unten rum, eine oben rum. Vorher (14.00) fährt nichts. Zu b) Sie hat wegen der Telefonumstellung kein Internet 8-(. Flugs waren wir an der Kirche in Lombada da Ponta do Sol, denn das Auto kannte den Weg schon. Wir stiefelten die Straße zur Levada Nueva hinauf, wo ein anderer, von einem Bekannten angekarrter, wanderwilliger Touri nach links abbog. Wir brauchten ja nur noch die rechte Seite zu begehen. Es wurde eine sehr angenehme Tour. Anfänglich sieht die Levada Nova teilweise recht mitgenommen und nicht wirklich neu aus. Wandert sich aber trotzdem problemlos. Die in der Levada verlegte Folie stört nicht im geringsten, nur der Aufwand ist erstaunlich, wenn man sieht, wie andere Abschnitte zum Beispiel ab Candelaria, richtig saniert wurden.

- Viel zu sehen
Eine Tafel weist auf die Unterstützung der EU hin. Die notgerettete Levada da Caixa ist irgendwann später dran und wird außerdem wirklich gebraucht. Die rekonstruierte Levada da Tabua hingegen wird geschont. Hier kann man also im Notfall (Schwindel) auch trockenen Fußes in der Levada laufen. Und sie wird ein gutes Stück Wegs auch abends und des nachts durch richtige Straßenlaternen begehbar gehalten. Also es stehen dort welche. Ob sie wirklich leuchten, weiß ich nicht. Nichtsdestotrotz sind die Aussichten und die durchwanderten Agrarflächen schon allein die Tour wert. Hinzukommen noch die zu passierenden Wasserfälle, die zum Einen unterhalb der Levada fallen oder aber neuerdings - der Wanderführer wußte noch nichts davon - über eine Brücke umgangen werden. Nur wer unbedingt will, kann sich am Geländer vorbeizwängen oder auch darübersteigen, wenn er/sie auf das ursprüngliche Erlebnis des Nasswerdens besteht.

- Nach genossenem Mahl...

- Der Stieg von Paul do Mar
Der Weg ist insgesamt ganz gut von der weltreisenden Bevölkerung angenommen worden, wobei die Sprachräume sich heute auf den den englischen und den deutschen beschränkten. Achso, und es gibt auch zwei Tunnel. der erste ist zwar nur 15 Meter lang, aber der bisher einzige, in dem wir das Levadaufer wechseln mußten. Auch beim zweiten Tunnel, der vielleicht 50 Meter in der Länge mißt, gibt es keinerlei Probleme. Wir haben nicht einmal die Taschenlampen ausgepackt. Hinter dem Tunnel ändert sich die Landschaft, völlig undramatisch, überhaupt nicht.

- Altehrwürdiger Bauer

- Arbeit am Berg
Es gibt nach wie vor mehr oder weniger bestellte Terrassenfelder. Muß ja auch der Hammer sein, erstmal mindestens 'ne Stunde Anmarsch und dann noch auf Äckern ackern, wo Wanderern Schwindelgefahr angedroht wird. Könnt ich mir auch verkneifen. Aber es gibt hald so Enthusiasten, die halten die Landwirtschaft hoch und am Laufen. Zuckerrohr, Palmen, Wein, Salat, Kartoffeln, Bohnen... man kennt so manches nicht. Mit industriellem Anbau ist hier jedenfalls nichts. In Corujela, wo die EU-Hinweistafel steht, ist die eingezeichnete Bar nicht mehr existent. Das Haus selbst sieht aber blendend aus. Wir folgen der Straße weiter und finden eine andere Bar, vor der wir ein Bier trinken, um uns auf den in Kürze beginnenden Abstieg vorzubereiten. Ein Gast wollte anfangs garnicht glauben, daß wir in seine Bar wollten. Freundlicher Weise wies er uns den Weg zur Levada, was wir dankend zur Kenntnis nahmen. Die 1,40 € für zwei Bier und die Knoblauchbohnen zum Knabbern zahle ich gern.

- Serpentinen führen ans Meer
Nach wenigen hundert Metern Levada war Schluß und es ging bergab. Erst führte eine steile Straße hinunter, die dann um 90° nach links schwenkte. Die geradeaus verlaufende Treppe war durch zwei schwarzgelbe Pfähle vor der Benutzung durch übereifrigen bzw. leichtsinnigen Autofahrer geschützt. Ich glaub jetzt auch zu verstehen, warum die Treppen auf Madeira gern abgerundete Kanten haben. So kann man nämlich auch Lasten auf "Schlitten" über die Treppen ziehen, früher vielleicht per Ochsenzug, heute mit der Seilwinde.
Wo die Treppen zu Ende waren, wendete gerade ein Kleinlaster auf engstem Raum, um die hier endende enge Bergstraße vorwärts wieder hinunterfahren zu können. Heidi rief zweimal "Stop!", weil sie Angst hatte, der Wagen würde abstürzen. Als wir die Straße dann hinabgingen, fragten wir uns, wie der Fahrer überhaupt hinauf gekommen war. Der mußte auf jeden Fall schwindelfrei sein. Weiter ging's bergab, bis ein Taxi neben uns hielt. Das paßte ja bestens. Wir bräuchten nicht weiter absteigen und sparten auch noch Zeit. Für zehn Euro waren wir binnen einer Viertelstunde wieder an unserem Auto. Wir waren immerhin 16 Kilometer gewandert in den viereinhalb Stunden (mit Pause).
Jetzt schön baden am hellen Sandstrand von Calheta, das wär's. Kein Problem. Wir kauften noch ein paar Erfrischungen und eine "Süddeutsche" im Supermercado von Calheta, bevor wir uns am Strand breitmachten. Es gibt also doch wirklich noch einen weiteren Ort auf Madeira, in dem man zumindest eine deutschsprachige Zeitung kaufen kann. Bei solch starkem Wind wie heute, ist ein Sandstrand allerdings eher suboptimal. Der Sand ist heiß und fliegt ständig in der Gegend herum. Heidi ging baden und ich las, daß Magdeburg sein Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten RW Essen mit 0:1 verloren hatte, wodurch die dritte Liga wohl gestorben ist. Schade. Das Meer ist ganz toll temperiert (20°C) und sowas von klar, daß es eine Freude ist, darin zu schwimmen. Das war einen wunderbare Ergänzung unserer sportlichen Aktivitäten am heutigen Tage.

- Besser als das Essen
Nach zwei Stunden, die Parkzeit war abgelaufen, strichen wir die Segel. Da ich heute schon genug Sonne getankt hatte, mied ich unsere Dachterrasse und blätterte vorm Haus in der "Süddeutschen". Zum Essen fuhren wir Sonnenuntergang gucken. Diesmal war der Sonnenuntergang besser als das Essen. Einerseits hatten sie es immer noch nicht fertiggebracht, Fisch für den Spieß zu besorgen und andererseits gab es auch Heidis Wunschbeilagen nicht, weder Gemüse noch Süßkartoffeln. Und dann war das Lendensteak geschmacklich zwar in Ordnung, aber qualitativ mittelprächtig, was aber immer noch entschieden besser war als die vertrocknete Garnitur. Das war heute nix.
Seit wir nun wieder auf der Terrasse vorm Haus sitzen, kritzele ich meine Gedanken in dieses Heft, trinke dazu Wein und werfe ab und an einen Blick auf Heidi oder leihe ihr mein geöffnetes Ohr. Mal bastelt sie am SODOKU herum, mal liest sie Geschichten auszugsweise vor. Morgen werden wir nochmal einen letzten Anlauf starten, hoch oben in den Bergen zu wandern und hoffen, die Wolken ziehen mal an dieser Insel vorbei anstatt immer darüber. Und jetzt les ich mal Heidi meine Ergüsse vor, wozu der Wasserfall ganz leise rauscht.



