Madeira - 27. Mai 2008
Dritter Anlauf
Die gestrige Zeitung hatte es richtig vorhergesagt - wolkig über Madeira. Nun gut, wir schauen trotzdem mal, wie es über 1800 Metern Höhe aussieht, aber erst nach dem Frühstück.
In Monte begann es zu nieseln. Das war kein gutes Zeichen. Am Poisopass nieselte es schon stärker. Uns kamen diverse Reisebusse entgegen. Ich interpretierte das so, daß es oben richtig gut aussehen müsse, denn die Reiseveranstalter werden doch wohl telefonisch die aktuelle Wetterlage auf dem Pico Ariero abrufen können und nicht die ganzen Tagesausflügler bei schlechtem Wetter zum Spaß durch die Berge karriolen. Weit gefehlt! Das ist alles bezahlte Zeit. Man kann doch eine gebuchte Tour nicht einfach ins Wasser fallen lassen, weil es am Ausflugsziel schüttet. Nach dem Motto "wir haben unsere Schuldigkeit getan und für das Wetter kann keiner". Und das Geld bleibt in der Kasse. Sorum wird ein Schuh draus. Gut, dann fahren wir hald auch wieder hinunter. Mitten in den Regenwolken, braucht man wirklich nicht auszusteigen. Wir fahren am besten über die berühmte Korbmacherstadt Camacha nach Funchal.
In Camacha fanden wir an der Kirche, die wie die meisten hier unter Verschluß ist, einen Parkplatz. Am hiesigen zentralen Platz hat sich eine Korbfabrik mit Werksverkauf etabliert. Es gibt auch ganz tolle Sachen, die allerdings meist für einen Flug zu sperrig sind, zumindest für das Handgepäck, wie Tabletts, Wäschekörbe, Stühle, Tische oder gar Tierplastiken. Das meiste was kleiner ist, kann man als potentiellen Staubfänger nur ignorieren. Außerdem hatten mindestens zwei Reisebusse die nächste Station ihrer Tagestour, nämlich Camachas Korbflechtwarenkaufhaus, offenbar zugleich mit uns erreicht. Wir verließen ohne Mitbringsel den Andenkentempel.

- Zuckerrohr an der Straße
Über die am Samstag von uns entdeckte, neue Via Rapida flogen wir in Funchal ein, parkten am gewohnten Ort und versuchten weiterhin, Mitbringsel zu erhaschen. Irgendwelche Madeiraweine oder -schnäpse sollten wir lieber am Flughafen kaufen. Solche Transportgüter zerstörungssicher in die Koffer einzubauen, bleibt immer ein gewisses Risiko. Hinter der Check in-Kontrolle dürfen Flüssigkeiten größer 100 ml auch wieder ins Handgepäck. Ach deshalb wird diese bescheuerte Begrenzung nicht wieder abgeschafft, Duty Free verdient daran. Aber eine Madeiraweinkellerei hat sich auch schon im Flughafen eingemietet. Sie bietet ihren Kunden an, den in Funchal gekauften Wein dann bei Abreise hinter der Handgepäckkontrolle zu übergeben - irgendwie clever.

- Viel zu sehen
Wir tingelten also durch die Fußgängerzonen, fanden aber einfach nichts Ansprechendes, für Karin zum Beispiel. An der Praça de Muncipio tranken wir einen Cappuccino, bis der Sprühregen wieder zunahm und der Baum über uns keinen Schutz mehr bieten konnte. Er blühte übrigens weiß. Wir kurvten hin und kurvten her, es war einfach nichts zu finden. Eventuell doch etwas für den Garten? Ein, zwei Zwiebeln oder Ableger bekommen wir am besten auf dem Bauernmarkt. Wir brauchten aber garnicht soweit zu gehen, denn schon an einer typischen Blumenecke, wo mehrere Händler sozusagen einen Minimarkt bilden, bekamen wir, was wir wollten.

- Nach genossenem Mahl...

- Der Stieg von Paul do Mar
Jetzt könnten wir noch etwas wandern, aber erstmal müssen wir etwas essen. Das Museum für Photographie betreibt doch ein sehr nettes Restaurante. Das werden wir besuchen. Heidi war von ihrem Cesarensalat ebenso angetan, wie ich von meinem Thunfischsalat. Das Bolo de Caco paßte bestens dazu. Einschließlich der Getränke hatten wir 13,- € zu berappen - ein fairer Preis. Da wir nun schon mal beim Besuchen waren, besuchten wir auch gleich das Museum im Hause (2,50€ Eintritt). Die Räumlichkeit selbst, wie auch die Exponate waren sehr interessant und ließen uns länger verweilen, als gedacht. Jetzt lohnte es sich höchstens noch, uns in den Atlantik zu werfen. Die Sonne schien wieder über Funchal, als wir es verließen. Als wir jedoch in Ribeira Brava aus dem Tunnel kamen, hatte der Nieselregen erneut eingesetzt. Laß uns trotzdem an den Strand fahren, dort ist bestimmt besseres Wetter, schlug ich vor. Zum ersten Mal am heutigen Tage sollte ich rechtbehalten. Es war zwar ausgesprochen windig, aber sonnig. Am Boden blies der Wind von Osten und die Wolken zogen entgegengesetzt - komisch. Ein Bagger planierte den Familienstrand und schaufelte die größeren Felsbrocken auf die andere Seite eines hölzernen Weges. Dort wo kein Sand war, waren die kleineren Steine jetzt gleichmäßig verteilt. Lange wird das wohl nicht so bleiben. Nicht weit entfernt, am noch unordentlichen Steinstrand, warf ein Angler fleißig seine Route aus. Alle Minute hatte er einen kleineren oder größeren Fisch am Haken, wenn nicht ein schlaues Tier den Köder abfraß, ohne gefangen zu werden. Die Tendenz hierzu verstärkte sich mit der Zeit. Als die Dummen zur Neige gingen, packte der Angler seine Route ein. Er hatte wohl genug für heute.
Auch wir packten unsere sieben Sachen, denn es mußten noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft werden. Während Heidi Musik hörte und das Abendessen vorbereitete (Spaghetti mit der gebratenen, madeirischen Chorizokopie von Wurst), fing ich noch ein paar Sonnenstrahlen aber keine Geistesblitze mehr ein. Das Mahl mundete, denn es wurde noch mit geriebenem Käse abgerundet. Und der köstliche Tomaten-Gurkensalat mit Schafskäse schloß das Essen ab. Aber ganz schön fett war die Sauce! Deshalb mixte ich mir, gezwungenermaßen suzusagen, einen Poncha mit frisch gepreßter Zitrone, Honig (gut vermischt) und Aguardente (nein, kein Mundwasser), das hilft immer. Ich löste gerade ein letztes SODOKU-Rätsel aus dem Londoner Heft, als Heidi auffiel, daß unser Wasserfall ausgefallen war. Dafür war aber ein anderer aktiviert worden, sodaß es am Rauschen nicht mangelte.



