Madeira - 11. Mai 2008
Paúl do Mar
„Es ist ja schon halbneun!” waren Heidis erste Worte am heutigen Tage. „Aber das macht ja nix, eigentlich ist es ja erst halbacht.” Leider stimmte diese Annahme nicht wirklich, denn die Uhren waren ja zurückgestellt worden und deshalb war es schon halbzehn. Das machte aber auch nix. Wir frühstückten in aller Ruhe, ergründeten das Wasser als Ursache für den ungewohnten Kaffeegeschmack und genossen den gestern gekauften Ziegenkäse. Es gab sogar Honig, den unsere edlen Vormieter hiergelassen und mit der informellen Nachricht "Mai 2008" versehen hatten. Wir hatten sie offensichtlich abgelöst. Jedenfalls schmeckten die aufgebackenen Brötchen mit dem Honig und auch die Eier bestens.
Zum Anwandern suchten wir uns die Wanderung von Prazeres nach Paúl do Mar heraus, bei der es fünfhundert Höhenmeter zu bewältigen gilt. Wir entschieden uns allerdings fürs Hinaufsteigen also für die Richtung Paúl do Mar nach Prazeres. Wir packten alles ein und gingen zum Auto. Laut Karte führt unsere Straße hinauf zur Regionalstraße 222. Es war leider unmöglich, den richtigen Weg ausfindig zu machen. Beim Wendeversuch bekam unser Clio seinen ersten und hoffentlich auch letzen Kratzer. Ich mußte rückwärts wieder aus der Straße hinaus, was dann trotz eines ungünstig geparkten PKW besser klappte. Die Kupplung machte durch einen penetranten Geruch auf ihre Temperatur aufmerksam. Aber kein Problem, schnell gelangten wir an unseren Ausgangsort, stellten das Auto ab, wechselten das Schuhwerk und los ging's zu unserer allerersten Wanderung auf Madeira.

- Männerakt mit Hund

- Paúl do Mar
Wir mußten nur noch den Einstieg finden, denn in allen Wanderbüchern geht man oben los. Durch die engen Gassen liefen wir zum Hafen, bestaunten die aufs Meer schauende Bronzestatue - Männerakt mit Seil. Ein kleiner Hund spielte zu seinen Füßen. Direkt hier am Hafen, wo die Angler die Fische ersteinmal anfütterten, beginnt der Aufstieg nach Prazeres. Über die typischen madeirischen Rundstufen schlängelt sich der Weg hinauf zur steinernen Brücke über die Ribeira Seco. Uns war es ganz angenehm, daß die Sonne sich hinter Wolken verborgen hielt. Wir kamen auch ohne sie gut ins Schwitzen. Ab und an begegneten wir absteigenden Wanderern, deren Deo nicht versagt zu haben schien. Aber schlauchen tut das auch ungemein, wurde uns bestätigt. Es wurde viel fotografiert.

- Hier stieg das Magma auf

- Zickzack ging's bergauf
Ich versuchte, einige Panoramaserien zu schießen, denn man bekommt diese gigantische Klamm einfach nicht auf ein Bild. An einer Wand wurden die erkalteten Vulkanschlote langsam herauserodiert. Darüber und daneben verfielen alte Terrassenanlgen. Schrit für Schritt und mit gelegentlichen Pausen meisterten wir den Aufstieg. Inzwischen war mein Hemd durchgeschwitzt, was dem Wohlbefinden keinen Abbruch tat. Am Eingangsschild - die Erneuerung des Weges soll über vier Millionen Euro gekostet haben - wurde eine weitere interessante Pflanze abgelichtet.

- Einstieg in Prazeres

- Was das wohl wieder ist?
Den Barfußweg, der gerade von portugiesischen Pfadfindern frequentiert wurde, ließen wir links liegen. Über das Gelände des Hotels Atlantico gelangten wir zu einem netten Restaurante. Der Barmann empfahl uns, nach oben in die Gaststube zu gehen, wenn wir etwas essen wollten. Ich hatte inzwischen mein Hemd gegen die trockene Weste getauscht, und so wählten wir in dem ansonsten leeren Wirtshaus einen uns genehmen Tisch. Heidis Orangensaft wurde frisch gepreßt und mein Bier frisch gezapft. Sehr gut. Und das Beste war die Speisekarte. Heidi entschied sich augenblicklich für den weithin berühmten Espada (Degenfisch) mit Banane und ich zog diesmal den madeirischen Fleischspieß (Espetada) vor. Vorher gab's noch das typische Fladenbrot (Bolo de Coco) mit Knoblauch. Wir wurden bestens bedient von unserem jungen Kellner. Es schmeckte alles hervorragend und mit 28,- € für das Sonntagsmahl waren wir auch zufrieden. Das Taxi, das uns zurück zu unserem Auto bringen sollte, kam schnell. Laut Reiseliteratur soll das Taxifahren auf Madeira recht preisgünstig sein. Wie sich später herausstellte, wurden wir jedoch echt abgezockt, denn für die maximal zehn Kilometer verlangte der Taxifahrer 18,- €. Im Polyglot von vor zwei Jahren wird von einem Kilometerpreis von 47 Cent geschrieben, na toll.
Im Nu waren wir wieder in Lugar de Baixo, wo ich erstmal unter der Dusche verschwand. Ich überspielte die Bilder auf den Laptop und Heidi verschlingt den Krakauer. Trotzdem wurde sie nicht satt und richtete deshalb zum Abendessen ein Risotto mit Ziegenkäse und Linguiça an einer Olive. Dazu ein Glas Wein, was will man mehr? Ich darf weiter am Tagebuch basteln und Heidi nascht weiter am Krakauer (In die Wildnis). Ich kämpfte anschließend mit den Panotools fürs Hugin. Die neueste Version läuft auch nach Neuinstallation immer auf einen Fehler. Da PTgui keine befriedigenden Ergebnisse bringt, installierte ich die Vorversion der Panotools und dann klappte es auch mit dem Zusammenfügen der entsprechenden Bilddateien. Irgendwann konnte ich dann Heidi die Ergebnisse meiner künstlerischen Fotoarbeiten vorführen. Es gibt noch viel zu verbessern. Heidi hatte zwischendurch mal ins Wanderbuch gelugt und ausgerechnet die entfernteste Wanderstrecke zu ihrer liebsten erkoren. Ich denke, die Wanderung auf der Halbinsel des Heiligen Laurenzius heben wir uns für später auf. Und im Hintergrund rauscht der Wasserfall...



