Madeira - 12. Mai 2008
Ribeira da Janela
Um 7.30 Uhr hielt Heidi nichts mehr im Bett. Erstens waren wir ja gestern um 23.00 Uhr schlafen gegangen und zweitens mußten die Haare gewaschen werden. Ich ruhte also noch etwas. Das von Dr. Meier fürs Tee und Kaffeekochen empfohlene Wasser aus dem direkten Wassernetz (ohne den Zwischenspeicher auf dem Dach) kostete ich lieber vor dem Kaffeekochen. Und unsere Vermutung, daß das Wasser gestern den Kaffee versaut hatte, bestätigte sich. Ich nutzt also heute unsere alternative Wasserquelle für die Zubereitung des ultimativen Frühstücksgetränks. Und tatsächlich war der Kaffee geschmacklich um Klassen besser als gestern. Nach kurzem Meinungsaustausch wählten wir eine Wanderroute im äußersten Nordwesten für unsere heutige Tour. Es sollte nicht zu nah an Lugar de Baixo liegen und der versprochene Tunnel reizte auch. Mal ganz abgesehen davon, ist die Ribeira da Janela auch der längste Fluß Madeiras.

- Die grüne Hölle
Über Ribeira Brava fuhren wir zur Nordküste, der wir dann nach Westen folgten. Eine Stunde brauchten wir auf der leeren, neuen Straße mit ihren vielen Tunneln. Die alte Straße, die vor den Tunneleinfahrten immer rechts, außen entlangführend, abbiegt, müssen wir unbedingt auch einmal fahren. In Porto Moniz folgten wir der Ausschilderung des Supermercado, wurden aber etwas enttäuscht, als wir den Kaufmannsladen betraten. Für Wurst und Brot reichte es natürlich allemal, das Angebot. Den Einstiegspunkt in Junquera am dortigen Wasserhäuschen fanden wir gut. Gegen elf Uhr parkten wir unseren Clio und begaben uns nach dem Schuhwechsel zur Levada da Janela. Die Levada ist etwa 80 Zentimeter breit und gut gefüllt. Der Wanderweg ist meist genauso breit und läuft sich nicht nur ganz ausgezeichnet, sondern lädt zumindest anfangs dauernd mit Tischen und Bänken zum Genießen der tollen Aussichten ein. Es waren viele Wanderer zugange und uns begleitete eine Zeitlang ein Photograph (gute Spiegelreflexkamera), der das Licht- und Farbspiel in der Levada an deren Rechen und Überlaufanlagen ablichtete. Die Levadarechen sahen wie mit bunten Blättern tapeziert aus. An den Überläufen warfen die dreieckigen Betonklötze interessante Schatten und das Wasser der Levada erzeugte sowieso ständig wechselnde Spiegel und Zerrmotive. Ein Künstler hald. Das Schöne ist, an solch einer großen, weit bekannten Levada kann man sich unmöglich verlaufen. Andererseits haben wir nicht einen Abzweig, von denen mehrere in den Karten verzeichnet sind, gefunden. Gut, wir wären sowieso nicht abgebogen, aber da mangelt es noch an der Auszeichnung.

- Heidi im Tunnel

- Der Wasserfall danach
Vor dem 600 Meter langen Tunnel wurden unsere Taschenlampen aktiviert und mutig schritten wir ins Dunkel. Es dauerte einen Weile, bis sich die Augen an das Taschenlampenlicht gewöhnt hatten. Die Levada war nach wie vor 80 Zentimeter breit, aber die Tunnelbreite ließ für den Weg manchmal nur knapp die Hälfte übrig. Die Pfützen sind für normale Wanderstiefel kein Problem und die Höhe der Tunnel läßt erst ab ca. 1,80 Meter Körperlänge Kopfkontakte befürchten. Die meisten Wanderführer in Buchform empfehlen, die Wanderung hinter dem Tunnel mit dem Rückweg weiterzuführen. Dann würde man auch nicht nass, denn ein Nebenarm der Janela stürzt sich hier in Form eines Wasserfalles auf ein Wellblechdach, das das völlig trockene Passieren nicht annähernd garantieren kann. Richtig nass wird man zumindest heute auch nicht. Hinter dem sich nun anschließenden Tunnel bleibt der Wanderweg gut ausgebaut. Dies wird in einigen Wanderführern anders dargestellt.

- Ein grüner Fink

- Auf dem Rückweg
Wir gelangten an eine Levada-Pflegestation. Drei Mitarbeiter der Levada Janela Taskforce genossen gerad ihr Mittagsmahl und auch einige andere Wanderer hatten sich auf den Levadaufern niedergelassen. Es gibt sogar einen überdachten Grillplatz! Uns war es hier zu voll und deshalb gingen wir auch noch durch einen dritten Tunnel. Hier fanden wir endlich einen ruhigen Platz für unser Picknick. Ein Grünfink erbettelte sich einen Krume unseres Brotes und entschwand mit seinem Anteil. Also auch hier war der Weg noch in allerbestem Zustande. Wir gingen noch zwei weitere Kurven, bevor wir umkehrten. Der Schrittzähler wies acht Kilometer aus. Während des Rückweges trafen wir viel weniger Leute. Es ging schon auf viertelzwei. Obwohl der Weg derselbe war, ergaben sich immer wieder neue Perspektiven. Irgendwann nahmen wir auch die Einladung des Wanderweges an und leerten unsere Wasserflasche an einem Picknicktisch, von dem aus man einen tollen Blick auf den Ort Ribeira da Janela hat. Von dort war es nicht mehr weit zum Auto. Eben saßen wir noch im Sonnenschein und plötzlich zogen dunkele Wolken auf. Heidi meinte, es tröpfele schon, was ich nicht bestätigen konnte, da mein Regensensor von einem Basecap verdeckt wurde. Aber tatsächlich nahmen die Regentropfen mengenmäßig noch zu.. Wir hatten es genau richtig getroffen und setzten uns einfach in unser Auto.

- Ribeira da Janela
Auf der Regionalstraße 110 (77 km bis Funchal) fuhren wir bis zum Abzweig nach Calheta. Über die Küstenstraße 101 sind es gar 99 Kilometer bis Funchal. Allerdings regnete es hier oben etwas kräftiger und die Wolken lagen mitten auf der Straße. Viele Autos fuhren nicht herum. Nur einige, langsame Touristen waren unterwegs, davon einer sogar ohne Licht. Kein Wunder, daß der nichts sah. Mal ganz abgesehen davon, daß er von anderen, selbst langsam fahrend, schlecht zu sehen war. Den Kühen schien der Regen zu gefallen. Sie fraßen gemütlich am Straßenrand. Dann bogen wir auf die Straße 211 nach Calheta ab. Schlagartig war Schluß mit dem Asphalt. Schlüpfriges Kopfsteinpflaster belegte bei stärker werdendem Regen die steil bergab führende Straße bis kurz vor Calheta. Ein einziges Auto - ein Taxi - bzw. dessen Fahrer brachte den Mut auf, zur Straße 110 hinaufzufahren. Als schlaglöchriger, einspuriger Asphalt den Untergrund zu bilden begann, zweifelte ich an der korrekten Routenführung. Es hatte jedoch alles seine Richtigkeit. Ah, zwei Spuren! Oh, Straßenkennzeichnungen! Wir hatten das Abenteuerlichste hinter uns. Nur einkaufen mußten wir noch.
Wir fanden doch wirklich den von Dr. Meier empfohlenen Supermercado in Ribeira Brava. Auf der gelben Zickzacklinie darf man kurz parken. Fünf Minuten steht dran am Halteverbotsschild, aber 15 Minuten werden wohl toleriert. Zurück in Lugar de Baixo stellte sich heraus, daß die Badetücher doch nicht so naß geworden waren, wie Heidi es befürchtet hatte. Eine kleine Zwischenmahlzeit, etwas lesen, auch tagebuchschreiben und sie würden wieder trocken sein und wir uns unseren Wanderschweiß abwaschen können.
Zum Abendessen gingen wir diesmal in das andere Restaurante. Die Bedienung war zuvorkommend und so orderten wir Napfmuscheln, was hier mit seasnails übersetzt wird, als Vorspeise. Dazu braucht man natürlich auch etwas Brot. Eigentlich waren wir schon satt, als die Hauptgerichte kamen. Die Pizza Capricciosa medium war riesig und meine Spaghetti con Pollo ein richtiger Berg auf dem ohnehin tiefen Teller. Die restliche Hälfte der Pizza ließen wir uns einpacken. Wenn Herr Dr. Meier die Bar am Strand wegen des 1,30€ teuren Bieres gegeißelt hatte, würde er hier wohl generell von einem Besuch abraten, denn es wurden gar 1,50€ in Rechnung gestellt. Satt waren wir allemal und Pizza für morgen war nun auch vorrätig. Wir stürzten uns auf die üblichen erholsamen Tätigkeiten. Bei einem Glas Wein las ich das Tagebuch vor und zeigte die Fotos. Im Hintergrund rauschte der Wasserfall...



