Madeira - 14. Mai 2008
Rabaçal und Umgebung
Wie von Zauberhand stand das Frühstück um 8.30 Uhr auf dem Tisch. Den Kaffee hatte ich gekocht, zur allgemeinen Zufriedenheit versteht sich. Nebenbei wurde der Proviant vorbereitet und die Tour 37 aus Christines Reiseführer ausgewählt. Alles lief glatt und nach Plan. Wir wollten, dem Rat des Wanderführers folgend, am "Garagem" parken und durch den Rabaçal-Tunnel wandern. Dazu wollten wir die Landstraße 209 hoch zur 110 fahren. Die Straße 209 geht von der 222 ab, auf die wir in Ponta do Sol fuhren.
Wir waren überrascht, was auf dieser ehemals einzigen Straße zur Hochebene für LKWs unterwegs waren: Tanklastwagen, Kipper voller Felsen und auch leere. Es ging also gemütlich los und ich konnte hinter den LKW auch mal einen Blick nach rechts oder links riskieren. Hinter Canhas war dann die Hochebene Paúl da Serra ausgeschildert und ich bog hinter dem mit Natursteinen beladenen Kipper rechts ab. Das war Heidi leider etwas zu früh nach ihrer Karte. Die Straße wurde nach und nach schlechter, aber das kannten wir ja schon von vorgestern. Trotzdem gab es noch eine Stelle, an der ich am Kipper vorbei kam. Weiter oben, als ich glaubte, den Zielort des Kippers passiert zu haben, jetzt aber hinter einem spazieren fahrenden Touri hing, nutzte ich die Gelegenheit, an einem potentiellen Aussichtspunkt zu halten. Die nicht besonders beeindruckende Aussicht auf den Atlantik wurde durch die Sicht auf einen Steinbruch aufgepeppt. Hier also kippte unser Laster seine Klamotten in einen Brecher, der die großen Steine unter lautem Getöse zermalmte. Wir zogen weiter. Über das große Feld (Campo Grande) kamen wir an die Kreuzung mit der Straße 110. Noch fünf Kilometer nach Westen und Rabaçal wäre in greifbarer Nähe. Die Straße hinunter nach Rabaçal war mittels einer Schranke gesperrt. Der Parkplatz war bestens besucht. Obwohl noch genügend Platz für uns gewesen wäre, fühlten wir uns mit der Option, durch den Tunnel zu starten, voll bestätigt. Die Befürchtung, daß der Rastplatz Garagem zugeparkt sein könnte, erfüllte sich nicht.

- Am nördlichen Tunnelausgang

- Ein komfortabler Wanderweg
Frohgemut brachen wir in Richtung Tunnel auf. Die im Wanderführer als "Erdweg" beschriebene, gesperrte Zufahrtsstraße auf Waldwegniveau ist auf der rechten Seite von 20 bis 30 Zentimeter hohen Steinen gesäumt. Diese sollen Autofahrer davon abhalten, von der Straße abzukommen und ins Tal zu stürzen. Am Tunneleingang tropfte es heftig, was uns veranlaßte, die Regenjacken zu aktivieren. Zumindest hielten sie warm, denn im Tunnel standen zwar die Pfützen, aber von oben blieb es trocken. Kaum hatten sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt, kam auch schon das Licht am Ende des ungefähr 800 Meter langen Tunnels in Sicht. Dort schien dann die Sonne, sodaß wir mit den Regenjacken etwas blöd aussahen. Nach zweihundert Metern begann der Aufstieg zur höheren Levada do Risco, die uns zum gleichnamigen Wasserfall führen sollte. Als wir die Levada, immer den rötlichen Steinstufen folgend, erreicht hatten, kam uns von oben, also von Rabaçal eine Seniorenwandergruppe mit ihrem meckerndem Führer entgegen. Er kopierte die Ziege perfekt, wobei wir den Eindruck hatten, er brächte auch seine Gemütslage zum Ausdruck.

- Der Riscowasserfall
Der Weg zum Riscowasserfall war der Reisegruppe angemessen, bis auf den einen Baum, der quer darüber gestürzt war und sicher für Aufregung sorgte. Der bestbesuchte Wasserfall war schon mal ganz nett aber eben auch ziemlich überlaufen. Als die Reisegruppe eintrudelte, verließen wir die erste Attraktion. Wir gingen zurück bis zum Abstieg zur Levada der 25 Quellen und folgten dem diesmal gepflasterten Weg hinunter. Dort hielten wir uns links, um gleich weiter hinunter zur Levada Rocha Vermelha zu gelangen. Die 25 Quellen wollten wir uns für den Schluß aufheben. Der Verbindungsweg war wegen seiner Treppen recht anstrengend aber gut in Schuß.

- Ribeiro dos Cedros

- Levada Rocha Vermelha
Schnell waren wir an den zwei Wasserfällen des Ribeiro dos Cedros, wo wir zwei Mädels trafen, die nicht recht wußten, ob sie dem an der Levada aufgestellten Gefahrenschild folgeleisten sollten oder nicht. Wir gingen auf eigene Gefahr weiter und uns entgegenkommende Wanderer bestätigten die Solidität des Levadaweges und die tollen Aussichten. Also nix wie hin. Wie, wohin?. Es geht immer an der Levada entlang, wir schauen ins Haupt- und auch in die Nebentäler. Der in der Karte eingezeichnete See ist nicht zu sehen, das Meer sowieso nicht. Das einzig Spannende ist der Weg selbst, der ab und an etwas ausgesetzt daher kommt, zwar Schwindelfreiheit voraussetzt, aber nie wirklich schwierig ist. Aus dem Bauch heraus machen wir unser Picknick. Oder sollte ich schreiben, in den Bauch hinein? Die beiden Mädel tauchten auch bald auf. Sie wollten nur noch um die Ecke schauen und dann ebenfalls umdrehen. Dafür, daß vom Begehen dieses Levadaweges von amtswegen abgeraten wird, war ganz gut betrieb. Aber ich glaub, es waren ausschließlich deutschsprachige Wandergesellen, die wir trafen.

- Cascada de 25 Fontes
So, nun wieder hinauf zur Levada der 25 Quellen. Dieser Weg war der schlechteste aller transversalen Verbindungen. Es war der einzige, wahre Wanderweg: schmal, ausgewaschen, geröllig und alles in allem nichts für Badelatschen. Mit unseren guten Wanderschuhen und der immer besser werdenden Kondition kamen wir gut hinauf. Der Weg zur letzten Attraktion des heutigen Tages war gut gesichert. Man läuft am besten immer direkt neben der Levada und um diese Zeit (14.30 Uhr) war kaum Gegenverkehr. Angekommen, gingen wir zuerst auf die unterhalb liegende Brücke und mußten unserer Bewunderung lauthals Ausdruck verleihen. Ein tolles Naturschauspiel! Die Bilder werden es nicht wirklich wiedergeben können. Die Sonne beleuchtet tageszeitgemäß eine Flanke des Kessels. Verschiedenste Grüntöne leuchten oder liegen im Schatten. Im kleinen Becken zerstieben die Wassertropfen. Die allgegenwärtigen Finken umlagern die Wanderer. Hier geht es nicht um den sprichwörtlichen Napf. Hier wird geklotzt. Wir durften wieder einmal ein paradiesisches Fleckchen Erde kennenlernen.
Der Rest ist schnell aufgeschrieben. Da wir das Levadalevel nicht mehr zu wechseln brauchten, ging es nur noch horizontal, bzw. levadamäßig leicht abfallend in Richtung Rabaçal-Tunnel. Diesmal ließen wir die Regenjacken eingepackt und leuchteten uns auf die andere Seite der Straße 110 und so zum Auto und fast heim. Außer dem Clio stand ein einsamer Bambuswanderstab auf dem Parkplatz. Ob er schon vermißt wird? In Lancal, wir waren die altbekannte Straße hinabgerollt, kauften wir Wasser, Brot und eine Zitrone, bevor wir in Ponta do Sol zu Abend aßen. Na klar sind wir zwischenzeitlich dorthingefahren. Beamen ist einfach noch zu riskant. Ich aß vom Fang des Tages den Bodião und Heidi blieb beim Degenfisch. Diesmal war auf der Karte keine Banane erwähnt, weshalb er im Teigmantel serviert wurde und Heidi etwas fad schmeckte. Mein mir bis dato unbekannter Fisch hatte einen Schnabel wie ein Vogel. So wird man zum Papageifisch. Gut, ich eß Fischmäuler eh nie mit, aber das war schon mal wirklich neu. Die Konsistenz - sehr zahrt, leicht zerfallend - kannte ich bisher so auch nicht. Und geschmeckt hat er nach Meer. Das hat mir gut gefallen. Keine 27,-€ betrug die Zeche. Das ist fair.
Den Abend genossen wir vorm Häuschen. Erstmals zog Heidis Zigarettenrauch in meine Richtung. Dies wies daraufhin, daß der Wind von Süden weht. Schlechtes Wetter kündigte sich also an. Aber heute Abend war es noch angenehm warm und trocken. Der Wasserfall rauschte einschläfernd.



